Wie die Rega zum Absturz gebracht werden soll

Im Hintergrund steuert ein professionelles PR-Büro für den TCS die gezielten Attacken gegen die Rega.

Rund um die Uhr: Ein Rega-Helikopter auf einem Einsatzflug.

Rund um die Uhr: Ein Rega-Helikopter auf einem Einsatzflug. Bild: Arno Balzarini/Keystone

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Der Vorwurf ist hart: Die Schweizerische Rettungsflugwacht verteidige gegenüber weiteren Anbietern in der Luftrettung ihre Monopolstellung, schreibt die «Weltwoche», und trage auf dem Rücken der Patienten einen Streit aus. Anlass für das mediale Gewitter, das sich anhand des «Weltwoche»-Artikels dieser Tage über der Rega entlädt, ist zum wiederholten Mal ein Verkehrsunfall im Aargau. Vergangene Woche starb dort ein vierjähriger Junge. Kurz nachdem seine Eltern in einem Land Rover über einen Kreisel gefahren waren, öffnete sich die Tür am Heck und das Kind fiel auf die Strasse. Der Lenker des nachfolgenden Autos konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und überfuhr das Kind.

Die Rega sei erst eine halbe Stunde nach dem Unfall zur Stelle gewesen, berichtete die «Weltwoche». Der Heli habe «aus dem Elsass» einfliegen müssen, weil die nächstgelegene Rega-Maschine in Dübendorf bereits im Einsatz stand. Nur 15 Kilometer entfernt wäre jedoch auf dem Spital Muri (AG) ein Helikopter des TCS bereit gestanden.

TCS will die Aargauer Lufthoheit

Anhand dieses Unglücks werden nun Argumente in einem Streit zwischen TCS und Rega wiederholt, der die Aargauer und darüber hinaus das Land beschäftigen. In den Haaren liegen sich zwei schwergewichtige Organisationen: Die Luftretter der Rega, mit 60-jähriger Tradition und ungezählten Rettungsflügen in Gebirge und Flachland sowie der Touring Club der Schweiz (TCS), mit breitem Verdienst beim Pannenservice am Boden.

Der TCS bietet im Kanton Aargau seit einem Jahr mit einem gelben Helikopter aber auch Luftrettungen an und konkurrenziert damit die Rega. Im Kampf um die aargauer Lufthoheit bei Rettungseinsätzen mischen vor Ort Lokalpolitiker mit, die gleichzeitig schon auch mal im TCS-Vorstand sitzen. Sie haben erreicht, dass die Aargauer Notfallzentrale 144 immer zuerst den TCS-Heli aufbieten muss. Wenn der TCS-Heli Patiententransporte für Clubmitglieder durchführt oder gerade auf Werbetour ist, nur dann greifen die Aargauer Nothelfer auf die Rega zurück.

Dass beim letzten Unfall die Aargauer Notfallzentrale nicht den TCS-Heli aufbot, hatte seine Gründe. Sie leitete den Unfall an den Nachbarkanton Zürich weiter. Diese schickte Rettungs­wagen und Notarzt aus dem Spital Limmattal los und bot im Rahmen bewährter Zusammenarbeit die Rega auf. Weil «Rega 1» in Dübendorf bereits besetzt war, startete «Rega 2» von der nächstmöglichen Basis Basel. Man brauche 20 Minuten, beschied die Rega-Zentrale der Zürcher Einsatzleitung, was mit «O.K.» quittiert wurde. Erstaunt stellen die Rega-Helfer in letzter Zeit fest, dass im Aargau praktisch jeder Einsatz des TCS-Helis als grosser Erfolg gefeiert wird, während es bei Einsätzen der Rega regelmässig Kritik hagelt. Alles nur Zufall?

Profi-Berater im Hintergrund

Unabhängig vom Unfall von vergangener Woche, zählt der TCS in seinem Bestreben, sich neu als Retter aus der Luft zu profilieren, auf professionelle PR-Hilfe. Diese liefert das teure Beratungsbüro Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten. TCS-Kommunikationschef Moreno Volpi bestätigt, dass der TCS ein PR-Beratungsbüro beschäftige, aber nur auf strategischer Ebene. Die Sicht von aussen sei wichtig und die Verpflichtung von Beratern in grossen Unternehmen normal. Den Namen des Büros will Volpi nicht nennen.

Die Nachfrage der BaZ beim zuständigen PR-Büro bleibt unbeantwortet. Alle, die sich im Dossier Rega/TCS auskennen, seien heute weg, bestätigt eine freundliche Auskunftsperson.

Auch Jürg Wildberger, der Ex- «10vor10»-Mann, war gestern für die BaZ nicht erreichbar. Wildberger arbeitet seit 2007 für das gut vernetzte PR-Büro. Dass sich Wildberger für den TCS nicht nur auf «strategischer Ebene» bewegt, sondern auch im kommunikativen Notfall, erfuhren letztes Jahr die Macher der TV-Sendung «Kassensturz». Sie recherchierten einen Beitrag über missglückte Patientenrückführungen von TCS-Versicherten aus dem Ausland. Wildberger und ein Rechtsanwalt setzten zuerst alles daran, die Ausstrahlung des Beitrags zu verhindern. Lange Schreiben und wiederholte Telefonanrufe Wildbergers begleiteten die Arbeit der Journalisten, die sich aber nicht einschüchtern liessen.

Erstellt: 12.07.2013, 07:31 Uhr

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