«Frausein allein ist kein politisches Thema»

Nach der FDP knirscht es auch bei der CVP zwischen Mutterpartei und den Frauen. Babette Sigg Frank, Präsidentin der CVP-Frauen, nimmt Stellung.

Provokativer Auftritt: Dieses Plakat der FDP-Frauen mit Claudine Esseiva sorgte für Kontroversen.

Provokativer Auftritt: Dieses Plakat der FDP-Frauen mit Claudine Esseiva sorgte für Kontroversen.

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Die bürgerlichen Frauen finden ihre eigene Stimme. Nicht nur die FDP-Frauen, auch die Frauenfraktion der CVP geht nicht einig mit dem taktischen Rechtskurs ihrer Mutterpartei – dies berichtet der «Blick» in seiner heutigen Ausgabe (Artikel online noch nicht erhältlich). Im Zentrum stehen dabei vor allem Fragen der Asylgesetzrevision – so beschlossen die CVP-Frauen bei ihrer Mitgliederversammlung am Samstag, die von der CVP unterstützte Verschärfung nicht mitzutragen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet wollte von Babette Sigg Frank, Präsidentin der CVP-Frauen, wissen, wie sie mit solchen Konflikten mit der Mutterpartei umgeht.

Heute thematisierte der «Blick», dass auch die CVP-Frauen bei Kernthemen wie der Asylpolitik im Konflikt mit ihrer Mutterpartei stehen – wie gehen Sie damit um?
Ich würde das nicht als Konflikt bezeichnen, wir sind ganz einfach anderer Meinung. Das heisst noch lange nicht, dass man ein Spaltpilz der Partei sein muss. Wenn man es gut begründen kann, dürfen in der CVP unterschiedliche Meinungen durchaus nebeneinander stehen bleiben. Vielleicht verärgert man mit einer pointierten Meinung irgendwo einen CVP-Wähler, aber wir gewinnen auch Wähler und vor allem Wählerinnen dazu, vornehmlich in den urbanen Gebieten.

Spiegelt sich das auch in den Mitgliederzahlen der CVP-Frauen?
Seit ich vor vier Jahren das Präsidium übernahm, war der Zulauf stetig. Über den Daumen gepeilt, gewinnen wir pro Jahr etwa 10 Prozent dazu.

Die FDP-Frauen schafften mit provokativen Aktionen wie der Oben-Ohne-Kampagne von Claudine Esseiva für die Frauenquote Aufmerksamkeit. Käme ein solcher Auftritt auch für die CVP-Frauen infrage?
Wenn ich von solchen Aktionen der FDP-Frauen höre, dann muss ich jeweils Carmen Walker Späh ein Mail schreiben und ihr gratulieren. Ich finde es toll, was sie machen. Die CVP-Frauen vertreten oft sehr ähnliche Positionen, aber wir haben einfach nicht die Mittel, um unsere Ideen plakativ an den Mann zu bringen.

Liegt das vielleicht daran, dass die CVP-Frauen einfach braver und pflegeleichter sind als die FDP-Frauen?
Das würde ich so nicht unterschreiben. Man hört zwar weniger von uns, das heisst aber nicht, dass wir ruhiger und braver sind.

Warum hört man dann so wenig von den CVP-Frauen?
Weil sich niemand für uns interessiert. Solange wir nicht anderer Meinung sind als unsere Partei, wie jetzt gerade mit dem Asylgesetz, werden wir nicht wahrgenommen.

Bei der Waffenschutzinitiative waren die CVP-Frauen auch nicht mit der Mutterpartei einig – gab es da auch Diskussionen über disziplinarische Massnahmen wie bei der FDP, die jetzt geregelt hat, wer wie auftreten und kommunizieren darf ?
Nein, absolut nicht. In der CVP habe alle Gruppierungen das Recht, ihre Meinung zu vertreten.

Christophe Darbellay hat die FDP-Frauen wiederholt in seine Partei eingeladen. Inwiefern unterscheiden sich denn die Positionen der FDP- und der CVP-Frauen?
Die politischen Unterschiede sind tatsächlich marginal, und die Gemeinsamkeiten sind gross.

Der bekannte Kinderarzt und Bestsellerautor Remo Largo hat verschiedentlich eine Frauenpartei für die Schweiz gefordert – halten Sie so etwas für denkbar?
Ich glaube nicht, dass das in der heutigen Zeit gut ankommen würde. Schon die Quotendiskussion war weniger eine Diskussion, sondern mehr ein Aufschrei des Entsetzens, der jede Diskussion verunmöglichte. Dies zeigte, dass die Akzeptanz für solche Anliegen sehr klein ist. Es scheint eine Angst vor Frauen zu geben. Ich beobachte einen Backlash, wir werden wieder konservativer. Eine einheitliche Frauenpartei aber ist nicht im Sinn der CVP-Frauen, da Frausein allein kein politisches Thema ist.

Erstellt: 26.03.2013, 13:46 Uhr

«Es scheint eine Angst vor Frauen zu geben»: Babette Sigg.

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