Falscher Doktor seit 30 Jahren

Der Chefbeamte Urs Staub trat schon 1984 mit einem falschen Doktortitel öffentlich auf – und nicht erst seit 1990, wie er Tagesanzeiger.ch/Newsnet gesagt hatte.

Wurde bereits vor 30 Jahren als «Dr. phil.» angekündigt: Urs Staub vor einer Medienorientierung im Jahr 2009. Foto: Urs Jaudas / Keystone.

Wurde bereits vor 30 Jahren als «Dr. phil.» angekündigt: Urs Staub vor einer Medienorientierung im Jahr 2009. Foto: Urs Jaudas / Keystone.

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Urs Staub, Chef der Sektion Museen und Sammlungen im Bundesamt für Kultur (BAK), ist nicht erst seit 1990 mit einem falschen Doktortitel öffentlich aufgetreten, wie er Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt hatte (Tagesanzeiger.ch/Newsnet vom 12. November.). So wird Staub in der Einladung für einen öffentlichen Anlass vom 28. Februar 1984 in Zug mit dem Titel «Dr. phil.» angekündigt. Staub referierte vor dem Zuger Verein für Heimatgeschichte zum Thema «St. Michael». Auch die Lokalpresse berichtete in der Folge über den Vortrag von «Dr. Urs Staub». Staub war also schon mit dem ­Titel aufgetreten, als er sich 1986 für die Stelle als Leiter der Sekretariate der Kunst- und Designkommission bewarb und den Job erhielt. Auf Anfrage sagt Staub, er könne sich nicht erklären, wie der Titel 1984 «zustande gekommen ist». Er sei aber sicher, dass er den Titel bei seiner Bewerbung für die Bundesstelle nicht verwendet habe.

Laut der Universität Freiburg hat Staub 1977 das Lizenziat in Theologie erworben. Seine Lizenziatsarbeit ist jedoch in der Kantons- und Universitätsbibliothek unauffindbar. Sie ist auch nicht im Katalog der Bibliothek aufgeführt, wie das bei allen Lizenziatsarbeiten der Fall sein muss. Die Verantwortlichen können sich nicht erklären, weshalb dem so ist.

Am Donnerstag hat sich der frühere BAK-Direktor David Streiff auf SRF zum Fall geäussert. Als Staub 1994 Leiter der Sektion Kunst und Design wurde, sei er der «bestmögliche Kandidat» gewesen. Staub habe sich durch Wissen, Fleiss und Engagement hervorgetan. Streiff sagte, er wolle die Titelanmassung nicht schönreden: «Das ist ein schlimmer, dummer Fehler.» Man müsse ihn aber im Verhältnis zu Staubs Leistungen sehen. Was der Fall für Konsequenzen hat, ist offen. Staub wird Ende Februar pensioniert.

Erstellt: 14.11.2014, 21:54 Uhr

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