Der Schatz 400 Meter unter Davos

Unter der Bergstadt schlummert eine Wasserquelle, die sich für die Wärmegewinnung eignet. Doch das Projekt ist teuer. Finanzieller Support kommt nun vom WEF.

Nicht nur die Sonne, sondern auch Geothermie soll Wärme ins Landwassertal bringen: Die Bergstadt Davos.

Nicht nur die Sonne, sondern auch Geothermie soll Wärme ins Landwassertal bringen: Die Bergstadt Davos. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Tarzisius Caviezel (FDP) spricht von einem Glückstreffer: «Ich bin begeistert über diesen Fund.» Davos sei sehr daran interessiert, energetisch unabhängiger zu werden. Dieses Projekt biete eine Chance dazu, sagt der Davoser Landammann und Alt-Nationalrat. Der Grund für Caviezels Optimismus liegt im Untergrund, 400 Meter unter seiner Gemeinde: In dieser Tiefe haben Experten mit einer Erkundungsbohrung ein bedeutendes Wasservorkommen nachgewiesen, wie die Schweizerische Vereinigung für Geothermie publik gemacht hat. Die Quelle ist laut Experten geeignet, um das Davoser Kongresszentrum und Hallenbad mit Wärme zu versorgen.

Beim «Glückstreffer» handelt es sich um eine wasserführende Gesteinsschicht im Aroser Dolomit. Das Wasser ist artesisch gespannt, es schiesst also mit hohem Druck an die Oberfläche, sobald das Gestein angebohrt ist. Das Bohrloch ist derzeit mit einem Schieber abgedichtet. Weil das Kluftwasser in geringer Tiefe fliesst, ist es nur knapp 12 Grad warm. Zum Vergleich: Beim St. Galler Geothermieprojekt wollen Fachleute bis im Sommer 4500 Meter tief in den Untergrund bohren, wo sie rund 150 Grad heisses Wasser vermuten. Die Bohrung hat mittlerweile eine Tiefe von 2500 Metern erreicht und verläuft laut den Projektverantwortlichen problemlos.

250 000 Liter Heizöl sparen

Genügend Wärme, um die Bauten zu heizen, kann der Davoser Quelle gemäss Fachleuten trotzdem entzogen werden, da das Wasser in genügend grosser Ergiebigkeit sprudelt. Die so erzielte Einsparung: 250'000 Liter Heizöl pro Jahr. Einen Vorteil birgt die geringe Bohrtiefe trotz der tiefen Wassertemperatur. Denn das Reservoir lässt sich so vergleichsweise kostengünstig erschliessen. Insgesamt kommen gleichwohl erkleckliche Beträge zusammen. Davos hat bislang 450'000 Franken investiert, denselben Betrag haben der Kanton Graubünden und das Bundesamt für Energie zusammen aufgeworfen.

Um aus der Erkundungs- eine Nutzungsbohrung zu machen, sind laut Schätzungen weitere 1 bis 2 Millionen Franken notwendig. Noch teurer würde es, wenn die Bohrung in grössere Tiefen erfolgt. In St. Gallen kostet eine einzige Tiefenbohrung zwischen 18 und 20 Millionen. Eine tiefere Bohrung könnte sich jedoch auch in Davos auszahlen. «Es besteht die Möglichkeit, dass wir in der Falknisdecke auf deutlich wärmeres Wasser stossen», sagt Gian-Paul Calonder, Umweltschutzbeauftragter von Davos. Dies würde den Wirkungsgrad des Geothermieprojekts erhöhen. Strom liesse sich wohl aber auch dann nicht erzeugen, da die Falknisdecke bloss in rund 1500 Meter Tiefe liegt, das Wasser also noch zu wenig heisst ist.

Zweite Bohrung noch tiefer

Ob Davos einen weiteren Schritt in die Tiefe wagen wird, ist nicht zuletzt eine politische Frage; womöglich käme es zu einer Volksabstimmung. Die Davoser Exekutive jedenfalls hat 2009 das Geothermie-Projekt in einem Grundsatzentscheid befürwortet. Offen wäre, wer die Kosten für eine zweite, tiefere Bohrung übernähme. «Dies müsste neu unter Einbezug auch anderer Interessenten ausgehandelt werden», sagt Calonder. Denkbar wären etwa Beteiligungen von Energieunternehmen.

Finanzieller Support kommt vorderhand aus einer anderen Ecke: vom World Economic Forum (WEF), das alljährlich in Davos stattfindet. Das WEF will die Nutzung des Warmwassers für das Kongresszentrum und Hallenbad mit rund 150'000 Franken unterstützen, wie ein Sprecher bestätigt. Der Betrag stammt von WEF-Besuchern, die den CO2 für ihre Reise nach Davos finanziell kompensieren. Ob auch Graubünden und der Bund nochmals Geld sprächen, ist offen. Beide warten auf eine Konkretisierung des Projekts. Vor dem Hintergrund der angestrebten Energiewende begrüsst der Bund solche Geothermieprojekte. Obwohl der Erfolg der Geothermie noch ungewiss ist, hat sie in der bundesrätlichen Energiestrategie einen beträchtlichen Stellenwert: 2035 soll sie rund 1,4 Terawattstunden Strom pro Jahr liefern, 2050 sollen es gar 4,4 Terawattstunden sein – genug, um etwa eine Million Haushalte zu versorgen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2013, 07:26 Uhr

Artikel zum Thema

Risiko deutlich zu gross für Geothermie in Basel

Der Basler Erdwärme-Traum ist wohl ausgeträumt: Nach der am Donnerstag publizierten Geothermie-Risikoanalyse ist die Gefahr für Erdbeben und Gebäudeschäden bei Bau und Betrieb zu gross. Mehr...

Einsprache verzögert Geothermie-Bohrung beim Triemli

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich will mit zwei Bohrungen im Triemli-Quartier die Möglichkeiten zur Nutzung von Geothermie abklären. Mehr...

Bohrungen für Schiefergas liessen die Erde beben

Der Abbau von Schiefergas hat in der britischen Stadt Blackpool Erdbeben ausgelöst. Die Bohrfirma hat den Abbau vorübergehend eingestellt. Mehr...

Kommentare

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...