Wahlverfahren für Atom-Endlager dauert doppelt so lange

Das Ende der Suche nach einem Atommüll-Endlagerstandort rückt in immer weitere Ferne. Ein Entscheid dürfte frühestens 2027 fallen.

Das Tiefenlager für hochaktive Abfälle wird voraussichtlich erst im Jahr 2060 den Betrieb aufnehmen: Im Lager in Würenlingen werden sie derzeit zwischengelagert.

Das Tiefenlager für hochaktive Abfälle wird voraussichtlich erst im Jahr 2060 den Betrieb aufnehmen: Im Lager in Würenlingen werden sie derzeit zwischengelagert. Bild: Keystone

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Nach neusten Erkenntnissen des Bundesamtes für Energie (BFE) dürfte es inzwischen 2027 werden, bis der Bundesrat die Rahmenbewilligung für den Endlagerstandort erteilen kann. Die Dauer für die drei Etappen des Verfahrens wurde 2008 im so genannten «Sachplan geologisches Tiefenlager» ursprünglich auf rund zehn Jahre geschätzt. Dies hätte bedeutet, dass das Verfahren zwischen 2020 und 2022 abgeschlossen worden wäre.

Im Sachplan 2008 sei für jede Etappe vier bis fünf Jahre veranschlagt worden, sagte Marianne Zünd, Leiterin Kommunikation beim BFE, heute auf Anfrage. Die erste Etappe sei innerhalb dieses Zeitrahmens abgelaufen, die zweite dauere ein Jahr länger als vorgesehen. Deshalb hätten Planspiele der Beteiligten ergeben, dass die dritte Etappe ebenfalls noch mehr Zeit benötigen werde.

Es habe sich gezeigt, dass die ursprünglich gemachten Annahmen zu optimistisch waren, vor allem wegen der Komplexität und des Pioniercharakters des Verfahrens und wegen der aufwendigen Mitwirkung der Kantone und Regionen, heisst es dazu in einem Newsletter des BFE. Deshalb habe das BFE den Zeitplan gemeinsam mit den weiteren Akteurinnen und Akteuren überprüft. Aus heutiger Perspektive sei davon auszugehen, dass sich das Verfahren über eine doppelt so lange Zeit erstrecke, heisst es weiter.

Mitten in der zweiten Etappe

Die erste Etappe wurde vom Bundesrat am 30. November 2011 abgeschlossen. Sie endete mit dem Entscheid, die sechs geologischen Standortgebiete Jura Ost, Jura-Südfuss, Nördlich Lägern, Südranden, Wellenberg und Zürich Nordost in den Sachplan aufzunehmen.

Das Auswahlverfahren befindet sich nun in der zweiten Etappe. Bis Ende 2015 laufen die Untersuchungen der Standorte. Danach folgt bis 2017 die Überprüfung der Standorte und eine öffentliche Anhörung.

Das Ziel dieser Etappe besteht darin, aus den sechs Standortgebieten mindestens zwei für das Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sowie zwei für das Lager für hochradioaktive Abfälle auszuwählen.

Zwei Endlager oder ein Kombilager

Die dritte Etappe wird sich nach jetzigen Erkenntnissen über eine Zeitdauer von zehn Jahren erstrecken. 2020 sollte bekannt sein, für welche Standorte die Nagra Rahmenbewilligungen vorbereiten und einreichen wird. Möglich sind je ein Standort für jeden Lagertyp oder ein Standort für ein kombiniertes Endlager.

Rund drei Jahre nehmen danach die behördlichen Gutachten in Anspruch, bevor die letzten knapp zwei Jahre für die öffentliche Auflage des Gesuchs und der Gutachten einberechnet werden müssen. In diese Zeit fällt auch die Stellungnahme der Gemeinden, Kantone, Nachbarländer und Bundesstellen.

Der abschliessende Entscheid des Bundesrates dürfte dann im Jahre 2027 fällig werden. Dieser Entscheid muss dem Parlament zur Genehmigung vorgelegt werden und unterliegt dem fakultativen Referendum.

Endlager erst 2060 in Betrieb

Läuft das ganze Verfahren nach dem jetzt aktualisierten Zeitplan ab, verzögert sich auch der Bau und die Inbetriebnahme der beiden geplanten Endlager um einige Jahre. Das Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle dürfte erst um das Jahr 2050 anstatt wie ursprünglich geplant 2035 in Betrieb gehen.

Das Tiefenlager für hochaktive Abfälle wird voraussichtlich im Jahr 2060 statt 2050 seinen Betrieb aufnehmen können. Dies sagte Nagra-GL-Mitglied Markus Fritschi im BFE-Newsletter.

Mit den bestehenden Zwischenlagern stünden ausreichend Lagerkapazitäten sowohl für die schwach- und mittelaktiven als auch für die hochaktiven Abfälle zur Verfügung, sagte Fritschi weiter. Diese Berechnungen würden für alle anfallenden radioaktiven Abfälle gelten, inklusive jenen aus dem Rückbau der Kernkraftwerke. (ldc/sda)

Erstellt: 16.04.2014, 18:26 Uhr

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