«Das ist Teil einer Kampagne»

Die «Weltwoche» wirft Bruno Zuppiger vor, sich als Willensvollstrecker an einer Erbschaft bedient zu haben. Seine Parteikollegen reagieren irritiert – der Bundesratskandidat und die Parteileitung sehen einen Komplott.

Für sie ist der Fall «abgeschlossen»: Kandidat Bruno Zuppiger und Parteipräsident Brunner.

Für sie ist der Fall «abgeschlossen»: Kandidat Bruno Zuppiger und Parteipräsident Brunner. Bild: Keystone

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Eine Woche vor den Bundesratswahlen hat die SVP-nahe «Weltwoche» happige Vorwürfe gegen Bruno Zuppiger erhoben. Der 59-jährige Nationalrat aus Hinwil (ZH) habe sich an einem fremden Erbe, das er zu verwalten hatte, bedient, schreibt das Blatt in einer Vorabmeldung. Für Spesen soll er 150'000 Franken bezogen haben. Zudem habe er über 100'000 Franken auf sein Privatkonto überwiesen.

Erst als die Sache bekannt geworden sei und die erbberechtigten Organisationen mit Strafklagen wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung drohten, habe Zuppiger die Erben ausbezahlt. Dies komme, so die «Weltwoche», einem Schuldeingeständnis gleich.

Bei der Erblasserin handelt sich um eine Mitarbeiterin von Zuppigers Beratungsfirma in Hinwil. Die Mitarbeiterin ist vor elf Jahren gestorben und hinterliess ein Vermögen von 265'000 Franken zu Gunsten von zwei gemeinnützigen Organisationen, erbberechtigte Verwandte gab es nicht. Ihren Chef Bruno Zuppiger hatte sie als Willensvollstrecker eingesetzt.

«Keinen Franken in die eigene Tasche»

In der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens sagte Zuppiger heute Abend: «Ich kann sagen, dass es in meinem Unternehmen zu einem Fehler gekommen ist. Als ich die Tragweite erkannt habe, bin ich dafür gerade gestanden.» Fest stehe, dass er «keinen Franken in die eigene Tasche» habe fliessen lassen. Der Fall sei abgeschlossen, Dritte seien nicht zu Schaden gekommen. Ausserdem hätten die Parteien Stillschweigen vereinbart. Ähnlich hatte der Angeschuldigte gegenüber der «Weltwoche» Stellung genommen.

«Dass diese Geschichte gerade jetzt hervorgeholt wird, zeigt für mich, dass dies Teil einer Kampagne ist», so der Bundesratskandidat. Auf die Frage, wer denn der Urheber dieser Kampagne sein könne, antwortet Zuppiger: «Jemand von der anderen Konflikt-Partei muss die Stillschweigensvereinbarung gebrochen haben.» Ob auch Gegner aus der SVP hinter der Affäre stehen könnten, wollte Zuppiger nicht kommentieren. Für Tagesanzeiger.ch/Newsnet war Bruno Zuppiger kurzfristig nicht erreichbar.

Gegenüber der «Tagesschau» machte auch Parteipräsident Toni Brunner Hinweise in Richtung einer Verschwörung gegen seinen Kandidaten: «Es ist wohl kein Zufall, dass jetzt mit solchen Geschichten versucht wird, diese Kandidatur zu verunmöglichen.» Zuppiger sei weiterhin tragbar, da die Angelegenheit in gegenseitigem Einvernehmen zwischen den Parteien geregelt und niemand zu Schaden gekommen sei.

«Wahrscheinlich anders herausgekommen»

Zu den Vorwurfen, die in der «Weltwoche» gegen den SVP-Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger erhoben werden, sagt der Glarner Parteikollege und Ständerat This Jenny: «Dass die Parteispitze dies nicht kommunziert hat, finde ich nicht in Ordnung. Wenn nur die Hälfte der Vorwürfe stimmt, dann wäre das Ergebnis bei der fraktionsinternen Ausmarchung wahrscheinlich anders herausgekommen.» Das Rennen zwischen Zuppiger und dem Zuger Regierungsrat Heinz Tännler sei ziemlich eng gewesen: «Es brauchte also wenig, bis es kippt.»

Der Zürcher Kantonalpräsident der SVP, Nationalrat Alfred Heer, ist bestürzt über das, was er von Zuppiger hört. «Ich werde morgen mit Bruno Zuppiger reden», sagt Heer. Er habe seinen Fraktionskollegen heute den ganzen Tag nicht erreicht.

SVP-Nationalrat Oskar Freysinger ist erstaunt über die Vorwürfe – vor allem aber darüber, dass diese Geschichte ausgerechnet von der «Weltwoche» aufgebracht wird. Als innerhalb der Fraktion die Kandidaten für die Bundesratswahlen bestimmt wurden, habe man davon nichts gewusst. Freysinger ist überzeugt: «Dies hätte die Wahl beeinflussen können.»

Vorwürfe nicht entscheidend

Für den Walliser SVP-Nationalrat Freysinger sind die Vorwürfe gegen Zuppiger aber nicht entscheidend. Die Chancen seien gering, dass die SVP den Sitz von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf zurück erhalte. Und einen Sitz auf Kosten der FDP wolle man nicht. Sonst müsse man die Entscheide der linken Mehrheit im Bundesrat kollegial mittragen. Und das sei nicht unbedingt erstrebenswert.

Auch CVP-Präsident Christophe Darbellay zeigt sich überrascht. Dies zeige, dass man jeden Kandidaten auf Herz und Nieren prüfen müsse. Für die CVP ändere dies jedoch nichts: «Wir sind für den Status quo in der Regierung».

SVP stellt Nomination nicht in Frage

Die SVP schrieb heute Nachmittag in einem Communiqué, sie sei vor der Nomination über die Angelegenheit informiert worden und habe den Sachverhalt geprüft. Offenbar gilt dies aber nur für die Parteispitze. «Für die SVP-Parteileitung ist wichtig, dass Bruno Zuppiger die Sache in Ordnung gebracht hat. Deshalb bestand auch kein Grund, eine Nomination in Frage zu stellen», heisst es in der Stellungnahme.

Erstellt: 07.12.2011, 20:36 Uhr

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