Flüchtling Ali schaut zur Kresse in Füllinsdorf

Er kam aus Somalia und arbeitet heute auf einem Schweizer Bauernhof. Warum Flüchtling Ali Modellfall ist, was er verdient und wie sein Chef profitiert.

Von Somalia nach Füllinsdorf: Ali Abdirisaq betreut die Kressekultur im Hintergrund. Bild: Bauernverband SBV (20. Mai 2015)

Von Somalia nach Füllinsdorf: Ali Abdirisaq betreut die Kressekultur im Hintergrund. Bild: Bauernverband SBV (20. Mai 2015)

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Schweizer Bauern wollen anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen Gelegenheit geben, einer Arbeit nachzugehen, und gleichzeitig ihren Mitarbeiterbedarf decken. Bauernverband und Bund haben ein Pilotprojekt gestartet.

Zurzeit machen zehn Betriebe beim Projekt mit. Auf diesen Höfen arbeiten bereits Flüchtlinge, oder sie werden ihre Tätigkeit im Lauf des Jahres aufnehmen. Heute stellen der Schweizer Bauernverband und das Staatssekretariat für Migration (SEM) das Projekt auf einem Gemüsebaubetrieb in Füllinsdorf BL vor.

Mindestlohn gemäss Normalarbeitsvertrag

Im ersten Monat erhalten die arbeitenden Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommenen 2300 Franken brutto als Lohn. Vom zweiten Monat an bezahlen die Bauern den Mindestlohn gemäss Normalarbeitsvertrag. In den meisten Kantonen sind das laut Mitteilung 3200 Franken.

Die Betriebe erhalten für ihren administrativen Aufwand im Zusammenhang mit der Auswertung des Projekts 200 Franken im Monat. Weitere 200 Franken werden den Bauern als pauschale Entschädigung ausbezahlt, wenn die Arbeitskräfte auf dem Betrieb wohnen und die Bauernfamilie sie verpflegt.

Ziel des auf drei Jahre angelegten Pilotprojekts ist es, herauszufinden, was es braucht, damit die Beschäftigung von Flüchtlingen auf Bauernhöfen ein Erfolg wird – sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Angestellten. Nicht zuletzt soll die Beschäftigung von Flüchtlingen die öffentliche Hand entlasten.

Problemlos ist die Mitarbeit von Flüchtlingen auf Bauernbetrieben nicht: Nehmen sie die Arbeit auf, fallen sofort alle Leistungen vom Staat weg, wie Betriebsleiter Andreas Eschbach laut Redetext ausführte. Er beschäftigt seit Jahren Flüchtlinge.

Die Arbeitskräfte müssen mit ihrem Lohn unter anderem für Unterkunft und Essen aufkommen. Alle Stellen bei Bund, Kantonen und Gemeinden müssten deshalb zusammenspannen.

«Es muss finanziell interessanter sein, zu arbeiten als nicht zu arbeiten.»Andreas Eschbach

Zusätzliches Engagement für Bauern

Den Bauern forderten die Arbeitskräfte zusätzliches Engagement ab, sagte Eschbach. Sie müssten Geduld, Verständnis für andere Kulturen und den Willen zur Integration aufbringen. Nicht jeder Betrieb eigne sich für die Mitarbeit von Flüchtlingen.

Hintergrund des Projekts ist die am 9. Februar 2014 angenommene Zuwanderungsinitiative der SVP. In der Schweizer Landwirtschaft arbeiten jedes Jahr 25'000 bis 35'000 Personen aus dem Ausland, weil sich für die Arbeit auf Bauernbetrieben kaum Schweizer finden, wie der Bauernverband festhielt.

Laut der Mitteilung findet nur rund jede dritte vorläufig aufgenommene oder als Flüchtling anerkannte Person in den ersten Jahren in der Schweiz eine Arbeit. Mangelnde Sprachkenntnisse, keine Ausbildung, die fehlende Anerkennung eines Diploms aus dem Herkunftsland oder Vorurteile der Arbeitgeber sind Gründe dafür. (pst/sda)

Erstellt: 20.05.2015, 12:02 Uhr

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