Anti-WEF-Demo: SRF schützt Kamerateams mit Bodyguards

Bei den drei angegriffenen Zivilisten am Rande der Anti-WEF-Demo handelte es sich um einen SRF-Kameramann und dessen Bodyguards.

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Während rund 20 Sekunden drohte am Samstag die Anti-WEF-Demo in Bern zu eskalieren. Beim Bollwerk, Höhe Aarbergergasse, treten plötzlich rund zehn Vermummte aus dem Demo-Zug. Sie rennen auf eine kleinere Personengruppe zu und rufen «Scheiss Faschos». Die drei Angegriffenen flüchten durch die Aarbergergasse. Der Hinterste von ihnen, ein Mann mit Rucksack, kassiert von den jungen Demonstranten ein paar Fusstritte und Faustschläge. Als sich die Flüchtenden bei einer Gruppe Polizeigrenadiere in Sicherheit bringen, reihen sich die Prügler blitzschnell wieder in den Umzug.

Angriff galt Ex-Pnos-Leiter

Nach dem Vorfall ging das Gerücht um, zumindest einer der Attackierten sei ein Videojournalist gewesen. Tatsächlich bestätigte die Kantonspolizei Bern noch am Samstagabend, dass eine Person eine Videokamera dabeigehabt habe. Bei den Angegriffenen habe es sich ausschliesslich um Zivilisten gehandelt. Von ihnen sei niemand verletzt worden, so die Polizei weiter. Haben linksautonome Chaoten einen Journalisten bei seiner Arbeit attackiert?

Ebenfalls am Samstagabend sah sich die Revolutionäre Jugendgruppe Bern (RJG), welche zu der unbewilligten Kundgebung aufgerufen hatte, dazu gezwungen, den Vorfall zu rechtfertigen. «Der Angriff galt nicht den Journalisten, er galt Stefan Wüthrich», schrieben sie in einer Nachricht auf Twitter. Dazu stellten sie ein Bild, welches den Genannten neben einem Kameramann während der Kundgebung zeigt.

Der 33-jährige Wüthrich betreibt heute ein Selbstverteidigungs- und Fitnessstudio in Ostermundigen. 2005 war er während rund anderthalb Jahren Ortsleiter der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) in Langenthal. Bis heute ist er offenbar ein Feindbild der Linksautonomen geblieben.

Bodyguard kassierte Schläge

Nun stand die Frage im Raum: Hat ein Ex-Pnos-Mitglied mit Verbündeten absichtlich Ärger an einer linken Demo gesucht? Stefan Wüthrich kann darüber nur den Kopf schütteln. Diese Zeitung konfrontierte den professionellen Wettkampfsportler in seinem Studio mit der Frage. Er habe mit der Pnos schon lange nichts mehr am Hut. Er tut sein damaliges Engagement als «jugendliche Polit-Ersterfahrung» ab.

Der Grund, warum er am Samstag am Rande der Demo mitgelaufen ist, sei ein völlig anderer. «Ich war als Personenschützer beauftragt», sagt er. Der Auftraggeber: das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Bei dem Angriff habe er den SRF-Mitarbeiter und sich selbst rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Der zweite Security, der Mann mit dem Rucksack, hatte weniger Glück. Dieser kassierte ein paar Schläge und Tritte, doch auch er konnte sich in Sicherheit bringen.

SRF-Kennzeichnung fehlte

Das SRF bestätigt auf Anfrage, dass am Samstag ein Kameramann und ein Tonoperateur zusammen mit zwei Personenschützern an der Kundgebung waren. Vom Angriff betroffen seien der SRF-Kameramann und die zwei Sicherheitsmänner gewesen. Der hauseigene Mitarbeiter sei nicht verletzt worden. Das SRF verurteile den Angriff auf ihren Mitarbeiter in aller Form, wie SRF-Mediensprecherin Andrea Wenger auf Anfrage mitteilt.

Das Schweizer Fernsehen ist bei seiner Berichterstattung über Demonstrationen also auf Personenschutz angewiesen? «Generell stellen wir fest, dass die Schwelle, Gewalt anzuwenden, zu sinken scheint», hält Wenger fest. «Wenn Personenschützer zum Einsatz kommen, arbeitet SRF mit privaten Sicherheitsfirmen zusammen», sagt sie weiter. Die Polizei habe an Demonstrationen andere Aufgaben, «zudem ist sie als Partei – der Staat sorgt für Sicherheit – nicht für den Schutz von Journalisten geeignet».

«Generell stellen wir fest, dass die Schwelle, Gewalt anzuwenden, zu sinken scheint.»Andrea Wenger, SRF-Mediensprecherin

«Bislang waren SRF-Mitarbeitende an Demonstrationen mit Gewaltpotenzial bewusst nicht als Medienschaffende gekennzeichnet, weil sie sich dadurch unter Umständen auch als potenzielle Zielscheibe exponieren», meint Andrea Wenger. Unabhängig vom Zwischenfall am vergangenen Samstag gebe es aber Überlegungen, bei gewissen Demonstrationen künftig mit einem sichtbaren SRF-Logo, beispielsweise an der Jacke, aufzutreten. Nach dem Vorfall am Samstag wollen die SRF-Verantwortlichen nun das Gespräch mit der Sicherheitsfirma suchen.

Wussten es die Prügler?

Bleibt die Frage, ob die vermummten Prügler wussten, dass sie neben einem Ex-Pnos-Mitglied auch einen Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens angegriffen haben. Die Revolutionäre Jugendgruppe Bern liess eine entsprechende Anfrage per Mail am Montag unbeantwortet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.01.2019, 20:39 Uhr

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