Sexistische Amöben und der Fussball

Die Fans der «Bierkurve Schaffhausen» entschuldigen sich für ihr sexistisches Plakat. Doch ihre Entschuldigung ritzt nicht mal die Oberfläche des Problems.

Hilflose Entschuldigung: Das Plakat sei als «Provokation» gedacht gewesen, versuchte sich die «Bierkurve Schaffhausen» zu entschuldigen. Bild: Sarah Akanji, Twitter

Hilflose Entschuldigung: Das Plakat sei als «Provokation» gedacht gewesen, versuchte sich die «Bierkurve Schaffhausen» zu entschuldigen. Bild: Sarah Akanji, Twitter

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Das Timing hätte nicht treffender sein können. Doch vermutlich ging das an den Fans des Fussballclubs Schaffhausen vorbei, oder diese Amöben waren gerade so sehr damit beschäftigt, Transparente mit sexistischen Sprüchen zu bekleckern, dass ihre Hirnzellen voll ausgelastet waren. Beim Spiel am Sonntag präsentierten sie ihre Kreationen stolz der Welt: «Winti Fraue figgä und verhaue» stand da. Wenn jemand einen Beweis dafür braucht, warum Fussball die Fortsetzung des Kriegs mit zivilen Mitteln ist, voilà.

Wir wiederholen hier gern nochmals, was den Einzellern in ihrem Kreativ-Malen-Kurs entgangen zu sein scheint: Mindestens jede fünfte Frau hat in der Schweiz schon sexuelle Belästigung erlebt, mindestens jede achte wurde schon vergewaltigt. Bei solchen Zahlen wird den einen schlecht. Die anderen, meistens Männer, schweigen und denken: Das ist ja wohl sicher übertrieben, ich würde so etwas nie tun und auch sonst niemand, den ich kenne.

Ach ja? Wie gut wissen denn Männer, wie andere Männer mit Frauen umgehen? Wie sie sich verhalten, wenn sie eben nicht mit ihrem Mami oder ihrer Schwester zu tun haben, sondern sich zum Beispiel in einem testosterongetriebenen Umfeld als richtige Männer aufspielen wollen? Was wirklich abgeht, können Männer kaum wissen, vor allem nicht jene Exemplare, denen es offensichtlich an Empathie fehlt zu begreifen, warum ein solches Plakat ein absoluter Affront ist – und zwar nicht nur an die Winti-Frauen, sondern an jeder Frau.

Hilflose Entschuldigung

Die gute Nachricht bei dieser üblen Geschichte: Die Reaktion kam sofort, und sie kam deutlich: Politikerinnen, Fussballerinnen und Zuschauerinnen verurteilten den Aufruf zu sexueller Gewalt, die Polizei leitete Ermittlungen ein, die Swiss Football League eröffnete ein Verfahren, der FC Schaffhausen verurteilte die Aktion aufs Schärfste. Gut so!

Das Plakat sei als «Provokation» gedacht gewesen, versuchte sich die «Bierkurve Schaffhausen» zu entschuldigen, nicht ohne sich zu entblöden, sich auch noch selbst zu loben: Das sei wohl mehr als gut aufgegangen. Führende Köpfe des Klubs gaben zu Protokoll, sie hätten den Transparent-Malern wohl zu viel Freiheit gelassen, frauenverachtende Tendenzen gebe es aber sonst nicht in ihrer Kurve. Eine Entschuldigung, so hohl wie es vermutlich in den Köpfen der Transparent-Maler aussieht.

Offensichtlich sind die Fans etwas zu langsam um zu begreifen, was in ihren eigenen Reihen abgeht. Woher soll ein solches Plakat sonst kommen, wenn nicht aus Frauenverachtung? Wurden sie von Aliens ferngesteuert oder was?

Das Spruchband zeigt, dass ihnen erstens offenbar jede Empathie mit dem weiblichen Geschlecht abgeht und sie dieses zweitens als eine Art «Besitz» der Männer betrachten, den man schänden und beleidigen kann, um den Gegner zu beleidigen.

Die Geschichte spricht Bände über das immer noch tief in den Köpfen verwurzelte sexistische Denken. An sowas sollte man das nächste Mal denken, bevor man seufzt, die Frauen würden doch immer übertreiben.

Erstellt: 28.05.2019, 16:19 Uhr

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