Stromstösse am Rande

Wer die Energiedebatte links liegen liess, verpasste auch den Aufstieg eines jungen Gestirns am Politfirmament.

Mehr Geld für den Strom der Bauern: Betreiber von Biogasanlagen mit Dung vom eigenen Hof bekommen einen Extrazustupf. Foto: Gaetan Bally / Keystone

Mehr Geld für den Strom der Bauern: Betreiber von Biogasanlagen mit Dung vom eigenen Hof bekommen einen Extrazustupf. Foto: Gaetan Bally / Keystone

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Gehören Sie zu den Bürgern, denen die Energie­debatte dieser Woche egal war, weil Sie finden, der Strom komme ja aus der Steckdose, nicht aus dem Nationalrat? Dann wird es Sie vielleicht überraschen, dass Sie, um beim Umstieg auf saubere Energien mitzuhelfen, künftig noch etwas mehr Geld an die Bauern zahlen dürfen. Bauernverbandsdirektor und FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois brachte durch, dass Betreiber von Biogasanlagen, die ausschliesslich mit Dung aus hofeigener Produktion arbeiten, einen Extrazustupf bekommen. Auch für langjährige Beobachter war die Erkenntnis faszinierend, dass in der Schweiz sogar eine Grundsatzdiskussion über die Kernkraft am Ende den Agrarsubventionstopf bereichert. Nicht zu vergessen den dazugehörigen, umwerfenden Slang. Die «Raufutterverzehrerbeiträge» und die legendäre «Verkäsungszulage» sind ja aus den agrarpolitischen Debatten hinlänglich bekannt. Die neue Kreation heisst «Hofdüngerbonus».

*

Verpasst hätten Sie es als Energieabstinenzler auch, den Aufstieg eines jungen Gestirns am Politfirmament beim anhaltenden Aufstieg mitzuverfolgen. Die «Aargauer Zeitung» machte ihre Leser gestern herausfordernd auf ihn aufmerksam: «Kennen Sie Albert Rösti? » Mit dem netten, 47-jährigen SVP-Nationalrat läuft es flott. Noch vor kurzem kannte ihn ausserhalb von Uetendorf BE – Gemeinde­präsident ist er dort – kaum jemand. Ausser man hatte mit Quark und Joghurt zu tun: Rösti amtete als Chef der Milchproduzenten. Nach seinem Rücktritt (wegen personeller Querelen) machte ihn die SVP überraschend zum Wahlkampfleiter für 2015. Diese Woche nun hatte er seinen ersten grossen Auftritt als Präsident der atomfreundlichen Aves (Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz). So denken Verwegene bereits an die Mutter aller Karriereschritte: Erwähnte «Aargauer Zeitung» schrieb ihn gestern zum nächsten SVP-Bundesrat hoch.

Erstellt: 04.12.2014, 22:22 Uhr

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