Bundesratsbunker: Debatte um kalten Kaffee

Auf «Spiegel Online» hat ein Schweizer Journalist den genauen Standort des Bundesratsbunkers genannt. «Blick» zog nach. Dabei ist die Sache längst bekannt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist ein offenes Geheimnis: Dass sich die «Führungsanlage K20», der Sicherheitsbunker des Bundesrats, bei Kandersteg im Kanton Bern befindet, war hierzulande schon in zahlreichen Zeitungen zu lesen. Vor Ort weisen einem die Bewohner auf Anfrage gerne den Weg zur Anlage. Dennoch hat ein Bericht auf «Spiegel Online» die Gemüter erhitzt. Darin dokumentiert der Journalist seinen Weg zum Bundesratsbunker und gibt erstmals die genauen Koordinaten des Standorts an.

Der «Blick» titelt darauf «Deutsche verraten unseren Bundesratsbunker». Und das, obwohl der Journalist Schweizer ist. «Blick» weiter: «Falls die Russen also noch Wert darauf legen: Jetzt wissen sie genau, wohin sie zielen müssen.»

Der Hintergrund: Bisher wurde das Ausplaudern von geheimen Bunker-Standorten zumindest ermahnt oder mit symbolischen Strafen gebüsst.

«Nichts Neues»

Doch nicht mal für Hansruedi Moser, Informationschef der Bundeskanzlei, hat die Geschichte Fleisch am Knochen. «Neu ist daran nichts», sagt er. Dass sich der Bundesratsbunker in Kandersteg befinde, sei seit 1998 bekannt und einfach nie offiziell bestätigt worden. Konsequenzen werden beide Artikel deshalb «sicher nicht» haben.

Gemäss Moser dürfen von aussen sichtbare Anlagen ohnehin sowohl fotografiert, als auch thematisiert werden. «Alles, was da drin passiert, also nicht sichtbar ist, ist jedoch geheim zu halten», so Moser.

Zweimal «lächerlich»

Viel Lärm um nichts also? «Dass die Geschichte in Deutschland in humoristischer Hinsicht interessant ist, leuchtet mir ein», sagt Josef Lang, Zuger Nationalrat und Präsident der GsoA. Den Deutschen zeige es, was für seltsame Vorstellungen die Schweiz von der Landesverteidigung habe. Doch: «Die Bunker sind lächerlich. Und ihre Geheimhaltung erst recht», so Lang.

Lang verlangt, dass die Militärjustiz nicht mehr über Journalisten urteilen darf und fordert die Aufhebung der Geheimhaltung. Er empfindet die Angelegenheit als Farce: «Im Bunker sind 40 Plätze für National- und Ständeräte reserviert – doch für welche genau ist unbekannt. Wie soll das im Ernstfall funktionieren?»

Dass die Anlage überhaupt instand gehalten wird, stösst nicht nur ihm sauer auf. Hansruedi Moser dazu: «Was sollen wir sonst machen, den Berg sprengen und die Anlage zubetonieren – nachdem wir 238 Millionen investiert haben?» Nahe liegender sei es, den Bunker für zivile Notfälle in Bereitschaft zu halten, so Moser: «Wer weiss, was in zehn Jahren sein wird». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.08.2008, 21:24 Uhr

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...