Mit Bundeshilfe um den Globus

Der Bund unterstützt das Projekt Solar Impulse 2 mit sechs Millionen Franken und hilft bei der Einholung von Überflugrechten. Im Gegenzug darf das Bundes-Werbebüro für den Technologiestandort Schweiz werben.

Didier Burkhalter, André Borschberg und Bertrand Piccard (v. l.) mit dem Solar-Impulse-Prototyp HB-SIA (2012). Foto: Keystone

Didier Burkhalter, André Borschberg und Bertrand Piccard (v. l.) mit dem Solar-Impulse-Prototyp HB-SIA (2012). Foto: Keystone

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In zehn Tagen hebt der viermotorige Solarmotorsegler Solar Impulse 2 in Abu Dhabi zu seiner Weltumrundung ab – voraussichtlich, denn am Flugzeug der Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg wird nach wie vor intensiv gearbeitet. Letzte Dinge werden angepasst und auf Testflügen erprobt. Das alles geschieht unter der Aufsicht des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Ein Bazl-Techniker kontrolliert in Abu Dhabi die Flugtüchtigkeit und den Unterhalt des Flugzeugs und bringt die Papiere in Ordnung, damit die Solar Impulse 2 auf ihrer 35'000 Kilometer langen, fünf Monate dauernden und in zwölf Etappen unterteilten Reise mit einem korrekten Lufttüchtigkeitszeugnis unterwegs ist.

Der Solarmotorsegler, der ohne Treibstoff auskommt und im Schweizer Luftfahrzeugregister mit dem Kürzel HB-SIB unter der Spezialkategorie «experimental» geführt wird, war und ist für das Bazl eine grosse Herausforderung. Einerseits muss die Luftfahrtbehörde die höchstmögliche Sicherheit ­garantieren. Verunglückt die Solar Impulse 2 infolge eines technischen Defekts, wäre die Kritik am Bazl massiv. Andererseits demonstriert das Bazl mit der Präsenz in Abu Dhabi ein ungewohntes Entgegenkommen, auch um Aviatik-Geschichte mitzuschreiben. Das Unternehmen Solar Impulse muss für die Dienste des Bazl bezahlen. Wie viel, will sein Sprecher Urs Holderegger nicht sagen. Es werde nach der geltenden Gebührenordnung abgerechnet, sagt er.

Bund reagiert auf Kritik

Während Solar Impulse das Bazl entschädigen muss, hat das Unternehmen mit dem Bund vor einem Jahr einen umfassenden Dienstleistungsvertrag unterzeichnet. Das für den Vertrag verantwortliche Eidgenössische Aussendepartement (EDA) bestätigt: Die Vertragsunterzeichnung sei im Februar 2014 nach einem entsprechenden Bundesratsentscheid erfolgt. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hatte vor rund drei Jahren moniert, der Bund subventioniere das Solarflugzeugprojekt mit Millionenbeträgen ohne Rechtsgrundlage, und forderte Transparenz.

Gemäss Nicolas Bideau, Botschafter und im EDA Chef der bundeseigenen PR-Agentur Präsenz Schweiz, betragen die vom Bund zwischen 2007 und 2015 erbrachten Leistungen über 6 Millionen Franken. Darin eingerechnet sei die Bereitstellung der Hangars auf den Militärflugplätzen Dübendorf und Payerne sowie ein Beitrag von einer Million Franken für die Solar-Impulse-Kampagne anlässlich der Überquerung der USA 2013.

Was springt in diesem Gegengeschäft für den Bund heraus? Gemäss Bideau hat sich der Bund die Rechte gesichert, das Projekt Solar Impulse für eigene Kommunikationsaktivitäten zu nutzen. Er präzisiert aber: «Verschiedene Leistungen des EDA lassen sich nicht genau in Zahlen fassen, weshalb eine ab­schliessende Summe, die der Bund für das Projekt zur Verfügung stellt, schwierig zu beziffern ist.» Die EFK konnte sich gestern auf Anfrage zur Ausgeglichenheit zwischen den Dienstleistungen der Vertragspartner nicht äussern. Gemäss einem Mandatsleiter hat die EFK das von ihr geforderte Vertragswerk nicht im Detail geprüft.

Tatsächlich geht die Bundeshilfe über das Zurverfügungstellen von Hangars weit hinaus. Das EDA hat wegen des Projekts Solar Impulse sein diplomatisches Netzwerk aktiviert. Weil die Solar Impulse 2 ein experimentelles Flugzeug ist, eine Spannweite von 65 Metern hat, in ungewöhnlichen Höhen und sehr langsam unterwegs ist und auch nachts auf Sichtflug fliegt, kann es sich nicht auf Abkommen der internationalen Zivilluftfahrt berufen. Die Solar Impulse 2 muss mit Sonderbewilligungen ausgestattet und von Flugverkehrskontrollen innerhalb eines virtuellen Schutzschildes regelrecht durch Lufträume eskortiert werden. Zudem verlangen Behörden Pläne für den Fall einer plötzlichen Notlage. In Ländern wie China, Indien oder Burma wäre es allenfalls schwierig geworden, die Überflugrechte mittels einer einfachen Anfrage zu bekommen.

Verteidigungsminister Ueli Maurer und Aussenminister Didier Burkhalter haben deswegen Amtskollegen diverser Länder angeschrieben, das Projekt Solar Impulse präsentiert und um eine Vorzugsbehandlung gebeten. Vor Ort versuchten Schweizer Botschafter, Diplomaten und Militärattachés die Behörden vom Projekt zu überzeugen. Offensichtlich mit Erfolg. Selbst China, das sich bereits mit ungewöhnlichen Routen von Passagierjets schwertut, hat der Solar Impulse 2 eine Flugerlaubnis erteilt. In China wird der Schweizer Motorsegler gleich zweimal landen.

Es drohte der Gang ins Ausland

Pilot André Borschberg lobt im Gespräch mit dem TA die aktive Rolle und effiziente Arbeit des Bundes und bezeichnete die im Dienstleistungsvertrag fixierten Summen als «sehr realistisch». Borschberg sagt: «Die Logistikhilfe in Dübendorf half uns, die Solar Impulse 2 unter den besten Bedingungen zu bauen. In Payerne konnten wir das Flugzeug dank der Zusammenarbeit mit der Luftwaffe Tag und Nacht testen.» Auch mit der diplomatischen Arbeit zeigte er sich hochzufrieden. «Ohne die Hilfe des Bundes, aber auch seiner Hochschulen, hätten wir mit dem Projekt ins Ausland gehen müssen», sagt Borschberg.

Eine strenge Zeit kommt nun auf Nicolas Bideau und die Verantwortlichen von Präsenz Schweiz zu. Das Bundes-Werbebüro unterstützt die Schweizer Auslandsvertretungen dabei, an den Etappenorten der Solar Impulse 2 kernige Botschaften über die Schweiz zu platzieren. Dafür wurde eine Ausstellung eingerichtet, ein Film gedreht, und die Auslandsvertretungen organisieren unter dem Slogan «An idea born in Switzerland» medienwirksame Spezialanlässe. Bideau spricht von einer «grossartigen Gelegenheit, für das Image der Schweiz zu werben». Nach der Katastrophe von Fukushima sei eine Weltumrundung ohne einen Tropen Benzin ein Zeichen der Hoffnung. Aviatisch vergleicht Bideau das Vorhaben der Solar Impulse 2 mit dem Pioniergeist der amerikanischen Gebrüder Wright, die 1900 in einem selbst gebauten Gleitapparat abhoben und später Motorflugzeuge bauten.

Erstellt: 17.02.2015, 21:51 Uhr

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