Hintergrund

Das Schnitzel im Mittagsmenü schrumpft

Die grösste Kantinenbetreiberin der Schweiz will die Fleischportionen um 20 Gramm verkleinern – dem Klima zuliebe. Einmal in der Woche soll das Menü 1 sogar gänzlich vegetarisch sein.

Mehr als Rüeblisalat: Die SV Group will ihre vegetarischen Menüs attraktiver und abwechslungsreicher gestalten.

Mehr als Rüeblisalat: Die SV Group will ihre vegetarischen Menüs attraktiver und abwechslungsreicher gestalten. Bild: Keystone

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Die SV Group, das führende Cateringunternehmen der Schweiz, will in ihren Restaurants und Kantinen den Fleischkonsum verringern. Der Umwelt zuliebe, denn fleischlose Menüs verursachen rund dreimal weniger Treibhausgase als Fleischmahlzeiten. Auch will sie möglichst auf Produkte verzichten, die mit Flugzeugen transportiert wurden oder in fossil geheizten Treibhäusern wachsen.

Essen belastet die Umwelt

Den Basler Studierenden, die Ende September eine fleischlose Mensa verlangten, war wohl nicht bewusst, wie viel Verständnis die Kantinenbetreiberin für das Anliegen hat. Die Dübendorfer SV Group hat gestern nämlich in der Umweltarena Spreitenbach zusammen mit dem WWF Schweiz ein neues Programm für eine klimafreundliche Personalgastronomie vorgestellt, die insbesondere den Fleischverbrauch deutlich verringern will. Das Ziel ist, den CO2-Ausstoss bis 2015 um zwanzig Prozent zu reduzieren.

Die SV Group tischt täglich 100'000 Mahlzeiten auf. In zahlreichen Personalrestaurants, an der ETH Polyterrasse und auf dem Hönggerberg, am KV Zürich, an der Berufsbildungsschule Winterthur oder der HSR Rapperswil. Und eben an der Uni Basel. Mit rund 336 Betrieben ist sie Marktführerin in der Gemeinschaftsgastronomie. Der Entscheid hat daher Signalwirkung, was durchaus gewollt ist. Patrick Camele, CEO ad interim, sagte: «Wir wollen im Bereich Klimaschutz und Gastronomie eine Vorreiterrolle einnehmen.» WWF-Chef Thomas Vellacott seinerseits zeigte auf, wie stark unsere Ernährungsgewohnheiten die Umwelt belasten: «In der Schweiz wird ein Drittel der persönlichen Umweltbelastung durch die Ernährung verursacht.» Unser Essen belastet damit die Umwelt stärker als das Auto.

Attraktivere fleischlose Menüs

Die SV Group liess ihr Unternehmen von dem auf Ökobilanz spezialisierten Beratungsbüro ESU-Services durchleuchten. Dieses hat für unzählige Menus die Umweltbelastungspunkte errechnet und kam zum Schluss: Viel mehr als Einkauf und Betrieb belastet das Angebot die Umwelt. Insbesondere Fleischmahlzeiten schneiden bei der Ökobilanz schlecht ab.

Der Klimaschutzplan der SV Group sieht daher vor, die Fleischportionen von heute 110 auf 90 Gramm pro Hauptmahlzeit zu reduzieren, den Anteil des fleischlosen Angebots auf die Hälfte zu erhöhen und einmal pro Woche das kostengünstigste Menu 1 vegetarisch anzurichten. Zurzeit ist dies nur in fünf Prozent der Tage der Fall. «Es wird weiterhin Schnitzel Pommes geben», betont Camele. «Aber die vegetarischen Menus sollen attraktiver und abwechslungsreicher werden.»

Kürzere Transportwege

Neben der Reduktion des Fleischkonsums will die SV Group möglichst keine per Flugzeug importierten Lebensmittel mehr verwenden. Das heisst zum Beispiel: Poulet- und Trutenfleisch kommt nur noch aus Europa oder der Schweiz. Auch auf Gemüse und Früchte aus fossil beheizten Treibhäusern will man möglichst verzichten. Schweizer Freiland-Broccoli in der Saison aufgetischt verursacht mehr als siebenmal weniger Treibhausgas als Gewächshaus-Broccoli aus Spanien, der im Winter importiert wird. Besser schneiden auch einheimische Tiefkühlprodukte ab.

Die SV Group hat gestern ihren Auftraggebern das Konzept, das sie unter dem Namen One Two We lancieren, vorgestellt. Diese können nun individuell entscheiden, ob und wie weit sie dabei mitwirken wollen. «Unser Ziel ist es, dass bis 2015 das Programm in hundert Betrieben umgesetzt ist», sagt Camele. Wird dadurch das Kantinenessen teurer? «Nein, nein, nein», wehrt Camele ab. Da weniger Fleisch auf den Teller komme, könne man die höheren Preise der Inlandsprodukte wettmachen.

Metzger haben keine Freude

Beim Schweizer Fleischfachverband hat man keine Freude an der neuen Ausrichtung der SV Group. Direktor Ruedi Hadorn erachtet sich zwar nicht als befugt, das Verhalten der SV Group zu kritisieren, doch betont er: «Wesentlich ist für uns, dass den Konsumenten die Wahlfreiheit gewährt wird und keine verzerrenden Anreize bei den Menüpreisen gesetzt werden.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.10.2012, 10:47 Uhr

(Bild: TA-Grafik)

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