Politik

Sie will die Quote für den Teilzeitmann

Die grüne Nationalrätin Aline Trede fordert Gleichberechtigung einmal anders: Sie will den Bundesrat beauftragen, bis 2020 jede fünfte Stelle in der Bundesverwaltung in eine Teilzeitstelle für Männer umzugestalten.

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Die SVP hat mit ihrer Zuwanderungsinitiative einen ungeplanten Nebeneffekt erzielt. Die gewöhnlich konservative Partei hat die Debatte über die Frauenförderung und Quoten in der Arbeitswelt befeuert. Denn seither gelten die Frauen als Hoffnungsträgerinnen im Kampf gegen den befürchteten Fachkräftemangel. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat verschiedene Massnahmen angekündigt, um die Frauen zu höheren Arbeitspensen oder zum Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu motivieren. Zum Beispiel soll das Angebot für die externe Kinderbetreuung besser und günstiger werden.

Das reicht der grünen Nationalrätin Aline Trede nicht. Es sei zwar gut, dass die Politik das Potenzial der Frauen endlich erkannt habe. «Aber die Doppelbelastung der Frauen bleibt», sagt sie. Denn weil nur eine Minderheit der Männer Teilzeit arbeiten wolle oder könne, bleibe der grösste Teil der Haus- und Kinderbetreuungsarbeit ebenfalls an den Frauen hängen.

Bund soll Vorbild sein

Tredes Lösung ist eine neue Quote – für den Teilzeitmann. Mit einer Motion will sie den Bundesrat beauftragen, 20 Prozent aller Stellen der Bundesverwaltung in Teilzeitstellen für Männer umzugestalten. Die Grüne will dem Bundesrat Zeit geben bis zum Jahr 2020. Die Idee dahinter: Wenn auch die Väter Teilzeit arbeiten, können sie die Mütter zu Hause entlasten. Für die Volkswirtschaft hätte dieser Vorschlag eine positive Auswirkung, ist Trede überzeugt. Der Bund müsse eine Vorreiterrolle übernehmen.

Die Quotendebatte für Frauen in der Arbeitswelt habe bereits einiges ausgelöst, sagt Trede. Nun brauche es auch noch eine Quote für den Teilzeitmann. Nur so sei es möglich, die Gleichstellungsdebatte und die gesellschaftspolitische Diskussion umfassend zu führen. Eine Debatte hat Trede mit ihrem Quoten-Vorschlag auf jeden Fall ausgelöst. Vor allem die Bürgerlichen reagieren aber skeptisch.

Gemäss Angaben des Bundesamts für Statistik arbeiten seit 1991 immer mehr Menschen in der Schweiz Teilzeit. Im vergangenen Jahr hatte jede vierte erwerbstätige Frau ein Pensum unter 50 Prozent. Ein Drittel der erwerbstätigen Frauen arbeitet zwischen 50 und 89 Prozent und rund 40 Prozent der Frauen arbeiten Vollzeit (90 oder 100 Prozent). Bei den erwerbstätigen Männern arbeiten fast 86 Prozent Vollzeit. Knapp 9 Prozent haben ein Pensum zwischen 50 und 89 Prozent, und rund 5 Prozent arbeiten weniger als 50 Prozent. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2014, 11:35 Uhr

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