Bund erlässt strengere Regeln für Ju-52-Flüge

Die Ju-Air darf den Betrieb wiederaufnehmen, das Bundesamt für Zivilluftfahrt nimmt die Piloten aber an die Kandare.

20 Tote in Flims GR: Der Überblick der Tragödie. (Video: Lea Koch, Tamedia)

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Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) erlaubt der Ju-Air, den Flugbetrieb ab Freitag wieder aufzunehmen. Allerdings muss die Besitzerin der am 4. August abgestürzten historischen Junkers Ju-52 drei Bedingungen erfüllen:

  • Erstens müssen die verbleibenden zwei Flugzeuge der Oldtimer-Airline eine Flughöhe einhalten, die über der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestflughöhe liegt. Die Mindestflughöhen wurden verdoppelt von 150 auf 300 Meter über unbewohntem Gebiet von von 300 auf 600 Meter über bewohntem.
  • Zweitens müssen die Flugzeuge der Ju-Air ein GPS-Datenaufzeichnungsgerät an Bord haben. Das Gerät muss jeden Flug aufzeichnen und eine nachträgliche Beurteilung der Flugroute ermöglichen.
  • Drittens müssen die Passagiere während des ganzen Fluges angeschnallt auf ihren Plätzen sitzen bleiben. Sie dürfen nicht mehr im Flugzeug herumgehen und auch das Cockpit während des Fluges nicht besuchen.

Nach dem Absturz mit 20 Toten hatte das Bazl zusammen mit der Ju-Air und der Sust die Situation überprüft. Dabei ergaben sich keine Hinweise auf ein generelles technisches Problem der Ju-52, das ein Grounding der restlichen Flotte rechtfertigen würde.

Ein iPad zur GPS-Aufzeichnung

Als GPS-Tracker, der die Flüge aufzeichnet, wird in den beiden Ju's provisorisch ein iPad installiert. «Mittelfristig wird ein spezielles Gerät fest eingebaut. Das ist aber aufwändig und dauert deshalb einige Zeit», sagt Ju-Air-Sprecher Christian Gartmann.

Gemäss Bazl-Sprecher Urs Holderegger muss die Aufzeichnung nicht auf einem absturzsicheren Gerät gespeichert werden. «Die Aufzeichnung soll der Ju-Air zum eigenen Safety-Management dienen, für uns als Aufsichtsbehörde aber auch zur Kontrolle.» Der Bund nimmt die Piloten somit härter an die Kandare. Die Kontrolleure können in Zukunft nachträglich feststellen, ob die Ju-Piloten zu tief oder zu nahe an Felswänden geflogen sind.

Keine Cockpitbesuche mehr

Besuche im Cockpit sind bis auf weiteres nicht mehr möglich, ebenso das freie Herumgehen im Flugzeug von einem zum anderen Fenster. «Die Passagiere werden das sicher verstehen», sagt Ju-Air-Sprecher Gartmann. Bei spektakulären Vorbeiflügen, etwa am Martinsloch, sind Passagiere bisher immer wieder aufgestanden, um aus dem anderen Fenster zu fotografieren.

Urs Holderegger vom Bazl begründet dies so: «Wir haben noch keinerlei Erkenntnisse, die zum Absturz geführt haben, deshalb möchten wir bis auf weiteres alle möglichen Einflüsse und Störungen für die Cockpitcrew auschliessen.» Laut Holderegger hat das Bazl eine der verbleibenden Ju's, deren Inspektionstermin zu einem späteren Zeitpunkt wäre, aktuell nochmals kontrolliert.

Ju-Air erfüllt Auflagen

Die Untersuchung der Sust kann bis zu einem ersten Zwischenergebnis mehrere Wochen oder Monate dauern. Sollten sich in dieser Zeit Hinweise auf ein technisches Problem ergeben, würde das Bazl die Lage neu beurteilen und allenfalls ein Flugverbot aussprechen.

Die Ju-Air selbst schreibt, dass sie «das rasche Handeln des Bundesamts» begrüsse. «Wir werden die Auflagen ohne Ausnahme erfüllen», lässt sich CEO Kurt Waldmeier in einer Medienmitteilung zitieren. Das Unernehmen habe selbst auch Vorschläge zu «zusätzlichen Sicherheitsmargen» an das Bundesamt gemacht. Der Flugbetrieb werde am Freitag wie geplant wieder aufgenommen. (fal/amc/rba/sda)

Erstellt: 16.08.2018, 10:25 Uhr

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