Korruption im Seco: Es gab zwei Mitbegünstigte

Neben dem Ressortleiter haben zwei weitere Seco-Mitarbeiter auf Kosten einer IT-Firma Fussballspiele besucht.

Auf Kosten der verdächtigten IT-Firma YB-Spiele besucht: Nicht mehr nur der Ressortleiter steht beim Seco unter Korruptionsverdacht.

Auf Kosten der verdächtigten IT-Firma YB-Spiele besucht: Nicht mehr nur der Ressortleiter steht beim Seco unter Korruptionsverdacht. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Der im Zuge der Korruptionsvorwürfe freigestellte Ressortleiter des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) war nicht der Einzige, der von einer IT-Firma Geschenke annahm. Das zeigen Dokumente, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegen. Verdächtigt werden zwei weitere Seco-Mitarbeiter aus einer tieferen Hierarchiestufe.

Der Verdacht stützt sich einerseits auf die Tonaufnahme einer Sitzung von Ende 2012, an dem der Ressortleiter und zwei Vertreter der IT-Firma Fritz & Macziol AG* teilgenommen haben. Darin nennt der Ressortleiter die Namen von zwei Seco-Kollegen. Diese hätten ebenfalls Zugriff auf bis zu sechs VIP-Jahreskarten für YB-Spiele, die von Fritz & Macziol bezahlt werden, sagt er. Andererseits ist aus einer E-Mail des Ressortleiters ersichtlich, dass genau abgesprochen wurde, wer welche Spiele besuchen konnte. Im E-Mail sind wiederum die beiden Namen erwähnt und bestimmten Spieldaten zugeordnet.

Derzeit deutet aber nichts darauf hin, dass die beiden gleich stark in den Fall verwickelt sind wie der Ressortleiter. Eher ist zu vermuten, dass Ressortleiter und Firma die beiden gezielt mit den YB-Tickets beglückten, um sie vor allzu kritischen Fragen abzuhalten. Der eine der beiden Mitbegünstigten arbeitet in der IT-Abteilung des Ressortleiters. Der andere arbeitet in der Abteilung Finanzen. Einer von ihnen bestätigte telefonisch, YB-Spiele besucht zu haben. Dabei habe er sich aber nichts Weiteres gedacht.

Wussten die Chefs davon?

Ob allenfalls auch Vorgesetzte des Ressortleiters von den Vorgängen wussten oder gar profitierten, ist weiterhin offen. Im «SonntagsBlick» meldeten sich nun erstmals die ehemaligen Chefs zu Wort. Serge Gaillard leitete die Direktion für Arbeit von Anfang 2007 bis zum Sommer 2012. Dann wechselte er an die Spitze der Finanzverwaltung. Zum aufgedeckten Fall sagt er: «Ich bin schockiert. Hätten wir damals von den Verdachtsmomenten gehört, dann hätten wir gehandelt.»

Gaillards damaliger Chef, der ehemalige Staatssekretär für Wirtschaft der Jahre 2004 bis 2011, Jean-Daniel Gerber, lässt sich mit folgenden Worten zitieren: «Die Kompetenz der Auftragserteilung im IT-Bereich liegt nicht beim Direktor des Seco, sondern bei der Aufsichtskommission des Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung. Somit gingen die Offerten auch nicht über meinen Schreibtisch.» Heute wird die Kommission von Gaillards Nachfolger, Boris Zürcher, präsidiert.

Ermittler erweitern Verfahren

Auch in zwei weiteren Korruptionsfällen der Bundesverwaltung sind mehr Personen involviert, als bislang bekannt war. Das berichteten die «NZZ am Sonntag» und die «Schweiz am Sonntag». Im Insieme-Skandal der Steuerverwaltung von 2012 hat die Bundesanwaltschaft demnach das Verfahren auf drei Beschuldigte ausgedehnt. Neben dem ehemaligen Informatikchef der Steuerverwaltung stehen zwei verwaltungsexterne Personen im Fokus. Zudem hat die Bundesanwaltschaft auch den Katalog der vermuteten Straftaten erweitert. Zum Verdacht der ungetreuen Amtsführung hinzu kam der Verdacht der Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme.

Im Korruptionsfall im Bundesamt für Umwelt von 2010 richtet sich das Verfahren der Bundesanwaltschaft gemäss den zwei Zeitungen unterdessen gegen sechs Personen. Neben dem früheren IT-Chef des Amtes wird gegen fünf externe Personen ermittelt.


*Nachdem am Wochenende verschiedene Medien den Namen der IT-Firma publik machten, hat sich der «Tages-Anzeiger» entschieden, ihn nicht länger zu anonymisieren. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Erstellt: 02.02.2014, 16:54 Uhr

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