Jedes Jahr laufen der Kirche 40'000 Menschen davon

Die Bevölkerung wendet sich von Gott ab: Jeder Fünfte in der Schweiz ist bereits konfessionslos. Die Kirchen wollen mithilfe der Einwanderer und Innovationen dagegenhalten.

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Die Zahl der Konfessionslosen in der Schweiz hat sich seit 2000 verdoppelt – auf über 20 Prozent. Dies schreibt heute die «SonntagsZeitung» aufgrund einer Erhebung des Bundesamts für Statistik. Die Rangliste der Ungläubigen führt der Kanton Basel-Stadt an, wo 42 Prozent der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft mehr angehören. Es folgen Neuenburg und Genf mit 35 Prozent.

Weiterhin stark gläubig ist man – welch Überraschung – in den traditionell katholischen Kantonen Uri und Wallis. Über drei Viertel bekennen sich dort zum Katholizismus. Die Hochburg für die Reformierten bleibt der Kanton Bern, über die Hälfte der Bevölkerung gehört der evangelisch-reformierten Kirche an.

Steuerrechnung gibt Anstoss zum Austritt

Gemäss einer Arbeit des Pastoralsoziologischen Institut St. Gallen treten jedes Jahr bis zu 40'000 Menschen aus der Kirche aus. Es macht den Anschein, dass die Hürde kleiner geworden ist, um der Kirche den Rücken zu kehren. Anne Durrer vom Evangelischen Kirchenbund sagt dazu: «Kirchenmitglied bleibt man nicht, weil es sonst zu reden gäbe oder es einen gesellschaftlichen Nachteil bedeuten würde, sondern aus kritischer Überzeugung.»

Die Gründe für den Kirchenaustritt sind vielfältig. «Meist schwindet die Bindung zur Kirche über längere Zeit, bis dann die Steuerrechnung den Anstoss zum Austritt geben kann», sagt Walter Müller, Sprecher der Bischofskonferenz.

Eine weitere Erklärung liefert Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker Vereinigung Schweiz: «Im urbanen Raum stehen für die Menschen genügend weltliche Vernetzungsmöglichkeiten zur Verfügung.» Kurz: Die Kirchen haben als Begegnungsorte an Wichtigkeit eingebüsst. In den ländlichen Regionen stehe die Bevölkerung noch eher hinter den Kirchen, sagt Kyriacou, auch deshalb, weil sie soziale Treffpunkte anbieten könne. Zahlen bestätigen diesen Eindruck: 80 Prozent der Konfessionslosen leben in urbanen Gegenden.

Mit Einwanderer und City-Kirchen gegen den Trend

Nun will die Kirche diesem Trend gegensteuern: Die Katholiken setzen auf die Zuwanderung. Bisher haben gemäss der Bischofskonferenz die Immigranten die Abgänge ausgemerzt. 40 Prozent aller Migranten sind katholisch – in ihnen liegt also ein grosses Potenzial. Vorausgesetzt die Integration gelingt. Hoffnungen werden auch in Papst Franziskus und seiner Neuevangelisierung gesetzt: In einem 180-seitigen Dokument sieht der Papst vor, dass die Kirche «an die Randzonen des Lebens» gehe und den Leuten das Evangelium näherbringe.

Der evangelische Kirchenbund wiederum versucht mit Angeboten wie einer «City-Kirche» oder Besinnungsorten in Bahnhöfen Mitglieder zu gewinnen.

(czu)

Erstellt: 29.12.2013, 20:30 Uhr

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