Heidi Tagliavini – Topdiplomatin auf «Mission Impossible»

Sie ist im Ausland bekannter als in der Schweiz: Die Topdiplomatin Heidi Tagliavini. Nun wartet eine neue Mission auf die gebürtige Baslerin. Sie soll die Hindergründe des Kriegs zwischen Georgien und Russland aufklären.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Heidi Tagliavini gibt sich zurückhaltend – anders würde man es von einer Diplomatin nicht erwarten. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet will sie ihre Kür zur Chefin eines EU-Experten-Teams, das die Hintergründe des Krieges zwischen Georgien und Russland aufklären soll, nicht kommentieren. Offiziell ist sie noch nicht bestätigt; alles weitere werde erst Mitte November in Brüssel beschlossen, schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Tagliavinis Wahl kommt nicht überraschend: Die 58-jährige Kaukasus-Expertin und ehemalige Leiterin der Unomig-Friedensmission in Georgien ist genau die Richtige für den Job. Dieser wird nach dem Scheitern der Genfer Konferenz vor zwei Wochen immer mehr zu einer «Mission Impossible»: Russen und Georgier trafen sich nicht einmal zu direkten Gesprächen.

Heidi Tagliavini wird die verfahrene Situation bekannt vorkommen: Von 2002 bis 2006, als sie Sondergesandte des Uno-Generalsekretärs für Georgien war, musste sie sich «Zentimeter um Zentimeter» Respekt verschaffen. Damals bekämpften sich Georgien und die abtrünnige Teilrepublik Abchasien, und es lag an der Schweizerin, einen Waffenstillstand auszuhandeln – und diesen zu überwachen. Regelmässig pendelte sie zwischen dem damaligen georgischen Präsidenten Schewardnadse, Mitgliedern der nicht anerkannten abchasischen Regierung, dem Kreml in Moskau und der Uno-Zentrale in New York hin und her. Die Arbeit hat sich gelohnt: Tagliavini ist überzeugt, dass sie in diesen vier Jahren viel erreichte in Georgien: «Politische Verhandlungen zu führen, war zu Beginn meiner Mission nicht möglich», sagte sie vor zwei Jahren.

Tschetschenien, Bosnien, Kaukasus

Im Buch «Kaukasus – Verteidigung der Zukunft», an dem sie als Mitherausgeberin beteiligt war, erläutert sie ihr Erfolgkonzept: «Nur persönliches Engagement, Überzeugung und die Richtigkeit unserer Mission, eine klare Linie in allem, was man tut, Opferbereitschaft und das Bereitsein, professionelles Risiko einzugehen im Namen der wichtigsten Sache der Welt – des Wohls anderer Menschen –, bringen schliesslich Erfolg.» Opfer- und Risikobereitschaft legte Tagliavini während ihrer Karriere immer wieder an den Tag: Neben ihrer Friedensmission in Georgien war sie für die OSZE im kriegszerstörten Tschetschenien, amtete als Botschafterin in Bosnien und repräsentierte den OSZE-Vorsitzenden im Kaukasus.

Krisendiplomatin wollte Heidi Tagliavini eigentlich nie werden: Sie wuchs als zweitälteste von vier Geschwistern in Basel auf. Nach der Matur ging sie nach Genf, wo sie Romanistik und Russisch studierte. Das Interesse an der Diplomatie weckte ihr Cousin, der spätere Staatssekretär Franz Blankart. Darauf durchlief sie den Ausbildungsgang zur Diplomatin – ein Glücksgriff für die Schweizer Diplomatie. Das bezeugt auch eine ehemalige Mitarbeiterin von ihr: «Sie hat deutsche Disziplin, ein italienisches Herz und französischen Charme», schwärmte sie.

Bilder von zerschossenen Panzern

Dass der Job in Kriegsgebieten manchmal hart sein kann, versteht sich von selbst. Um die Arbeit in Tschetschenien besser zu ertragen, streifte Tagliavini mit der Kamera durch die Stadt und fotografierte zerschossene Panzer, ausgebombte Häuser und verbrannte Bäume. Die Bilder veröffentlichte sie in einem Bildband – «Zeichen der Zerstörung». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.10.2008, 18:32 Uhr

Blogs

History Reloaded Die Schweiz, ein Land der Streiks

Beruf + Berufung Die Angst des Rebellen

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...