Jubel nur bei den ganz Linken

Die Freude über Syrizas Sieg ist bei der SP am grössten, während die Grünen sich eher gleichgültig zeigten.

Sind begeistert über Tsipras Wahlsieg: Cédric Wehrmut (SP) und Jo Lang (Grüne). Fotos: Keystone

Sind begeistert über Tsipras Wahlsieg: Cédric Wehrmut (SP) und Jo Lang (Grüne). Fotos: Keystone

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Im Unterschied zur deutschen Linkspartei, die den Wahlsieg des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza) mit einer Party feierte, wurde hierzulande vor ­allem im ­Internet gejubelt. Eine Rundschau in der Kommunikationsplattform Twitter vermittelt einen guten Einblick, wie die Schweizer Linke zu Syriza steht.

In Vorfreude auf den wahrscheinlichen Sieg twitterte bereits am Freitagabend der frühere Zuger Nationalrat und heutige Vizepräsident der Grünen Schweiz, Jo Lang: «Hoffnung für soziales, grünes, friedliches Europa versus Troika, Juncker, Nato.» Wenige Stunden darauf meldete sich der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth zu Wort: «Ein Wahlsieg von Syriza wäre wohl das Beste, was Europa jetzt passieren kann!» Und als am Sonntagabend Syriza tatsächlich gewann, gab es kein Halten mehr: «Herzliche Gratulation an Alexis Tsipras und Syriza! Together for a new Europe of Hope!», so der frühere Juso-Chef. Wermuths Nachfolger, der Luzerner David Roth, gab seiner Gratulation noch den richtigen ideologischen Anstrich: «Griechische Wahlen sind ein Sieg der Demokratie über die neoliberale Finanz- und Wirtschaftspolitik, ohne nationalistischen Backlash.»

Interessant ist, welche Parteigenossen sich der Meinung der beiden Jungsozialisten und des grünen Altsozialisten anschlossen, widersprachen oder einfach schwiegen. So retweetete SP-Präsident Christian Levrat den Tweet von David Roth, und die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer tat das Gleiche mit dem Gratulations-Tweet von Wermuth. Keinen Sukkurs gab es hingegen für Jo Lang. Während die ansonsten auf Twitter sehr aktiven Nationalräte Balthasar Glättli, Bastien Girod oder Aline Trede die Ereignisse in Griechenland gänzlich ignorierten, äusserte sich immerhin Co-Präsidentin Regula Rytz, wenn auch wenig begeistert: «Syriza am Krisenherd – keine einfache Aufgabe. Doch offenbar die einzige Antwort auf wachsende Ungleichheit und gesellschaftliche Spaltung.»

Faszinosum Syriza

Vorher kommt die Begeisterung für ­Syriza? «Niemand hätte noch vor zwei Jahren gedacht, dass in Griechenland eine Politik gegen die Troika möglich sein könnte. Wir hatten alle Angst vor einem weiteren Aufstieg der Rechtsextremen», sagt Cédric Wermuth auf Anfrage. Der Wahlsieg von Syriza sei ein Signal an ganz Europa, aber auch eine Alternative zu den Nationalisten und rechtspopulistischen Kräften in Frankreich, Ungarn, Holland oder in der Schweiz mit der SVP. Ein Wermutstropfen ist aber der rechtspopulistische Regierungspartner von Syriza: «Zur Koalition mit den Unabhängigen Griechen kann ich heute nur ein Fragezeichen setzen. Wir werden sehen müssen, was für eine Politik die Regierung macht», so Wermuth.

Jo Lang sieht ebenfalls Auswirkungen auf die Schweizer Politik. Die politische und wirtschaftliche Situation Griechenlands sei selbstverständlich nicht mit der Schweiz vergleichbar. «Aber der ­Syriza-Sieg ermutigt die Schweizer Linke, den Kapitalismus wieder infrage zu stellen.»

Erstellt: 26.01.2015, 23:02 Uhr

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