Billig-Abo der Grünen kommt nicht gut an

Die Grünen wollen den Freizeitverkehr fördern und fordern deshalb ein Billig-Abo. Der Verband öffentlicher Verkehr stimmt zwar zu, hält aber andere Vorschläge für tauglicher.

Im Freizeitverkehr noch nicht ausgelastet: Zug der SBB.

Im Freizeitverkehr noch nicht ausgelastet: Zug der SBB.

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Zugfahren wird immer teurer, während der Komfort aufgrund der ausgelasteten Züge sinkt. Im vergangenen Jahr beförderte die SBB deshalb 10'000 Personen weniger als noch ein Jahr zuvor – wobei vor allem beim Freizeit- und Tourismusverkehr Einbussen verzeichnet wurden. Das ist bedenklich, finden die Grünen und fordern deshalb neue Lösungen. Zum Beispiel die sogenannte Bahnkarte 25, eine Art Halbtax-Abo für Gelegenheitszugfahrer nach dem Vorbild der Deutschen Bahn. Für 50 Franken im Jahr würden damit sämtliche Zugtickets einen Viertel weniger kosten.

Zu viele Vergünstigungen kontraproduktiv

Die Bestrebungen, die Rückverlagerung von der Schiene auf die Strasse zu stoppen, findet Zustimmung bei Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV). Allerdings mit Einschränkungen. Die Politik müsse sich jedoch nicht nur Gedanken über ein attraktives Angebot im Freizeitverkehr machen, sondern auch die Finanzierung bedenken. «Es kann nicht nur alles günstiger sein als heute», sagte er gegenüber der AZ. Und VÖV-Mediensprecher Roger Baumann präzisiert: «Dieser Bahnkartenvorschlag ist zwar bedenkenswert, aber zunächst müsste man durchrechnen, für wen sich ein solches Angebot lohnt. Und ob zusätzlich zum Generalabonnement und dem Halbtax überhaupt ein Bedürfnis besteht.» Dies zu berechnen, könne aber länger dauern.

Der VÖV prüfe den Vorschlag nun, um den Vorteil für den Kunden fassbar zu machen. Würden am Automaten zu viele Vergünstigungen angeboten, könne dies die Kunden überfordern. Deshalb sei es wichtig, dass das Angebot übersichtlich bleibe. Der VÖV hat laut Baumann bereits im Februar in einer Vernehmlassung eigene Vorschläge vorgelegt. Bereits beschlossen ist die Einführung einer elektronischen ÖV-Card, ausserdem würden neue Angebote geprüft wie zum Beispiel ein mit Verbundzonen kombiniertes Streckenabo oder eine Ausdehnung des Geltungsbereiches des Gleis-7-Abos. Die Bahnkarte 25 ist dabei aber nicht vorgesehen.

Vorbild Deutsche Bahn

Eine Bahnkarte 25, wie sie den Grünen vorschwebt, bietet die Deutsche Bahn bereits seit 2002 an. Für 61 Euro jährlich erhält der Kunde auf Normalstrecken der 2. Klasse eine Preisreduktion um 25 Prozent. Für Jugendliche unter 18 Jahren kostet die Karte nur zehn Euro. Offen bleibt allerdings, ob nicht auch ein anderes Modell Schule machen könnte, nämlich die Einführung von Billigbussen, wie jene der Berliner Busgesellschaft Mein Fernbus, die bereits zwischen Lörrach und Zürich verkehren. Eine Fahrt zwischen Lörrach und Zürich retour kostet auf Meinfernbus.de im Schnitt rund 15 Franken, bei der SBB aber 73 Franken. Bei einem solchen Preisunterschied dürfte sich manch einer überlegen, ob der Bus nicht doch die bessere Bahn ist. (mcb)

Erstellt: 22.04.2013, 10:43 Uhr

Umfrage

Die Grünen schlagen eine Art Halbtax-Abo für Gelegenheitszugfahrer vor. Für 50 Franken im Jahr würden damit sämtliche Zugtickets ein Viertel weniger kosten. Eine gute Idee?

Ja

 
48.4%

Nein

 
51.6%

2208 Stimmen


Die Vorschläge der Grünen

Die Grünen haben heute eine gezielte Anpassung des Billett- und Abonnementsangebotes vorgeschlagen. Neben der «Bahnkarte 25» sollen in den Randzeiten weniger hohe Tickettarife gelten. Zudem sollen neue GA-Angebote geschaffen werden, die nur in den Randzeiten gültig sind.
Mit diesen Vorschlägen wollen die Gründen die Wirtschaftlichkeit des öffentlichen Verkehrs verbessern, weil die Randzeiten besser ausgelastet wären. Dies ist nach Auffassung der grünen auch ein Mittel gegen weitere Tariferhöhungen.
Voraussetzung dafür ist die gesetzliche Verankerung eines Verlagerungsauftrags im Personenverkehr. Ein solcher gilt heute nur für den alpenquerenden Güterverkehr. Die Grünen kündigten an, im Parlament einem Vorstoss für einen Verlagerungsartikel im Personenbeförderungsgesetz einzureichen.
Langfristig sollen die Transportkosten verursachergerecht finanziert werden: Wer die Infrastrukturen stärker nutzt, soll aus Sicht der Grünen auch mehr bezahlen. Dieses vom Bundesrat geplante Mobility Pricing solle für Strasse und ÖV gemeinsam eingeführt werden.

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