Arzt lädt Bild eines amputierten Beins auf Facebook hoch

Wieder prahlt ein Schweizer Arzt mit einem makaberen Foto in sozialen Medien: Weshalb Ärzte das tun und wo die Grenzen des Galgenhumors liegen.

Eine Studie besagt, Galgenhumor sei häufig ein akzeptabler Weg, schweren Momenten die Schärfe zu nehmen. Themenbild.

Eine Studie besagt, Galgenhumor sei häufig ein akzeptabler Weg, schweren Momenten die Schärfe zu nehmen. Themenbild. Bild: Keystone

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Nachdem ein Arzt des Kantonsspitals Olten im Operationssaal mit blutverschmierten Kleidern und Faxen für ein Foto posierte und es bei Whatsapp als Profilfoto hochlud, zeigt sich: Solches Verhalten ist in Medizinerkreisen nicht unüblich. Ein anderer Arzt aus dem Inselspital Bern hatte ein ähnliches Bild auf Facebook aufgeschaltet. Es zeigte ihn mit einem amputierten Bein in der rechten und einem blutigen Messer in der linken Hand. Die Schnittstelle hatte der Herzspezialist mit einem schwarzen Quadrat unkenntlich gemacht. Das Spital führt an, der Fall betreffe das Inselspital als Institution nicht. Tatsächlich ist das Bild 2010 im Ausland aufgenommen worden.

Der betroffene Arzt zeigte sich erschrocken über die Kontaktaufnahme von Tagesanzeiger.ch/Newsnet und löschte das Bild umgehend auf Facebook, sagt ein Sprecher des Inselspitals. Die Stellungnahme des Spitals fällt denn auch unmissverständlich aus: «Ein solches Bild gehört ganz klar nicht auf eine Social-Media-Plattform – selbst dann nicht, wenn wie im vorliegenden Fall nur die Facebook-Freunde dieses Bild sehen können.» Die hausinternen Social-Media-Richtlinien seien da eindeutig. Im dreiseitigen Papier heisst es unter anderem: «Handeln Sie auch im Internet respektvoll, ehrlich und höflich.» Und: «Veröffentlichen Sie keine Bilder, deren Urheberrechte Sie nicht geklärt haben, und berücksichtigen Sie den Persönlichkeitsschutz der abgebildeten Personen. Veröffentlichen Sie nur Bilder und Texte, die Sie auch jederzeit Ihren Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeitenden oder Vorgesetzten zeigen würden.»

Galgenhumor als Hilfe

Die FMH, die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, will zum Foto keine Stellung nehmen. Die eigene Standeskommission werde erst aktiv, wenn eine Beschwerde eingegangen sei. Die Ärzteverbindung ist gegenwärtig daran, Empfehlungen für den Umgang mit sozialen Medien zu erarbeiten und verweist im besagten Fall auf ihre Ethikgrundsätze. Diese besagen, die Würde des Patienten dürfe nicht beschädigt werden.

Offenbar fanden beide Ärzte bei ihren fotografischen Werken einen unterhaltsam-makaberen Mehrwert, der sie veranlasste, die Fotos zu teilen. Die Bioethikerin Katie Watson versuchte, in ihrer wissenschaftlichen Arbeit «Gallows Humor in Medicine»(Galgenhumor in der Medizin) eine Antwort auf die Frage zu geben, wann dieser Humor akzeptabel sein kann. Der Klinikalltag, schreibt Watson, drehe sich nicht ausschliesslich um die Patienten. Auch die Ärzte haben Ängste und werden beinahe täglich mit Situationen konfrontiert, in denen ihnen das Lachen vergeht. Laut Watson sei Galgenhumor häufig ein akzeptabler Weg, diesen Momenten die Schärfe zu nehmen. Und darum, schliesst Katie Watson, sei dieser Galgenhumor manchmal nötig.

Eine Frage der «Kinderstube»

Doch die Wissenschaftlerin zieht auch scharfe Grenzen und schreibt, was nicht geht: Wenn der Witz zulasten von Patienten geht, wenn Ärzte sich über ihre Patienten lustig machen, dann besteht die Gefahr, dass sie auch den Patienten oder die Patientin nicht mehr ernst nehmen.

Die Patientenschützerin und ehemalige Krankenschwester Margrit Kessler sagt zum Thema Ethik: «Das Verhalten im Operationssaal hat viel mit guter Kinderstube zu tun.» Ähnliches sagt Social-Media-Expertin Andrea Iltgen der Firma Xeit über den Umgang mit sozialen Medien: «Was man von sich im Internet preisgibt, was man von sich postet, geht oft einher mit gesundem Menschenverstand.»

Erstellt: 15.07.2014, 13:36 Uhr

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