Lieber jahrelang auf der Warteliste als Solar-Soforthilfe beziehen

8000 Besitzer kleiner Fotovoltaikanlagen könnten neu eine einmalige Finanzhilfe beantragen. Erst 100 nutzen das Angebot, das bis 66'000 Franken einbringt. Die anderen warten auf einen Vergütungstarif.

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Der Rückstau ist gross. 31'000 Fotovoltaikprojekte warten derzeit auf Gelder aus der KEV – jenem Förderinstrument, das die Politiker im Bundeshaus geschaffen haben, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Um diesen Berg zügig abtragen zu können, hat das Parlament vergangenes Jahr Neuerungen beschlossen. Seit dem 1.  Januar werden Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von weniger als 10 Kilowatt anstelle der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) mit Einmalvergütungen gefördert.

Betreiber von Anlagen mit einer Leistung zwischen 10 und 30  Kilowatt haben die Wahl zwischen den beiden Modellen: Entweder sie nehmen die Einspeisevergütung in Anspruch, erhalten also während 20  Jahren einen garantierten Vergütungstarif für den ins Netz eingespeisten Strom. Oder sie entscheiden sich für eine einmalige Finanzspritze. Deren Nachteil: Sie beträgt nur maximal 30  Prozent der Investitionskosten. Dafür muss sich der Besitzer der Anlage in der Warteliste nicht zuhinterst einreihen und mehrere Jahre auf die Aufnahme in die KEV warten, sondern er erhält das Geld spätestens 20  Monate nach Inbetriebnahme der Anlage. Die Vergütung setzt sich aus einem einmaligen Grundbetrag pro Anlage und einem Leistungsbeitrag pro installierte Kilowatt Leistung zusammen. Die Besitzer erhalten auf diese Weise bis zu 66'000  Franken.

 «Neu und unbekannt»

Voraussetzung für den Zustupf ist, dass die Anlage bereits installiert ist. Dies trifft auf rund 8000 Anlagen zu. 1200  davon werden bis Oktober in die KEV aufgenommen. Um zu testen, inwieweit das neue Modell Anklang findet, hat die nationale Netzgesellschaft Swissgrid deren Besitzer im Frühjahr angeschrieben. Das Resultat: Von den 1200 Personen haben bloss 600 geantwortet, und davon haben sich nur 104 Personen für die Einmalvergütung entschieden.

Dass dies einem Misserfolg gleichkommt, bestreiten Swissgrid und das Bundesamt für Energie (BFE) gleichermassen. «Die Einmalvergütung ist noch neu und unbekannt», sagt BFE-Sprecherin Marianne Zünd. Swissgrid habe nur einen Bruchteil der Anlagenbesitzer auf der Warteliste kontaktiert. Daraus liessen sich noch «keine belastbaren Aussagen» ableiten. Dies sagt auch René Burkhard von Swissgrid. Es handle sich zudem um eine nicht repräsentative Gruppe von Anlagebesitzern, weil diese im laufenden Jahr ohnehin noch in die KEV aufgenommen werden. Aus diesem Grund sei der Anreiz für sie geringer gewesen, sich für die Einmalvergütung zu entscheiden. Die übrigen gut 6800  Anlagebesitzer sähen sich vor die Wahl zwischen einer langen Wartedauer und der einmaligen Finanzhilfe gestellt. In diesem Fall, so die Einschätzung von BFE und Swissgrid, würde die Wahl vermehrt auf das neue Modell fallen.

Geothermiefonds anzapfen

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien stehen dieses Jahr rund 500  Millionen Franken bereit, 60  Millionen davon sind für die Investitionshilfen für die kleinen Fotovoltaikanlagen vorgesehen. Finanziert wird der Ausbau der Erneuerbaren von den Stromkonsumenten. Seit diesem Jahr beträgt der Zuschlag pro Kilowattstunde 0,6  Rappen, was bei einem durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt etwa 27  Franken Mehrkosten pro Jahr ausmacht. Ab dem 1. Januar 2015 könnten es fast doppelt so viel sein, nämlich 50  Franken. Der Bundesrat wird womöglich heute über diesen BFE-Antrag auf eine Erhöhung auf 1,1  Rappen befinden. Der vom Parlament beschlossene Zuschlag beträgt maximal 1,5  Rappen. Der Bundesrat strebt mittelfristig eine abermalige Erhöhung an – auf 2,3  Rappen.

Um die vom Energiegesetz verlangte rasche Auszahlung der Einmalvergütungen zu ermöglichen, wird nun der 150  Millionen Franken schwere Fördertopf für die Geothermie angezapft. Dieses Geld brauche man während der nächsten fünf Jahre nicht, sagt Swissgrid-Experte Burkhard mit Blick auf die bis dato ausgebliebenen Erfolge bei der Tiefengeothermie. Dieses Vorgehen erfolgt mit dem Segen von Energieministerin Doris Leuthard (CVP). Das Geld, so BFE-Sprecherin Zünd, werde aber nur zeitlich umgelagert. Der Geothermietopf werde 2016 wieder aufgefüllt. Kein Zürcher Hotel mit Solarlabel, Seite 16Lieber jahrelang auf der Warteliste als Solar-Soforthilfe beziehen 8000 Besitzer kleiner Fotovoltaikanlagen könnten neu eine einmalige Finanzhilfe beantragen. Erst 100 nutzen das Angebot, das bis 66'000 Franken einbringt. Die anderen warten auf einen Vergütungstarif.

Erstellt: 25.06.2014, 07:07 Uhr

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gegen 32'000  Projekte. Weitaus den grössten Anteil stellt die Fotovoltaik (31'000  Projekte), gefolgt von der Wasserkraft (400), Wind (250) und Biomasse (190). Die KEV ist politisch umstritten. Energiepolitiker aus FDP und SVP wollen das Förderinstrument abschaffen. (sth)

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