Nein zu Kopftuchverbot an der Volksschule

Die Aargauer Regierungsrat hält ein Kopftuchverbot im Unterricht für «unverhältnismässig». Die Rechtslage ist unklar.

Ein Kopftuchverbot würde laut der Aargauer Regierung den Druck auf eine Minderheit unnötig erhöhen: Eine Schülerin in Deutschland.

Ein Kopftuchverbot würde laut der Aargauer Regierung den Druck auf eine Minderheit unnötig erhöhen: Eine Schülerin in Deutschland. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Kopftuchtragen von Schülerinnen sei keine Frage, die an den Aargauer Schulen für Unruhe sorge und nach politischer Klärung verlange, schreibt der Regierungsrat in seiner heutigen Stellungnahme. Es sei fraglich, ob die Ziele der Gleichberechtigung und Integration mit einem generellen Verbot besser zu erreichen seien. Gemäss dem Regierungsrat gibt es viele Hinweise, dass vermehrter Druck auf Minderheitengruppen dazu führt, dass sich diese von der Mehrheitsgesellschaft eher abschotten. Das würde eine verbesserte Integration und Chancengleichheit der betroffenen Mädchen verhindern.

Die CVP-Fraktion des Aargauer Kantonsparlaments hatte in einer Motion ein generelles Kopftuchverbot an den Volksschulen verlangt. Alle Kleidungsstücke sollten grundsätzlich verboten werden, die den pädagogischen Inhalten und Lernzielen der Volksschule widersprechen würden. Ein Kopftuch erschwert laut der CVP die Integration und widerspricht dem Gleichheitsgedanken zwischen Mädchen und Knaben. Die christlich-abendländische Kultur sei die Grundlage in den Schweizer Schulen. Ein Kopftuchverbot schaffe Klarheit und enthebe Schule, Familie und Schülerin von unnötigen Auseinandersetzungen.

Das Kantonsparlament hatte im November 2010 die Forderung nach verschärften Kleidervorschriften an den Volksschulen abgelehnt. Die SVP forderte «angemessene Kleidervorschriften» an den Schulen, und die Schweizer Demokraten wollten ein Verbot für Burkinis im Schwimmunterricht.

Bundesgericht lässt Zulässigkeit eines Kopftuchverbotes offen

Die CVP reagierte mit ihrer Forderung nach einem Kopftuchverbot auf einen Entscheid des Bundesgerichtes. Im vergangenen Juli entschied das Bundesgericht, dass zwei muslimische Mädchen in der Thurgauer Gemeinden Bürglen weiterhin mit dem Kopftuch zur Schule gehen dürfen. Das Gericht wies die Beschwerde der Gemeinde ab. Die Schulordnung von Bürglen hatte festgelegt, dass die Schule zwecks vertrauensvollem Umgang ohne Kopfbedeckung wie Caps, Kopftüchern oder Sonnenbrillen besucht werden muss.

Nach Ansicht des Bundesgerichtes müsste diese gewichtige Frage in einem formellen Gesetz geregelt und damit offiziell vom kantonalen Gesetzgeber beschlossen werden. Ob ein solches Gesetz dann vor der Bundesverfassung - namentlich der Glaubensfreiheit - standhalten würde, hatte das Bundesgericht jedoch nicht zu klären. (ldc/sda)

Erstellt: 31.01.2014, 09:36 Uhr

Artikel zum Thema

SVP-Pläne gegen das Kopftuch

Hintergrund Weil der St. Galler SVP die Verbündeten für ein Kopftuchverbot in der Schule fehlen, erwägt sie eine kantonale Volksinitiative. Eine Verfassungsänderung müsste das Bundesparlament aber absegnen. Mehr...

Mädchen dürfen mit Kopftuch in die Schule

Nach landesweiter Kritik dürfen zwei Mädchen aus Somalia wieder den Schulunterricht besuchen – mit Kopftuch. Ein Lehrer der Primarschule Au-Heerbrugg hatte sie zuvor deswegen nach Hause geschickt. Mehr...

«Das Kopftuch stört uns nicht, wieso stört es denn andere?»

Der Fall von zwei somalischen Mädchen in Heerbrugg, die wegen ihres Kopftuchs nicht zur Schule dürfen, sorgt seit Tagen für Wirbel. Die Familie kann die Aufregung nicht verstehen und fühlt sich angegriffen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

History Reloaded Margaret Thatcher und der Neoliberalismus

Michèle & Friends Die grosse Freiheit

Paid Post

Frühlingserwachen im höchstgelegenen Outlet der Schweiz

Der Frühling ist da und macht Lust auf Bewegung. Im Landquart Fashion Outlet bieten die mehr als 160 Premium-Marken jetzt eine noch grössere Auswahl an hochwertigen Basics für sportliche Höchstleistungen, und dies zu besonders attraktiven Preisen.

Die Welt in Bildern

Die Prothese als Sitznachbar: Ein Zuschauer verfolgt in Vladivostok ein Rollstuhl-Basketballspiel der Regionalmeisterschaft. (18. März 2019)
(Bild: Yuri Maltsev ) Mehr...