«Du musst entscheiden»

Nationalrat Geri Müller soll Druck auf seine Geliebte ausgeübt haben, ihr Handy abzugeben. Tondokumente zeigen nun: Der Vorwurf der Drohung und Nötigung ist nicht haltbar.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auch nach dem gestrigen Medien-«Club» ist unklar, ob die Affäre um Geri Müller nicht eigentlich eine Affäre Patrik Müller ist. Dies nicht nur, weil sich der Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» in seinem Artikel einseitig zum Anwalt der Frau machte, die die Situation mit Suiziddrohungen eskalieren liess. Oder weil der «Sonntag» Geri Müllers Stellungnahme am Samstag nicht abwartete, bevor er den Artikel publizierte.

Einer der ausschlaggebenden Gründe, warum diese Geschichte an die Öffentlichkeit gehöre, war laut Patrik Müller der Tatbestand, dass die Frau sich von Geri Müller bedroht und genötigt gefühlt habe, ihm ihr Smartphone auszuhändigen. Die «Schweiz am Sonntag» schreibt: «Wörtlich festgehalten ist folgender Dialog: ‹Hast du das Natel noch?›, fragt Geri Müller. Als sie bejaht, antwortet er: ‹Die Chance ist gross, dass du es bald nicht mehr hast.› Sie versteht das als Drohung.»

In Dokumenten, die Tagesanzeiger.ch/Newsnet zugespielt wurden, zeigt sich nun aber ein anderes Bild. Zu hören ist eine Frau, die sehr aufgeregt erscheint, und Geri Müller, der mit ruhiger Stimme auf sie einspricht.

Erstes Tonfile:

Geri Müller: Wenn sie sagen, von Ihnen ist ein Chat aufgetaucht mit dem Nationalrat Geri Müller, sagst du: Von dem weiss ich nichts. Du musst das nicht ausführen. Damit hast du auch gar nicht gelogen.
Frau: Und wenn sie mich fragen, in welchem Verhältnis ich zu dir gestanden bin, was soll ich dann sagen?
Müller: Nichts. Du bist nicht zu einer Aussage verpflichtet. Wenn die eine Bestätigung von uns zwei haben, sind wir geliefert. Von dem weiss ich nichts. Interessiert Sie das nicht? Nein, Punkt.
Frau: Ich habe noch nie die Medien angelogen.
Müller: Ja, du musst entscheiden. Wenn du es machen willst, stehen wir in einer ganz schwierigen Situation.

Zweites Tonfile:

Geri Müller: Mach jetzt etwas, lass das Handy verschwinden.
Frau: Soll ich es verschwinden lassen? Okay.
Müller: Wenn du willst, kannst du es dalassen.
Frau: Aber ich habe mein halbes Leben da drauf.
Müller: Ich weiss es. Aber hier kann es nicht verschwinden. Ich gebe es der Polizei unter Verschluss. Du kannst es jederzeit wieder holen. Willst du es dalassen?
Frau: Ich weiss nicht, wäre vielleicht schon nicht dumm.
Müller: Nein, das wäre es nicht. Wenn du findest, du musst es unbedingt haben – ich bin da.
Frau: Ja ich wäre aufgeschmissen ohne, wegen all der Termine, die ich da drauf habe.
Müller: Du kannst es hier abgeben, in ein Couvert tun, da passiert nichts. Da interessiert sich niemand dafür. Kannst es einfach im Stadtbüro abgeben und sagen…

Nachdem der Verdacht ausgeräumt wurde, Geri Müller könnte sein Amt als Stadtammann missbraucht haben, als er die Polizei alarmierte, und da auch der Verdacht auf Nötigung mit diesen Dokumenten hinfällig wird, bleibt damit nur noch ein Vorwurf im Raum: nämlich dass Müller während der Arbeitszeit einen privaten Chat betrieb. Bleibt noch zu klären, inwiefern das wirklich in der Arbeitszeit geschah. Dazu bräuchte es aber die gesamten Chatprotokolle.

Erstellt: 20.08.2014, 12:02 Uhr

So eröffnete Müller die Pressekonferenz. (19. August 2014) (Video: Jan Derrer)

Die sieben Kernaussagen von Geri Müller an der PK in Zürich. (19. August 2014) (Video: Jan Derrer)

Artikel zum Thema

«Die Vorbildfunktion von Politikern sollte man nicht übersteigern»

«Nacktselfies von Geri Müller – ein Akt mit Folgen»: Im «Club» von SRF trafen der Badener Stadtammann und der Enthüller der Affäre, Patrik Müller, aufeinander. Mehr...

«Bin schon erregt»

Blog Mag Was das wirklich Enttäuschende an der Affäre um Geri Müller ist. Und was das mit Cristiano Ronaldo zu tun hat. Zum Blog

Geri Müller rief zweimal die Berner Polizei an

Der Grünen-Nationalrat ist von seinen Aufgaben als Stadtammann von Baden vorläufig entbunden worden. Über die Anhaltung seiner Ex-Geliebten durch die Polizei existieren unterschiedliche Versionen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Eine Million Cash abheben? Geht nicht!

Paid Post

Mehr Freizeit dank iRobot

Diese intelligenten Alleskönner übernehmen das Reinigen für Sie: gründlich, zuverlässig und vollautomatisch.

Die Welt in Bildern

Hochwasseralarm: Touristen im Gänsemarsch auf einem Laufweg auf dem Markusplatz in Venedig. (13. November 2019)
(Bild: Stefano Mazzola/Getty Images) Mehr...