Hintergrund

So schummeln Pendler

Ein Teil der Automobilisten versucht, sich mit falschen Angaben zum Arbeitsweg hohe Steuerabzüge zu erschleichen.

Mehr als die Hälfte der Pendler benutzt für den Arbeitsweg das Privatauto: Stau auf Zürcher Autobahn.

Mehr als die Hälfte der Pendler benutzt für den Arbeitsweg das Privatauto: Stau auf Zürcher Autobahn. Bild: Doris Fanconi

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Zuerst folgt die Routinekontrolle: Die Steuerkommissäre überprüfen, ob die Autopendler plausible Angaben zu ihrem Arbeitsweg gemacht haben. Hegen sie Zweifel daran, forschen sie mit Hilfsmitteln wie Google Maps und ÖV-Fahrplänen im Internet weiter. Dabei stellen die Steuerämter auch Missbräuche fest. Es gibt zwar keine Statistik darüber, wie viele Autopendler sich mit überrissenen Wegdistanzen oder anderen falschen Angaben zu hohe Abzüge zu erschleichen versuchen. Dass dies geschieht, bestätigen jedoch die vom TA befragten Steuerämter in Zürich, St. Gallen und Nidwalden. Sie versichern aber zugleich, es handle sich nicht um ein gravierendes Problem.

Ob dem tatsächlich so ist, muss offen bleiben. Möglicherweise kommt ein guter Teil der Betrüger ungeschoren davon. Steuerexperte Lukas Scheidegger von der Beratungsfirma PWC jedenfalls sagt, in der Praxis werde wohl nicht so genau hingeschaut: «Steuererklärungen sind ein Massengeschäft. Überprüft werden Angaben in der Regel nur, wenn ein sehr hoher Abzug geltend gemacht wird.»

Zu höheren Abzügen können Autopendler auf ganz legale Weise kommen. Wer zum Beispiel in Opfikon wohnt und in Wädenswil arbeitet, muss nicht den kürzesten Weg als Basis für seinen Fahrkostenabzug nehmen, also die Route mitten durch die Stadt Zürich, sondern den schnellsten – via Nordumfahrung. Letztere Strecke ist jedoch länger, was dem Autopendler mehr Fahrkilometer und damit einen höheren Abzug bringt.

Kantonal verschieden geregelt

Wann pendelnde Autofahrer ihre Fahrkosten in Abzug bringen können, ist kantonal unterschiedlich geregelt. Im Grundsatz sind sie dazu berechtigt, wenn «kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht» oder dessen Benützung «objektiv nicht zumutbar» ist. Diesen Rahmen gibt der Bund vor. Was das im Einzelfall heisst, legen die Kantone in Richtlinien fest. In der Praxis kommt den Steuerkommissären entscheidende Bedeutung zu: Sie müssen letztlich einschätzen, ob das Pendeln per Bahn oder Bus zumutbar ist oder nicht. Verbreitet ist zum Beispiel die Leitlinie, den Abzug der Autofahrkosten zu gewähren, wenn der Pendler infolge Krankheit oder Gebrechlichkeit nicht imstande ist, Tram, Bus oder Zug zu benutzen. Oder in Spezialfällen, zum Beispiel bei Schichtarbeit während der Nacht.

Es gibt aber auch Unterschiede zwischen den Richtlinien. Gewisse Kantone gewähren den Abzug, wenn ein Pendler mit dem Auto gegenüber dem öffentlichen Verkehr eine bestimmte Zeit einsparen kann. Im Kanton Zürich liegt dieser Wert bei 60 Minuten und mehr, im Kanton Nidwalden hingegen existiert eine solche Zeitgrenze nicht. Wiederum anders verhält es sich im Kanton Bern: Hier dürfen Pendler die Fahrkosten für das Auto geltend machen, wenn die Bewältigung des Wegs vom Wohn- zum Arbeitsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln länger als eine Stunde dauert. Im Kanton Schwyz greift zusätzlich die Regel, wenn bei der Hin- und Rückfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die Wartezeit jeweils 30 Minuten oder mehr beträgt.

Erstellt: 10.01.2014, 06:31 Uhr

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