Fall Luca: Verfahren wird wohl eingestellt

Im Fall Luca haben die vertieften DNA-Analysen offenbar keine neuen Erkenntnisse gebracht. Die Familie des Jungen will aber nicht aufgeben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Walliser Staatsanwaltschaft hatte im Fall Luca Mongelli vor rund einem Jahr neue Zeugeneinvernahmen und DNA-Analysen angeordnet. Die Ergebnisse liegen zwar offiziell noch nicht vor, doch die Eltern von Luca, die Einblick in das Verfahren haben, befürchten, dass die Walliser Staatsanwaltschaft beabsichtigt, den Fall endgültig einzustellen, wie Fred Reichenbach, Präsident der Stiftung Luca, sagte. «Wir können uns nichts von den DNA-Analysen erhoffen, denn offenbar wurde nichts gefunden, was auf Dritteinwirkung schliessen lässt», sagte Reichenbach.

Um zu verhindern, dass der Fall eingestellt wird, will die Familie von Luca in den kommenden Wochen ein ergänzendes Beweisaufnahmegesuch stellen, wie Reichenbach sagte. Die Familie fordert insbesondere eine Gegenüberstellung der Zeugen, die widersprüchliche Aussagen gemacht haben. So wollen die beiden Ärzte, die Luca behandelten, nichts von einer grünen, schleimigen Masse im Intimbereich von Luca bemerkt haben. Einer der Sanitäter, der mit der Ambulanz mitfuhr, besteht aber auf diesem Fakt.«Es wird vermutet, dass die Ärzte das Zeug weggewischt haben - aber aus welchem Grund?», fragen sich Reichenbach und die Familie Mongelli.

Der zuständige Walliser Staatsanwalt Nicolas Dubuis wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vermutungen und Vorwürfen äussern. Das Verfahren sei nach wie vor im Gang, wann es abgeschlossen werde, könne er noch nicht sagen.

Mutter fand Sohn bewusstlos im Schnee

Das Drama um Luca hatte sich am 7. Februar 2002 in Veysonnaz VS ereignet. Der damals siebenjährige Knabe Luca und sein vierjähriger Bruder waren mit ihrem Hund spazieren gegangen. Die Mutter fand den älteren Sohn später halb entkleidet und bewusstlos im Schnee liegend. Als der Knabe im Spital aus dem Koma erwachte, war er blind und vom Hals an abwärts gelähmt.

Die Walliser Staatsanwaltschaft hatte die Akte 2004 zunächst geschlossen. Sie war zum Schluss gekommen, dass Rocky, der Schäferhund der Familie, schuld am Drama war. Im November 2010 wurde der Fall neu aufgerollt, um eine Zeichnung des jüngeren Bruders begutachten zu lassen. Sie zeigt vier Jugendliche, welche Luca mit Stöcken schlagen. Die Familie, die mittlerweile in Italien lebt, war von Anfang an überzeugt, dass die Verletzungen von den vier Jugendlichen verursacht worden waren. Der mittlerweile 19-jährige Luca selber sagte immer wieder, dass er von vier (bösen) Jugendlichen in einem Chalet gezwungen wurde, Ameisen zu trinken. Anschliessend hätten sie ihn im Freien mit Holzstöcken geschlagen, in den Schnee gedrückt und ihm die Kleider ausgezogen.

Die italienische Justiz eröffnete parallel zum Walliser Verfahren gegen Unbekannt ein Strafverfahren wegen schwerer Körperverletzung und versuchter Tötung. Zudem beantragte sie bei der Walliser Justiz Amtshilfe. Die Walliser Justiz habe Italien inzwischen alle gewünschten Unterlagen zugestellt, sagte Dubuis dazu. (ldc/sda)

Erstellt: 14.03.2014, 08:34 Uhr

Artikel zum Thema

Fall Luca: Freysinger stellt eigenen Ermittlern schlechtes Zeugnis aus

Hintergrund Der neue Walliser Sicherheitsdirektor hat eine klare Meinung zur Frage, wer Luca Mongelli vor elf Jahren zum Invaliden machte. Laut «Rundschau» hat er als anonymer Autor ein Buch zum Fall Luca verfasst. Mehr...

Eltern in den Mühlen der Justiz

Mamablog Mamablog Im Fall Luca Mongelli geht es um Täter und Opfer, Recht und Unrecht. Aber vor allem geht es um die Kraft der Liebe zum eigenen Kind. Zum Blog

«Ich will wissen, was mit Luca passiert ist»

Luca Mongelli wurde vor acht Jahren zum Invaliden. Seiner Aussage, er sei angegriffen worden, wollte das Gericht nicht glauben. Sein Vater Nicola Mongelli erzählt, wie er das Drama erlebt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Mamablog Wenn Kinder sich selbst im Weg stehen

Sweet Home Die neue Moderne

Wettbewerb

Wie du spielend Geld sparen kannst

Energy Hero ist das kostenlose Online-Spiel, mit dem du mit etwas Fingerfertigkeit Preise im Wert von insgesamt 30 000 Franken gewinnen kannst.

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...