Viel mehr Abtreibungen bei Ausländerinnen

Pro Jahr treiben in der Schweiz rund 10'000 Frauen ab. Bei den Ausländerinnen ist die Rate sehr viel höher als bei den Schweizerinnen.

Migrantinnen, Asylsuchende und sans Papiers treiben häufiger ab Foto: Alamy

Migrantinnen, Asylsuchende und sans Papiers treiben häufiger ab Foto: Alamy

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10'255 Frauen haben letztes Jahr in der Schweiz einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen. Dies zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS). Dabei ist die Abtreibungsquote bei den Ausländerinnen mehr als doppelt so hoch wie diejenige der Schweizerinnen.

Die meisten davon sind zwischen 20 und 24 Jahre alt und stammen aus Afrika: 35,1 Afrikanerinnen von Tausend haben sich in diesem Jahr gegen ein Kind entschieden. Darauf folgten Frauen aus Lateinamerika. Am dritthäufigsten haben Frauen aus dem Nahen und Mittleren Osten abgetrieben.

Barbara Berger, Geschäftsleiterin Sexuelle Gesundheit Schweiz, sieht dafür verschiedene Gründe: «Vereinfacht gesagt haben viele Migrantinnen durch Sprachschwierigkeiten einen weniger guten Zugang zu Informationen und Verhütung. Deshalb haben wir die Internetseite sex-i lanciert. Dort gibt es Informationen in den verschiedensten Sprachen.»

Bei Sans-Papiers hingegen sei wohl auch der ungeregelte Aufenthaltsstatus ein Faktor: «Diese Frauen suchen die ‹Behörden› aus Angst erst bei eintretender Katastrophe auf, eben beispielsweise einer ungewollten Schwangerschaft.» Auch sei der Zugang zu Verhütung bei Asylsuchenden nicht in allen Kantonen geregelt. «Und auch sexuelle Missbräuche auf der Flucht führen unter anderem zu ungewollten Schwangerschaften von Asylsuchenden.»

Sibil Tschudin, Leitende Ärztin der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel, sieht die Gründe auch im Elternhaus: «In gewissen Familien sind Themen wie Sexualität und Verhütung tabuisiert, dort können die Jugendlichen nicht fragen, ob sie die Pille nehmen dürfen. Das ist natürlich entscheidend.» Weil auch die Kosten ein problem seien, fordert sie zudem, dass die Krankenkassen sie übernehmen.

Die Statistik wurde mit Daten aus 15 Kantonen erstellt.

Text übernommen von «20Minuten».

Erstellt: 24.10.2016, 10:12 Uhr

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