Büssen allein bringt nichts

Das Abfallproblem wird durch Bussen nicht kleiner – die neuen Regeln müssen auch durchgesetzt werden.

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Selbst wenn man wenig für Kulturpessimisten übrighat, die verklärt von gestern schwärmen: Manchmal haben sie eben doch recht. Ja, früher waren die ­öffentlichen Plätze sauberer. Heute sieht man mehr Abfall auf den Strassen als noch vor zwanzig Jahren. Die Gründe für das Phänomen Littering wurden schon oft beschrieben: Das Leben der Menschen hat sich nach draussen verlagert, in die Parks, an die Flüsse und Seen. «Mediterranisierung», nennen das die ­Stadtentwickler, Littering ist eine Folge davon.

Nun hat das Ärgernis anscheinend auch die ­Landwirtschaft erfasst. Bauern klagen über Aludosen auf ­ihren Weiden, die – von Mähmaschinen zerhackt – als fiese Splitter in den Mägen der Kühe landen. Die ­Konsequenz der nationalen Ausdehnung des Problems ist eine nationale Lösung: Im Parlament gibt es eine Mehrheit für die Einführung einer schweizweiten ­Abfallbusse.

Regulieren geht nur durch kontrollieren

Das ist sinnvoll. Damit sich die Situation aber ­tatsächlich verbessert, braucht es mehr als nur eine Busse. Das zeigt das Beispiel Basel, wo 2006 Littering-Bussen eingeführt wurden. Die Strafen blieben nur eine theoretische Möglichkeit, und das Abfallproblem wurde nicht kleiner. Auf Druck der Öffentlichkeit und unter Androhung einer radikalen Sauberkeitsinitiative der SVP reagierte die Verwaltung: Vor zwei Jahren ­erhöhte sie die Busse auf 80 Franken und stellte vier Abfallkontrolleure ein. Seither patrouillieren in Basel jeden Tag zwei gut erkennbare Mitarbeiter der ­Abfallentsorgung, weisen auf das Littering-Verbot hin und büssen Abfallsünder, wenn es angebracht ist. Das ­Problem ist spürbar kleiner geworden.

Es ist ein beinahe kulturpessimistisches Fazit: Wenn der Staat das Verhalten seiner Bürger ­regulieren will, dann muss er es auch kontrollieren. Autofahrer werden auch nur vom Rasen abgehalten, weil sie ­wissen, dass sie jederzeit geblitzt und gebüsst werden können. Das Gleiche gilt für den modernen Abfall­sünder: Ihm muss mit drohendem Unterton gesagt werden, dass er seine Fast-Food-Verpackung und die leere ­Bierdose doch bitte schön in den nächsten Kübel ­werfen soll. Sonst drohen Konsequenzen.

Erstellt: 15.11.2014, 07:36 Uhr

Philipp Loser, Inlandredaktor

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