Das SVP-Schaf reist um die Welt

In der Schweiz ist das umstrittene SVP-Schaf von der Bühne verschwunden. Im Ausland lebt das Tier munter weiter – bei Künstlern und Nazis.

"Vielfach kopiert und rezykliert: Original-Schäfchenplakat der SVP.

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Mit einer denkbar einfachen Idee, ist es dem Schweizer Künstler Christoph Büchel diesen Sommer in Reykjavik gelungen, für einen Sturm der Entrüstung zu sorgen: Er übernahm das Plakat der SVP mit den drei weissen Schafen, die einem schwarzen Schaf einen Tritt verpassen, übersetzte den Slogan auf isländisch und klebte die Stadt flächendeckend mit den fremdenfeindlichen Plakaten voll.

Die Reaktion der Stadtbewohner liess nicht lange auf sich warten: „Es gingen unzählige Beschwerden ein, in welchen die Anwohner unserer Stadt forderten, die Plakate umgehend zu entfernen“, erklärt ein Sprecher der Stadt Reykjavik der Kunstzeitung «The Art Newspaper». Dabei wurde das Schäfchenplakat in der Stadt als rassistisch wahrgenommen, wütende Stadtbewohner rissen die Poster von den Wänden. Die Provokation des Künstlers warf vor allem ein schlechtes Licht auf die Schweizer Politik: In Island zeigte man sich im Nachgang schockiert darüber, wie hierzulande Fremdenfeindlichkeit geschürt wird.

Bei Rechtsradikalen beliebt

Die Aktion Büchels zeigt: Das SVP-Schaf lebt im Ausland munter weiter. Doch nicht die Kunst rezykliert die SVP-Schäfchen, auch auf rechtsextreme Kräfte im Ausland übt das Sujet nach wie vor eine beträchtliche Ausstrahlung aus: So setzt die Nationale Partei in Tschechien das alte Schäfchen-Sujet der SVP derzeit zu Propagandazwecken ein. Mit dem Unterschied, dass dieses nicht vom Schweizerkreuz, sondern von der tschechischen Fahne gestossen wird. Aufgetaucht war das Tier vor Jahresfrist auch in Italien: Dort verwendete es die rechtspopulistische Lega Nord in der grünen Parteifarbe für eine Kampagne. In Deutschland wiederum wurde das Sujet von der rechtsradikalen NDP kopiert, in Spanien von der Ultrarechten «Democracia Nacional».

Genau genommen stammt das berühmt gewordene Schaf indessen nicht aus der SVP-Parteiküche: Entworfen hat es ein englischer Grafiker, die Dübendorfer Werbeagentur Goal hat das Tier gefunden und das Motiv für die SVP entworfen. Die Werber dürfen sich zumindest teilweise den zweifelhaften Ruhm auf die Fahne schreiben, mit einer Kampagne internationale Beachtung gefunden zu haben. Die britische Presse zeigte sich ähnlich entsetzt über die eidgenössische Ausländerfeindlichkeit, wie die Isländer. «Die Schweiz – das Herz der Finsternis» titelte die Zeitung «Independent» angesichts der Schäfchen-Kampagne.

Erstellt: 13.08.2008, 20:29 Uhr

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