Sanierung kostet 1,4 Milliarden weniger als zweite Gotthardröhre

Die Kosten für eine zweite Röhre durch den Gotthard sind auch im langfristigen Vergleich deutlich höher als jene für die Alternativlösung. Dies zeigt ein noch unveröffentlichter Bericht des Bundes.

Bau, Betrieb und Unterhalt einer zweiten Röhre kosten bis 2090 rund 5 Milliarden, schätzen die Experten des Bundes: Aus- und Einfahrt des Gotthardtunnels bei Göschenen.

Bau, Betrieb und Unterhalt einer zweiten Röhre kosten bis 2090 rund 5 Milliarden, schätzen die Experten des Bundes: Aus- und Einfahrt des Gotthardtunnels bei Göschenen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie viel kostet die Sanierung des Gotthardstrassentunnels, wenn man eine zweite Röhre baut – und wie viel, wenn man in dieser Zeit einen Autoverlad betreibt? Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) hat Fachleute beauftragt, beide Varianten bis 2090 durchzurechnen. Dabei schnitt die zweite Röhre schlechter ab als bislang angenommen.

Der von der «NZZ am Sonntag» publik gemachte Bericht liegt auch der Nachrichtenagentur SDA vor. Für ihre Berechnungen nahmen die Fachleute des Bauplanungsbüros Helbling die vom Bundesrat vorgelegten Zahlen als Grundlage. Der Bundesrat befürwortet mittlerweile den Bau einer zweiten Röhre, auch aus Rücksichtnahme auf das Tessin.

5 Milliarden bis 2090

Laut den Zahlen des Bundesrats kostet eine einmalige Sanierung mit Bau einer zweiten Röhre rund 2,8 Milliarden Franken. Die einmalige Sanierung des Tunnels mit Bau und Betrieb eines Verlads für Autos und Lastwagen als Überbrückung während dieser Zeit kostet 1,7 Milliarden und damit 1,1 Milliarden Franken weniger.

Die Fachleute rechneten für den Bericht nun aus, was Betrieb, Unterhalt und mehrere Tunnelsanierungen bei beiden Varianten bis 2090 kosten würden. Eine zweite Röhre kommt demnach auf bis zu 5 Milliarden Franken, die Autoverladlösung auf maximal 3,6 Milliarden Franken. Damit stiege der Unterschied zwischen den Kosten gemäss dieser dynamischen Betrachtung auf 1,4 Milliarden Franken an.

Bundesrat will zweite Röhre

Der Bundesrat argumentiert nicht mit den absoluten Zahlen, sondern mit Prozenten: Haupterkenntnis des Berichts Helbling sei, dass die Kostendifferenz zwischen den beiden Varianten im Laufe der Zeit abnehme.

Bei der kurzfristigen, statischen Berechnung sei die zweite Röhre 67 bis 93 Prozent teurer als die Autoverladvariante, schreibt das Uvek dazu auf Anfrage. Bei der langfristigen, dynamischen Betrachtung sinke diese Differenz auf 41 bis 52 Prozent.

Der Bundesrat erachte den Bau einer zweiten Röhre als nachhaltiger, weil damit auch Funktionalität, Sicherheit, Verträglichkeit und Verfügbarkeit der Gotthardroute bleibend erhöht würden.

Rückweisungsanträge im Ständerat

Der Ständerat hatte am Donnerstag seinen Entscheid über eine zweite Röhre auf kommende Woche vertagt. Debattiert wurde unter anderem über die Kosten. Die Gegner einer zweiten Röhre befürchteten schon angesichts der Differenz von 1,1 Milliarden, dass das Geld für andere wichtige Strassenprojekte fehle.

Zu den Kritikern gehörte unter anderem Ständerat Konrad Graber (CVP/LU). Graber sagte heute auf Anfrage zu den in der Zeitung publizierten neuen Zahlen: «Hart gerechnet muss man erst recht sagen, dass eine zweite Röhre Wunschbedarf ist.»

Der Ständerat wird die Debatte nun am kommenden Donnerstag wieder aufnehmen. Zur Diskussion stehen noch drei Rückweisungsanträge. Mit diesen soll der Bundesrat unter anderem beauftragt werde, die Verfassungsmässigkeit einer zweiten Röhre oder alternative Finanzierungen vertieft zu überprüfen. Das letzte Wort hat das Volk: Die Vorlage soll dem fakultativen Referendum unterstellt werden. (ldc/sda)

Erstellt: 16.03.2014, 17:40 Uhr

Bildstrecke

Eine zweite Gotthardröhre?

Eine zweite Gotthardröhre? Der Bau eines zweiten Strassentunnels am Gotthard ist umstritten.

Artikel zum Thema

Brauchts eine zweite Gotthard-Röhre?

Das Tessin will ihn unbedingt, die Urner sind dagegen: Im Ständerat kommt es heute in der Frage eines neuen Alpendurchstichs zum Showdown. Die Kernfragen der Debatte. Mehr...

Nach reiflicher Überlegung – Ja zu einem zweiten Tunnel

Politblog Politblog Der Gotthardstrassentunnel muss saniert werden. Vorgesehen ist, einen zweiten Tunnel zu bauen, den alten zu sanieren und danach beide Röhren je einspurig zu betreiben. Das ist eine sinnvolle Lösung. Carte Blanche. Zum Blog

«Die zweite Röhre wird spätestens auf Druck der EU geöffnet»

Das offizielle Tessin wünscht sich eine zweite Gotthardröhre. Umweltschützer und Raumplaner warnen allerdings vor einem Verkehrskollaps. Die Blechlawine bedrohe auch den Tourismus. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Paid Post

Studieren von zu Hause aus

Erstmals in der Schweiz lässt sich ein Bachelor virtuell absolvieren. Dieses Set-up erlaubt es den virtuell Teilnehmenden ohne Pendeln zu studieren.

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...