Sollen alle Männer zahlen?

Geht es nach dem Parlament und dem Bundesrat, müssen künftig auch unverheiratete Männer für ihre Ex-Partnerinnen Unterhalt bezahlen.

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Ja

43:0 – das sind sowjetische Verhältnisse. Der Ständerat hat diese Woche richtig entschieden, als er beschloss, den Betreuungsunterhalt einzuführen. Das heisst: Ledige Väter müssen bei einer Trennung nicht nur das Kind, sondern auch die Mutter unterstützen, wenn sie bisher nicht berufstätig war – genau wie bei Scheidungen.

Männer.ch warnte im Vorfeld mit abschreckenden Geschichten über ruinöse Alimente geschiedener Ehemänner. Da dominiert das Klischee der getrennten Gattin, die am Pool liegt, während sich die Nanny um die Kinder kümmert. Auf Kosten des Ex-Partners natürlich, der sich krummschuftet und in einer Einzimmerwohnung haust. Ebenfalls gegen die neue Regelung ausgesprochen hatten sich Frauenorganisationen wie die FDP-Frauen oder Donna due. Sie finden, so werde das traditionelle Rollenmodell zementiert.

Das ist Blödsinn! Wenn schon, wird mit der bisherigen Bevorzugung von Ehefrauen das traditionelle Beziehungsmodell zementiert. Doch egal ob Gegnerinnen oder Gegner: Sie unterstellen den Müttern ein bemerkenswert opportunistisches Verhalten. Der pekuniäre Anreiz führe dazu, dass getrennte Frauen lieber auf der faulen Haut und dem Mann auf der Tasche lägen. Ganz abgesehen davon, dass kaum einer die Betreuung von Kindern als Erholungsprogramm bezeichnen würde: Die meisten Leute arbeiten nicht nur des Geldes wegen, sondern auch weil sie ihren Job mögen oder er ihnen Halt gibt.

Zudem beklagen sich Männer selten, wenn bei der Geburt der Kinder nicht sie, sondern die Mütter beruflich kürzertreten. Es ist deshalb kleinlich, einer Frau, die auf eine vielleicht grosse Karriere verzichtet hat, die Möglichkeit zu nehmen, sich als Alleinstehende dem Nachwuchs zu widmen. Zumal sich die Alimente, so das zuständige Bundesamt, im Rahmen des Existenz­minimums bewegen werden.

Nein

Das heutige Scheidungsrecht ist keine Aufforderung an die Mütter, erwerbstätig zu sein. Im Gegenteil: Je weniger die kinderbetreuende Person zum Familieneinkommen beiträgt, desto besser steht sie bei einer Scheidung finanziell da. Das Bundesgericht geht davon aus, dass eine Mutter erst Vollzeit arbeiten kann, wenn das jüngste Kind 16, und Teilzeit, wenn es 10 Jahre alt ist.

Diese Gesetzesauslegung entspricht den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen einer Zeit, in der es kaum Krippenplätze und Teilzeitstellen gab. Heute leuchtet nicht mehr ein, warum eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes 16 Jahre warten soll, bis sie wieder voll ins Berufsleben einsteigt.

Dennoch weiten Bundesrat und Parlament diese überholte Regelung jetzt noch aus. Bisher galt sie nur für Verheiratete, künftig gilt sie mit dem revidierten Unterhaltsrecht auch für unverheiratete Eltern.

Eigentlich wäre das Ziel dieser Gesetzesrevision fortschrittlich: Alle Kinder, unabhängig vom Zivilstand ihrer Eltern, sollen denselben Anspruch haben auf Sorge, Obhut und finanziellen Unterhalt. Warum das Gesetz nicht auch bezüglich der Alimente für den Ex-Partner modernisiert wird, sondern die bestehenden Fehlanreize noch zementiert werden, ist nicht einzusehen.Womöglich haben die Politiker dabei mittellose Alleinerziehende vor Augen, die in der Sozialhilfe überproportional vertreten sind. Doch das beste Mittel gegen Armut ist Arbeit. Wenn beide Elternteile erwerbstätig sind, verringert sich das Armutsrisiko bei einer Trennung. Kein Elternteil kann aber den anderen zwingen, erwerbstätig zu sein. Wer lieber im Vollzeitpensum zu den Kindern schaut, macht es. Heute und – nach dem Willen der Politik – auch in Zukunft. Denn so ist das Gesetz im Fall einer Trennung auf seiner Seite.

Erstellt: 04.12.2014, 20:04 Uhr

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