Spitäler warnen vor der Ventilklausel

Schweizer Spitäler sind auf hoch qualifiziertes Personal aus dem Ausland besonders angewiesen. Sollte der Bundesrat die Zuwanderung aus der EU weiter beschränken, könnten sie in Schwierigkeiten kommen.

Auf gut qualifiziertes Personal angewiesen: Genfer Universitätsppital.

Auf gut qualifiziertes Personal angewiesen: Genfer Universitätsppital.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Aufgrund der hohen Zuwanderungsrate will der Bundesrat die Ventilklausel möglicherweise auf die ganze EU ausweiten. Mit der sogenannten erweiterten Ventilklausel, welche der Bundesrat Ende Mai beschliessen könnte, dürfte sich nur noch eine beschränkte Anzahl Personen aus der EU in der Schweiz niederlassen. Dies könnte in bestimmten Branchen zu empfindlichem Personalmangel und erhöhtem administrativem Aufwand führen, wie die «Luzerner Zeitung» in ihrer heutigen Ausgabe schreibt.

Keine Rücksicht auf Qualifikationen

So warnt etwa der Spitalverband H+ vor einer Verschärfung der Personalsituation im Pflegewesen. Der Anteil von Mitarbeitenden aus der EU ist gerade in den Spitälern gross, wie die Statistik zeigt. Zwischen 400 und 600 ausländische Ärzte kommen laut Spitalverband jährlich neu in die Schweiz. Viele dieser Stellen sind befristet, weshalb man auf gut qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland besonders angewiesen ist. Problematisch bei der erweiterten Ventilklausel wäre auch das Prinzip «first come, first serve», nach dem die Kontingente für Zuwanderung aus den EU-17-Staaten verteilt würden. Denn sie beschränkt die Zuwanderung ungeachtet der Qualifikationen der Gesuchsteller.

Die erweiterte Ventilklausel würde insbesondere die Nachfolgeplanung von austretenden Ärzten aus der EU schwieriger machen, sagte Ernst Frank, Geschäftsführer der Spitäler Zentralschweiz, gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung». Damit würde es schwierig werden, zum Beispiel die Dienste aufrechtzuerhalten. Vor allem der administrative Aufwand würde sich empfindlich erhöhen, so Frank weiter.

Besonders hoher Ausländeranteil

Dies lässt sich zum Beispiel an der Personalsituation im Luzerner Kantonsspital ablesen. Dort wurden im vergangenen Jahr 303 Ärzte neu eingestellt oder Stellen wieder besetzt. 113 davon kommen aus dem Ausland, von diesen zwei Drittel aus Deutschland. Weil der Ausländeranteil aus der EU im Gesundheits- und Pflegebereich also sehr hoch ist, fordern Verantwortliche, auf diese besondere Situation Rücksicht zu nehmen, falls die Ventilklausel zur Anwendung komme. Andernfalls würde der Beschluss «automatisch spürbare Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung» zeitigen, sagte Hanspeter Vogel, Leiter des Fachbereichs Gesundheitswesen im Gesundheitsdepartement des Kantons Luzern, gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung».

Weniger dramatisch sieht es allerdings der Zuger Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann, obschon auch im Zuger Kantonsspital jeder vierte Arzt aus der EU kommt. Er glaube nicht, dass die erweiterte Ventilklausel im Gesundheitswesen zu einem ernsthaften Fachkräftemangel führen würde, denn diese würde die Einwanderung ja nur auf hohem Niveau beschränken. Um die Abhängigkeit vom Ausland im Pflegebereich zu verringern, sei es vielmehr wichtig, mehr in die Ausbildung eigener Fachkräfte zu investieren. Kritisch sieht er die Entwicklung, dass gerade im Pflegebereich in den vergangenen Jahren eine Akademisierung stattgefunden habe. Für Hürlimann sollte künftig wieder mehr «der Patient mit seinen Bedürfnissen im Zentrum stehen statt des Titels des Personals». (mcb)

Erstellt: 18.02.2013, 10:58 Uhr

Artikel zum Thema

«Die Spitäler werden ständig beschossen»

Interview Der französische Notfallarzt Adrien Marteau erzählt von seiner Arbeit im Nordosten Syriens. Er berichtet von verletzten Kindern, von Schüssen auf Unbewaffnete und von Menschen, die den Mut nicht verloren haben. Mehr...

Zürcher Spitäler haben Kosten im Griff

Die Schulthess-Klinik arbeitet am günstigsten. Am höchsten sind die Fallkosten im Kinderspital Zürich. Mehr...

Zweifelhaftes Spitalranking des BAG

Hintergrund Das Bundesamt für Gesundheit stellt Spitäler in einen Online-Qualitätsvergleich. Krankenhäuser und Experten misstrauen der Statistik. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Paid Post

Studieren von zu Hause aus

Erstmals in der Schweiz lässt sich ein Bachelor virtuell absolvieren. Dieses Set-up erlaubt es den virtuell Teilnehmenden ohne Pendeln zu studieren.

Die Welt in Bildern

Buntes Treiben: Mit dem Schmutzigen Donnerstag hat auch die Luzerner Fasnacht begonnen. Am Fritschi-Umzug defilieren die prächtig kostümierten Gruppen und Guggen durch die Altstadt. (20. Februar 2020)
(Bild: Ronald Patrick/Getty Images) Mehr...