Bortoluzzi: Schwule und Lesben «fehlgeleitet»

Der Zürcher SVP-Nationalrat bezeichnet gleichgeschlechtliche Partnerschaften als «Blödsinn». Die Schwulenorganisation Pink Cross ist «konsterniert». Und auch aus Bortoluzzis Partei kommt heftige Kritik.

Aus der Sicht von Toni Bortoluzzi «fehlgeleitet»: «Schwule, Lesben und alle, die allein leben oder ihren Partner nach Lust und Laune wechseln.» (17. Juni 2012)

Aus der Sicht von Toni Bortoluzzi «fehlgeleitet»: «Schwule, Lesben und alle, die allein leben oder ihren Partner nach Lust und Laune wechseln.» (17. Juni 2012) Bild: Keystone

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Der «Beobachter» hat Toni Bortoluzzi zur geplanten Reform des Familienrechts befragt. Wie die Zeitschrift auf ihrer Webseite berichtet, bezeichnete der SVP-Nationalrat dabei Schwule und Lesben als «Fehlgeleitete» mit einem «unnatürlichen Verhalten». Er lehne die Reform ab, da mit ihr versucht werde, die gleichgeschlechtliche Partnerschaft jener zwischen Mann und Frau gleichzustellen. Das sei «dummes Zeug».

Auf Nachfrage des «Beobachters» führte der Politiker weiter aus: Unter «Fehlgeleiteten» verstehe er «Schwule, Lesben und alle, die allein leben oder ihren Partner nach Lust und Laune wechseln». Gleichgeschlechtliche Paare hätten «einen Hirnlappen, der verkehrt läuft». Wenn man «jeden Blödsinn zur Normalität erhebt», werte man die Ehe als ideale Beziehungsform ab und gefährde die Stabilität der Gesellschaft. Bortoluzzi war für Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht für eine Stellungnahme zu den Aussagen erreichbar.

Pink Cross prüft rechtliche Schritte

Die Schwulenorganisation Pink Cross hat bereits auf die Aussagen reagiert. Man sei «konsterniert», schreibt sie auf ihrer Webseite. Und prüfe rechtliche Schritte. Geschäftsleiter Bastian Baumann, sagte gegenüber dem «Beobachter» weiter: «Wer Homosexuelle als unnatürliche Wesen betitelt, hat im Biologieunterricht nicht aufgepasst.»

Doch auch aus der SVP selber kommt Kritik an Bortoluzzi: Der Berner Grossrat Thomas Fuchs, bekennender Homosexueller und Mitglied der Gruppe Gays in der SVP, bezeichnet die Aussagen seines Parteikollegen gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet als «daneben». Sie stelle auch Bortoluzzis Glaubwürdigkeit als Nationalrat in Frage. «Ich frage mich, wer Bortoluzzi noch wählen soll», so Fuchs weiter. Er beleidige ja nicht nur gleichgeschlechtliche Paare, sondern einen grossen Teil der Schweizer Bevölkerung. Allerdings passten solche Aussagen eigentlich gar nicht zu Bortoluzzi.

Auch Beat Feurer, Mitglied der Bieler Stadtregierung und Präsident der Gay-SVP, verurteilt die Aussagen Bortoluzzis. Er «wünscht» sich nun eine Stellungnahme der Parteileitung. Allerdings zeige die Erfahrung, dass Einzelaussagen von Parteimitgliedern selten kommentiert würden.

Bericht des Bundesrates kommt Ende Jahr

Hintergrund von Bortoluzzis Äusserungen ist die vom Bundesrat angedachte Reform des Familienrechts. Bis Ende Jahr soll ein Bericht aufzeigen, wie sich das aktuelle Familienrecht an die heutige gesellschaftliche Realität anpassen lässt. Der Status quo fokussiert auf die traditionelle bürgerliche Kleinfamilie, obwohl heute ein grosser Teil der Bevölkerung in anderen Familienformen lebt.

Am 24. Juni findet zudem eine vom Bundesamt für Justiz organisierte Konferenz statt, auf der verschiedene Gutachten diskutiert werden, die der Bund in Auftrag gegeben hat. Darunter ist auch jenes der Basler Privatrechtsprofessorin Ingeborg Schwenzer. Sie fordert unter anderem, dass keine Familienform rechtlich bevorteilt werden darf. Die Ehe soll ihren Sonderstatus verlieren. Weiter schlägt sie vor, dass auch Homosexuelle künftig heiraten dürfen. Das Inzestverbot sowie das Verbot polygamer Ehen sei kritisch zu hinterfragen.

Bortoluzzi kritisiert das Papier von Schwenzer gegenüber dem «Beobachter»: Schwenzer sei «an sich eine gescheite Frau, neige aber zu unnatürlichem Verhalten». Und: «Man kann ja nicht jemanden, der abnormal ist, etwas Normales schreiben lassen.» (ldc)

Erstellt: 11.06.2014, 14:23 Uhr

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