Offiziere werfen Vorstand «geistige Faulheit» vor

Die Schweizerische Offiziersgesellschaft schreibt seit Jahren rote Zahlen. Nun setzt die Aargauer Sektion den Vorstand mit einem offenen Brief unter Druck.

Die Aargauer Offiziere wollen an der nächsten Delegiertenversammlung das Budget abweisen. Im Bild der Anlass von 2015 in Locarno.

Die Aargauer Offiziere wollen an der nächsten Delegiertenversammlung das Budget abweisen. Im Bild der Anlass von 2015 in Locarno. Bild: Ti-Press/Carlo Reguzzi/Keystone

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Am 18. März treffen sich die Delegierten der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) und schon heute steht fest, dass die Versammlung nicht harmonisch verlaufen wird. Die Aargauer Offiziere fordern, dem Vorstand die Décharge zu verweigern und die Jahresrechnung abzulehnen. Gewissen Vorstandsmitgliedern legen sie den Rücktritt nahe. Zudem wollen sie überprüft haben, ob es bei der Offiziersstiftung zu Unregelmässigkeiten gekommen ist. Das schreibt die Aargauische Offiziersgesellschaft in einem offenen Brief an den Präsidenten der SOG.

Die Aargauer werfen der SOG vor, in den vergangenen fünf Jahren 777 000 Franken «vernichtet» zu haben. Diese hat nicht nur selber rote Zahlen geschrieben, sondern auch das Kapital ihrer Offiziersstiftung fast aufgebraucht. Die Aargauer machen dafür vor allem das «aufgeblähte Generalsekretariat» verantwortlich, aber auch die teuren Abstimmungskampagnen und die «geistige Faulheit zur alternativen Mittelbeschaffung».

Was den Aargauern Offizieren vor allem ein Dorn im Auge ist: Der Vorstand will die Mitgliederbeiträge um 10 Franken erhöhen. Heute zahlen die Offiziere je nach Sektion zwischen 65 bis 80 Franken, davon gehen 10 Franken an die Schweizerische Gesellschaft. «Dieser Betrag ist auf den ersten Blick nicht hoch», sagt Peter Balzer, Präsident der Aargauischen Offiziersgesellschaft. Er befürchtet aber, dass es künftig noch schwieriger werden könnte, Mitglieder zu werben; schon heute fehlten die Argumente. Und: «Es besteht durchaus die Gefahr, dass einige Sektionen austreten.» Manche hätten bereits mit dem Austritt gedroht. Balzer fordert deshalb, dass der Vorstand die Kosten in den Griff bekommen soll, statt die Beiträge zu erhöhen.

Kosten bereits gesenkt

Der Adressat des offenen Briefes, SOG-Präsident Stefan Holenstein, goutiert die Aktion der Aargauer in keiner Weise – weder Ton, noch Inhalt oder Vorgehen, wie er sagt: «Bevor sie an die Öffentlichkeit treten, sollten sie intern das Gespräch suchen.» Wenn die SOG, die offizielle Stimme der Schweizer Offiziere, auf diese Weise von sich reden mache, sei dies dem Image nicht förderlich.

Holenstein, der letztes Jahr sein Amt als Generaldirektor des ACS wegen internen Querelen verlor, wurde erst an der Delegiertenversammlung im März 2016 zum Präsidenten der SOG gewählt. Dann, als die Finanzen bereits in Schieflage waren. 2012 hat der damalige Vorstand das Generalsekretariat professionalisieren wollen und den Auftrag ausgeschrieben. Das hat sich in den Kosten niedergeschlagen hat.

Wie Holenstein sagt, hat der Vorstand den Aufwand von bisher rund 380 000 Franken aber bereits um gegen 100 000 Franken gesenkt. Gekürzt wurde beim Sekretariat, bei den Dienstleistungen – und bei den Spesen des Präsidenten. Sie wurden auf 20 000 Franken eingefroren. Zudem sucht Holenstein nach Gönnern oder Sponsoren, hat aber noch keine Zusagen. Die Offiziersgesellschaft hätte allerdings Wichtigeres zu tun, als über Mitgliederbeiträge zu streiten – wichtige Projekte wie die Weiterentwicklung der Armee, oder die Fliegerbeschaffung müssten begleitet werden.

Auch wenn die Delegierten schon vor einem Jahr höhere Beiträge abgelehnt hatten, beantragt Holenstein am 18. März erneut, sie um 5, maximal 10 Franken zu erhöhen. Wer obsiegt? Holenstein glaubt, dass er eine Mehrheit findet. Balzer wagt keine Prognose. Er glaubt aber, dass die Vorkommnisse die Wirkung eines reinigenden Gewitters haben werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2017, 18:48 Uhr

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