Logistik-Chaos legt Schweizer Armee lahm

Zu wenig Laster, nicht gewartete Panzer: Die Armee ist selbst ohne Feindberührung bereits geschlagen. Nun sollen die Soldaten für Fehler der Planer von Verteidigungsminister Schmid büssen.

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Das Thema kommt bei jeder Sitzung der Sicherheitskommission des Nationalrates zur Sprache: Die Armee hat im Bereich Logistik grosse Lücken. Man hat dort zu schnell zu viel Personal abgebaut. «Die Probleme sind inzwischen derart», sagt Köbi Büchler (CVP) der Vizepräsident der Sicherheitskommission (SIK), «dass die Armee oft Mühe bekundet, Fahrzeuge für Rekrutenschule und WK marschbereit zu halten.» Es komme vor, «dass Panzerhaubitzen-Verbände einrücken, aber von den bestellten 24 Haubitzen gerade mal vier einsatzbereit sind», bestätigt Sicherheitspolitiker Roland Borer. «Die Planer im VBS haben eine falsche Milchbüchlein-Rechnung gemacht.» Man dachte, mit einer kleineren Armee brauche es auch weniger Logistik und Material. Die Planer hätten dabei aber nicht beachtet, dass trotzdem pro Jahr immer gleichviel Leute einrücken. Aber auch das Parlament habe Fehler gemacht - indem es den Militärs die Mittel kürzte.

Noch weniger Ressourcen für Logistik

Die Schweiz gibt pro Jahr immer noch fast vier Milliarden Franken für ihre Streitkräfte aus – hat aber «bei Spitzenbelastungen im Bereich Instandstellung dennoch nicht genügend interne personelle Ressourcen», sagt der Stellvertretende Armeesprecher Christoph Brunner. Dennoch will man den Bereich Logistik noch weiter abbauen. «Die Ressourcen der Logistik wurden und werden weiterhin sehr stark abgebaut», sagt Brunner. In die Lücke springen soll zum Teil die Truppe selber. Sie sollen künftig «vermehrt» dafür sorgen dass das Kriegsgerät einsatztüchtig ist. Im Jargon des VBS nennt man dies «Optimierungsmassnahmen».

Womit aber gemeint ist, dass die Soldaten mehr mit Besen und Schraubenschlüssel statt mit teueren Waffensystem üben sollen. Zum Beispiel bei Betrieb und Unterhalt von Schiess- und Waffenplätzen. Oder bei der Wartung von Armeefahrzeugen und Ausrüstung.

Logistik soll Material bereitstellen

Borer ist nicht strikte gegen solche Einsätze. «Es darf aber nicht die Regel werden, dass für Einsatzbereitschaft und Wartung von Material ausschliesslich die Truppe verantwortlich ist.» Und der Präsident der schweizerischen Offiziersgesellschaft warnt davor, dass die Ausbildung darunter leiden könnte, «falls der Logistikbereich aus Spargründen noch weiter hinuntergefahren wird». Jede Kompanie verfüge zwar über eine gewisse Anzahl an Handwerkern, die man dafür einsetzen könne, aber eigentlich «sollte es schon so sein, dass die Logistik der Truppe das benötigte Material bereitstellt.»

Die Armee hat zwar kein Geld für den Bereich Logistik, will aber für über zwei Milliarden neue Kampfflugzeuge kaufen. «Das kommt mir vor wie eine Familie, die kein Geld für Putzmittel ausgeben, aber einen Ferrari kaufen will», sagt Armeekritiker Jo Lang von der Grünen Partei. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.08.2008, 15:43 Uhr

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