Streit um Experten zur AHV-Initiative

Vertreter der ETH und der Caritas Schweiz haben am Montag für ein flexibles AHV-Alter plädiert. Das überparteiliche Nein-Komitee zweifelte umgehend die Unabhängigkeit dieser Experten an.

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Für die bisweilen verbreitete Äusserung, die Altersvorsorge sei in Zukunft nicht mehr finanzierbar, gebe es keine Basis, sagte Andres Frick von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) an einer Medienkonferenz des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB). Viel mehr gehe es bei der Diskussion um die Zukunft der Altersvorsorge um Entscheide über die Lebensarbeitszeit und um die Verteilung des Lebenseinkommens zwischen aktiven und nicht aktiven Lebensphasen. Modellrechnungen zeigten, dass ein komfortablerer Standard finanziert werden könne, als dies jetzt der Fall sei, ohne in der aktiven Lebensphase einen Konsumverzicht leisten zu müssen.

Für ein klares Ja zur AHV-Initiative machte sich auch Carlo Knöpfel, Leiter des Bereichs Grundlagen der Caritas Schweiz, stark. Dass eine Frühpensionierung längst nicht allen Arbeitnehmenden offen stehe, sei offensichtlich. Viele müssten einen diskriminierenden, stigmatisierenden und ausgrenzenden Weg über die Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe und Invalidenversicherung wählen. Hier brauche es Lösungen, die einen würdigen Übergang in den Ruhestand ermöglichen müssten, sagte Knöpfel.

«Zahlreichen ebenso unabhängige Experten»,

Die Gegner der AHV-Initiative zweifelten in einer Mitteilung die Unabhängigkeit der vom SGB beigezogenen Experten an. Das überparteiliche Komitee «Nein zu neuen Milliardenlasten für die AHV» verwies auf Aussagen von «zahlreichen ebenso unabhängigen Experten», welche die Initiative vehement ablehnten. Dazu gehörten Giuliano Bonoli, Sozialpolitik-Professor am IDHEAP in Lausanne, welcher vor Milliardenkosten warne, die nicht unterschätzt werden dürften.

Ein weiterer Experte sei Marco Netzer, Präsident des AHV-Fonds, welcher davor warne, dass die AHV in einigen Jahren in die roten Zahlen kommen werde. Rolf Lindenmann schliesslich, Leiter der Ausgleichkasse und IV-Stelle des Kantons Zug, sei überzeugt, dass die AHV-Initiative den Missbrauch fördere. Bei einer Annahme des Volksbegehrens bestünde die Gefahr, dass der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die bisher von Sozialmissbrauch verschont worden sei, dasselbe Schicksal ereile, wie der Invalidenversicherung. (sam/ap)

Erstellt: 11.11.2008, 11:25 Uhr

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