1:0 für die Hotellobby gegen Booking

Die Hoteliers haben ihre liebe Mühe mit der Onlinesite Booking – aber jetzt haben sie einen wichtigen politischen Sieg errungen.

Die Hoteliers haben vorerst gewonnen: Die Frontseite der Plattform Booking.

Die Hoteliers haben vorerst gewonnen: Die Frontseite der Plattform Booking. Bild: Screenshot

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Lobbyiert haben beide Seiten mit allen Kräften. Sowohl der Hotelverband Hotelleriesuisse als auch die globale Buchungsplattform Booking haben die Mitglieder der Wirtschaftskommission (WAK) des Ständerats in den letzten Wochen intensiv bearbeitet. Durchgesetzt haben sich vorerst die Hotels: Die Wirtschaftskommission (WAK) des Ständerats hat am Donnerstag einer Motion zugestimmt, welche Booking, Expedia und anderen Buchungsplattformen sogenannte Knebelverträge verbieten will. Der Entscheid fiel deutlich mit 9 gegen 1 Stimme. Damit stellt sich die Kommission auch gegen den Wirtschaftsverband Economiesuisse, der die Motion zur Ablehnung empfohlen hatte.

Die Motion stammt vom Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof. Er hat in seinem Vorstoss die Klage vieler Hoteliers aufgenommen, die in Booking, Expedia und Co. zunehmend mehr Fluch als Segen sehen. Sie werfen der Buchungsplattform vor, die Hotels mit strengen Verträgen in ihrer unternehmerischen Freiheit einzuschränken. Konkret richtet sich die Motion gegen sogenannte Preisparitätsklauseln. Diese Klauseln verbieten es dem Hotelier, auf seiner eigenen Hotel-Website günstigere Zimmertarife anzubieten als auf der Plattform. Damit werde die unternehmerische Freiheit der Hoteliers eingeschränkt, argumentiert Bischof.

Frankenstärke

Die Kommission begründet ihren Entscheid unter anderem damit, dass alle Nachbarländer die kritisierten Klauseln entweder schon verboten hätten oder dabei seien, sie zu verbieten. Für die Kommission sei klar, «dass die hiesigen Hotels neben der Frankenstärke nicht noch weitere Standortnachteile haben sollten», teilt die Kommission mit.

Die Firma Booking hingegen, die mit Abstand grösste Buchungsplattform in Europa, warnt davor, dass Bischofs Motion indirekt den Hotelkunden schaden werde. «Der Effekt einer solchen wäre eine geringere Transparenz und dadurch höhere Preise für die Hotelgäste», sagte der Booking-Europachef Peter Verhoeven in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Zudem glaubt Verhoeven, dass die Kunden künftig das Hotel über Booking.com suchen, dann aber beim Hotel selber buchen. Damit würden die Hoteliers gratis «Trittbrettfahren».

Erstellt: 03.02.2017, 14:44 Uhr

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