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Vorbestellung von Corona-MittelnDie Schweiz steht vor Abschluss eines Impfstoffvertrags

Der Wettlauf um die ersten Auslieferungen von Corona-Impfstoffen ist lanciert. Der Bund ringt um Vorrechte an einem Produkt von Moderna.

Eine Impfung könnte alle Probleme um das Coronavirus lösen. Eine Frau lässt sich gegen die saisonale Grippe impfen.
Eine Impfung könnte alle Probleme um das Coronavirus lösen. Eine Frau lässt sich gegen die saisonale Grippe impfen.
Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Schweiz will 60 Prozent der Bevölkerung gegen Corona impfen. Und das so früh wie möglich. Um sich die ersten Auslieferungen zu sichern, will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 100 Millionen Franken ausgeben. Aber noch steht kein Vertrag, und die Schweiz gehört zu den letzten Industriestaaten, die sich bei den Pharmafirmen Vorrechte erkaufen. Mit dem US-Biotech-Unternehmen Moderna zogen sich die Verhandlungen am Mittwoch noch immer hin. «Wir stehen vor dem Vertragsabschluss», sagte Patrick Mathys vom BAG am Mittwochnachmittag.

Der Impfstoff von Moderna ist genbasiert und beruht auf einer neuartigen Technologie, die Registrierung für die Testphase mit 30’000 Probanden hat letzte Woche begonnen. Noch ist unklar, ob er sicher und effizient ist. Den Hauptwirkstoff der Impfung produziert der Schweizer Konzern Lonza in Auftrag von Moderna in seinen Werken in den USA und in Visp. Lonza selbst kann nicht über die Zuteilung entscheiden, hat aber zwischen Moderna und dem BAG vermittelt, denn der Wettlauf zwischen den Staaten um die Vorrechte ist intensiv.

Insgesamt will die Schweiz für drei bis fünf verschiedene Impfstoffe Vorbestellungen aufgeben. Die UNO dringt auf eine gerechte Verteilung auch an arme Staaten. «Dass die Impfstoffverteilung nicht völlig gerecht sein wird, davon müssen wir leider ausgehen», sagte dagegen Mathys. Aber auch ein Impfstoff wird die Pandemie nicht umgehend beenden. «Wir werden wahrscheinlich nur einen Schutz von 30 bis 50 Prozent haben», warnt Pharmaanalyst Michael Nawrath von der Zürcher Kantonalbank.

Wer in der Schweiz zuerst geimpft werden soll und wie die Immunisierung durchgeführt wird, darüber gibt es laut Mathys Pläne. Diese würden aber erst zu gegebener Zeit öffentlich gemacht werden.

Für den eigentlichen Impfstoffkauf hat der Bund schon jetzt 200 Millionen Franken reserviert. Die Vorbestellungen sind eine Wette: Denn es gibt rund 160 Forschungsprojekte für ein Vakzin weltweit, und noch ist unklar, welche erfolgreich sein werden. Die Schweiz will deshalb auf verschiedene Technologien setzen, um das Risiko zu minimieren.

Die USA haben bislang schon für über 6 Milliarden Dollar mit verschiedenen Herstellern Vorverträge abgeschlossen, unter anderem mit Moderna, Johnson & Johnson, Pfizer, Astra-Zeneca sowie dem gemeinsamen Projekt von Sanofi und GlaxoSmithKline.

Moderna gab am Mittwoch bekannt, dass ihre Impfung, die bislang den Namen mRNA-1273 trägt, sollte sie erfolgreich getestet worden sein, zum Preis zwischen 32 und 37 Dollar auf den Markt kommen soll. Wie viele Impfungen allerdings nötig sein werden, um eine Immunität herzustellen, ist noch unklar. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bislang Vorreservationen von Staaten von insgesamt 400 Millionen Dollar erhalten. (Lesen Sie hier ein Porträt über Moderna-Chef Stéphane Bancel.)

22 Kommentare
    H. Alois

    Ein kleines Gedankenspiel zur freien Marktwirkschaft: Was wäre wenn die Schweiz einen gültigen Vertrag zum Vorbezug des vielversprechendsten Impfstoffes hätte, der zu wichtigen Teilen in den USA hergestellt würde. Wie würde Trump reagieren?