«Ich wurde nie richtig über das Resultat der Mammografie informiert»

Barbara Bussmann liess mehrere Mammografien machen. Ihr Brustkrebs blieb trotzdem unentdeckt.

Umstrittene Methode: Eine Frau bereitet sich auf eine Mammografie in der Klinik Engeried in Bern vor.

Umstrittene Methode: Eine Frau bereitet sich auf eine Mammografie in der Klinik Engeried in Bern vor. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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In der Schweiz sterben jedes Jahr 1400 Frauen an Brustkrebs. Brustspezialisten und die Krebsliga versuchen, diese Zahl durch flächendeckende Mammografie-Screenings zu senken. Dieses Vorgehen bringe mehr Nachteile als Vorteile, heisst es nun in einem am Sonntag publizierten Bericht des Swiss Medical Board. Zweifel an der heutigen Praxis weckt der Fall der Zürcher Kantonsrätin Barbara Bussmann. Sie liess sich regelmässig untersuchen – hätte sie sich bloss auf die Mammografie verlassen, würde sie heute vermutlich nicht mehr leben.

Frau Bussmann, Sie sind nach einer Krebserkrankung knapp dem Tod entgangen. Liessen Sie sich zuvor regelmässig untersuchen?
Ja. Ich liess regelmässig Mammografien machen, wie man es mir empfohlen hatte. Nach den Untersuchungen hörte ich meist gar nichts und nahm an, dass alles gut sei. Manchmal liess der Radiologe oder der Gynäkologe auch ein knappes «ist gut» verlauten – so auch beim letzten Mal im Herbst 2009. Ich ging davon aus, dass ich gesund bin.

Wie wurde der Krebs diagnostiziert?
Im September 2010, ein Jahr nach der erwähnten Mammografie, stellte ich eine Veränderung an meiner Brust fest. Man machte eine erneute Mammografie und sah wieder nichts Verdächtiges. Ein Ultraschall dagegen zeigte, dass ein haselnussgrosses Geschwulst vorhanden war. Nach einer Gewebeentnahme war klar, dass ich einen sehr aggressiven und schnell wachsenden Brustkrebs hatte.

Wie ging es weiter?
Zunächst wurde ich operiert, dann kam heftige Chemotherapie, eine Hardcore-Version, wie der Onkologe sagte. Heute gilt der Krebs als besiegt, und es geht mir gut. Aber wenn ich bis zur nächsten planmässigen Mammografie gewartet hätte, wäre es wahrscheinlich zu spät gewesen.

Wäre Ihre Therapie weniger einschneidend gewesen, wäre der Krebs früher diagnostiziert worden?
Das kann ich nicht beurteilen. Die Grösse des Tumors spielt bei der Operation sicher auch eine Rolle, aber für die Art der Chemotherapie ist letztlich der Gewebetyp entscheidend. Und dieser hat sich zwischen der letzten Mammografie und der Diagnose nicht verändert.

Haben Sie je damit gehadert, dass Sie trotz regelmässigen Kontrollen Ihre Krankheit letztlich selbst diagnostizieren mussten?
Eigentlich nicht. Ich habe im Gegenteil erkannt, dass ich es schon merke, wenn etwas nicht stimmt. Ich war mir bewusst, dass es Tumore gibt, die man auf der Mammografie nicht sieht. Und ich war immer überzeugt, dass die Technik nicht alles ersetzen kann. Meine Geschichte bestätigt mich darin.

Keinerlei Groll?
Was mich stört, ist, dass ich nie richtig informiert wurde. Nach den Kontrollen haben keine Nachgespräche stattgefunden. Im besten Fall sagte jemand zwischen Tür und Angel: «Wir haben nichts Auffälliges entdeckt.» Mir hat nie jemand gesagt, dass das nicht das Gleiche bedeutet wie: «Alles ist gut.» Heute bin ich der Meinung, dass es nach der Mammografie ein Nachgespräch braucht.

Was halten Sie von den flächendeckenden Screenings, die seit einer Studie des Swiss Medical Board in der Kritik stehen?
Ich finde die Fragestellung falsch. Es geht nicht darum, ob die Screenings flächendeckend durchgeführt werden, sondern, wie gut sie gemacht werden. Es gibt heute immer noch zu viele Institute, die machen Mammografien und beschäftigen Mitarbeiter, die sie nicht richtig lesen können.

Erstellt: 03.02.2014, 19:15 Uhr

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