Chance verpasst

Mit dem zahnlosen Gesetz zu den Ausbildungsbeiträgen verpasst das Parlament eine Chance, etwas gegen den Fachkräftemangel zu unternehmen.

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Aus dem Parlament kommen schlechte Nachrichten für die Studierenden: Nach dem Ständerat verzichtet nun auch der Nationalrat nach einigem Hin und Her darauf, den Kantonen eine minimale Stipendienhöhe vorzuschreiben. Der indirekte Gegenvorschlag zur Stipendieninitiative hat also definitiv seine Zähne verloren. Für die Studierenden heisst das: Es bleibt eine Frage der kantonalen Herkunft und damit Glückssache, ob und wie stark man als materiell wenig begüterter Student unterstützt wird.

Die Ratsmehrheit argumentierte wie so oft mit der kantonalen Hoheit, die es zu schützen gelte. Doch in diesem Fall überzeugt das Argument nicht wirklich. Denn eine Mehrheit der Kantone, nämlich 16, hat sich bereits freiwillig zu verbindlichen Standards für Stipendien verpflichtet und ist dem Stipendienkonkordat der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) beigetreten. So problematisch können solche Mindestanforderungen, auch zur Höhe eines Stipendiums, also nicht sein.

Kein Leben in der Hängematte

Dazu kommt: Auch das Minimum für ein Vollstipendium von 16'000 Franken, das im Stipendienkonkordat vorgesehen ist, reicht in den teuren Städten nicht zum Leben. Die Studierenden, die in den Genuss eines Stipendiums kommen, müssen sowieso noch arbeiten oder sind auf Geld ihrer Familien angewiesen. Die Vorstellung, dass sich Studierende dank des Stipendiums ein gemütliches Leben einrichten, ist verfehlt. Wer ohne solche Entlastungen seinen kompletten Lebensunterhalt selber verdienen muss, kommt in den zeitintensiven Bologna-Lehrgängen kaum mehr zum Studieren.

Weil sie die Bildungshoheit einiger Kantone nicht antasten wollen, riskieren der National- und der Ständerat, dass an den Universitäten weiterhin das Portemonnaie der Eltern wichtiger ist als das Talent der Jugendlichen. Gerade in Zeiten, in denen alle über den Fachkräftemangel reden, ist der Ratsentscheid unverständlich. Denn vor allem die Studierenden der von der Wirtschaft gefragten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), kommen wegen des intensiven Stundenplans und der vielen Prüfungen kaum zum Arbeiten.

Ein verbindlicheres Gesetz hätte auf einfache und effiziente Art mitgeholfen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Chance verpasst. Nun liegt es am Stimmvolk, das bald über die Stipendieninitiative des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften entscheiden kann.

Erstellt: 10.12.2014, 17:10 Uhr

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