Forschungsmillionen für die Energiewende

Zwei neue Programme des Nationalfonds sollen Wege für die Umsetzung der Energiestrategie aufzeigen.

Zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 sind viele Forschungsprojekte am laufen: Das Kernkraftwerk Leibstadt. Foto: Steffen Schmidt / Keystone

Zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 sind viele Forschungsprojekte am laufen: Das Kernkraftwerk Leibstadt. Foto: Steffen Schmidt / Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Wissenslücke für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 von Bundesrat und Parlament ist noch gross. Das zeigt die lange Liste der Forschungspro­jekte der beiden Energieprogramme des Schweizerischen Nationalfonds. NFP 70 und NFP 71 vereinen über hundert Vorhaben.

Die Debatte im Dezember im Nationalrat hat gezeigt, dass vor allem auf bürgerlicher Seite grosse Unsicherheit herrscht, ob die Energiewende gemäss der Strategievorlagen überhaupt zu schaffen ist. Bürgerliche sehen nach wie vor den Wirtschaftsstandort in Gefahr, eine Verteuerung der Energie kommt überhaupt nicht infrage. Auch der Glaube daran, dass die Schweiz genug Sonnen- und Windenergie gewinnen kann, um in den nächsten Jahrzehnten die in die Jahre gekommenen Atomkraftwerke zu ersetzen, ist noch gering. Spitzenforschung soll nun in den nächsten Jahren zuverlässige Lösungsvorschläge an die Adresse der Politik, Wirtschaft und die Bevölkerung liefern, um die Energiewende zu schaffen. Dafür investiert der Bund 45 Millionen Franken für die nächsten vier Jahre.

Auch Energiespeicherung und -verteilung interessieren

Allein die Projektbeschreibungen zeigen auf, wo noch Klärungsbedarf herrscht. Zum Beispiel bei der Fotovoltaik. Obwohl der Preis für Solarmodule in den letzten Jahren deutlich gesunken ist, so scheint es noch reichlich Potenzial zu geben, um die Effizienz zu steigern und damit die Kosten für Foto­voltaik zu senken. Unter anderem sollen Solarzellen weiterentwickelt werden, um einen Wirkungsgrad von über 30 Prozent zu erreichen. Das Ziel ist, neben dem sichtbaren Licht zum Beispiel auch den Anteil des Nah-Infrarots der Sonne in Strom umzuwandeln. «Solarenergie ist in der Schweiz ein Problem des Platzes», sagt Projektleiter Christophe Ballif von der ETH Lausanne. Je effizienter die Fotovoltaik, desto weniger Platz auf Dächern und Fassaden braucht es.

Das NFP 71 ist thematisch auf das Gesamtenergiesystem ausgerichtet. So interessiert nicht nur die Energieproduktion, sondern auch die künftige Speicherung und Verteilung von Energie. Die Stromproduktion von Solar- und Windanlagen weisen grosse Schwankungen auf. Um diese zu glätten und das Stromnetz zu entlasten, drängen sich Speicherformen auf, vor allem Batterien, die Überschussenergie auch an abgelegenen Orten speichern, wo Strom zum Eigenverbrauch produziert wird. Noch sind Batterien teuer und die Kapazität beschränkt. Die Universität Fribourg und die ETH Zürich forschen an Lithium-Wasser- und Lithium-Luft-Batterien, weil die Energiedichte theoretisch gegenüber herkömmlichen Batterien 10- bis 20-mal höher ist. Ein erstaunliches Projekt verfolgen Forscher der ETH Zürich und Lausanne sowie des Paul-Scherrer-Instituts. Sie prüfen die Machbarkeit eines Druckluftkraftwerks in der Schweiz, das im grossen Stil mit überschüssigem Strom Druckluft in Kavernen speichert, um mit dieser bei Bedarf eine Stromturbine anzutreiben. Da es unsicher ist, ob alle geplanten Pumpspeicherkraftwerke in der Schweiz gebaut werden, könnte dieses Verfahren eine Alternative sein.

Wirkung der Ökosteuer

Eine zentrale Frage in den nächsten Jahren wird sein, wie neue Energieformen und die Energieeffizienz – ein Schlüsselthema der Energiestrategie – effektiv durchgesetzt werden. Erstmals werden in der Schweiz detailliert sozioökonomische und politische Instrumente wissenschaftlich untersucht. Die Energiestrategie sieht vor, Subventionen allmählich durch Lenkungsabgaben zu ersetzen. Geprüft werden steuerpolitische Massnahmen wie zum Beispiel die ökologische Steuerreform, welche der Bundesrat ins Auge gefasst hat. Dass Steuern wirken können, zeigt die CO2-Steuer auf Brennstoffe, deren Verbrauch in den letzten Jahren gesunken ist. Sicher ist heute: Ohne Verteuerung der Energie wird der Energieverbrauch kaum sinken, wie Andreas Balthasar, Präsident der Leitungsgruppe NFP 71, erklärt.

Erstellt: 15.01.2015, 22:42 Uhr

Artikel zum Thema

Energiewende: Erste Entscheide sind gefallen

Jetzt wird die Energiewende konkret: Der Nationalrat hat zum ersten Mal die Energiestrategie 2050 beraten. Bereits stehen die Verbrauchsziele fest. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

So viel kostet die Energiewende

Economiesuisse rechnet vor: Das Programm zur Förderung erneuerbarer Energien ist am Ende noch teurer als die neuen Bahntunnels am Gotthard und am Lötschberg. Mehr...

Energiewende auf Kurs

Kommentar Die Mitteparteien schmiedeten im richtigen Moment Allianzen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Wettbewerb

Wie du spielend Geld sparen kannst

Energy Hero ist das kostenlose Online-Spiel, mit dem du mit etwas Fingerfertigkeit Preise im Wert von insgesamt 30 000 Franken gewinnen kannst.

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...