Basler Staatsanwälte ermitteln gegen Piraten

Afrikanische Piraten hatten im September das Schweizer Hochseeschiff «MV Glarus» entführt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren eingeleitet.

Afrikanische Piraten werden von der Basler Justiz verfolgt.

Afrikanische Piraten werden von der Basler Justiz verfolgt. Bild: Keystone

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Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt hat Ermittlungen gegen afrikanische Piraten eingleitet, die vor einem Monat im Golf von Guinea die Mannschaft des Schweizer Hochseeschiffs «MV Glarus» entführt hatten.

Kriminalkommissär René Gsell bestätigte gegenüber der Agentur Keystone-SDA einen Artikel des «SonntagsBlick». «Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt hat, wie in solchen Fällen üblich, gestützt auf das Flaggenprinzip und bestehend auf gesetzlichen Grundlagen, ein Vorverfahren zur Geiselnahme eröffnet», sagte Gsell Keystone-SDA. Das Vorverfahren sei eröffnet worden, nachdem die Entführung Ende September bekannt wurde. Zum Stand der Untersuchung machte er wegen des laufenden Verfahrens keine Angaben.

Weil die Geiselnahme eine Straftat an Bord eines Schweizer Seeschiffs ist, wird das Flaggenprinzip angewendet. Die «Glarus» steht damit unter Schweizer Recht. Kommt es auf ihr zu einem Verbrechen, gilt dieses als in der Schweiz verübte Tat. Da Basel der Heimathafen aller Schweizer Hochseeschiffe ist, wurden die dortigen Staatsanwälte aktiv.

Sieben Philippiner, ein Kroate, ein Bosnier, ein Slowene, ein Ukrainer und ein Rumäne sind seit einem Monat in Geiselhaft, Schweizer sind keine darunter. Die Piraten fordern Lösegeld. Wie der «SonntagsBlick» berichtet, drehen sich die Verhandlungen um das Lösegeld. Dies sei aus Regierungsquellen in Nigeria in Erfahrung gebracht worden. In Nigeria rechne man mit der baldigen Freilassung der Geiseln.

Die Mannschaft werde zusammen festgehalten und es gehe ihr den Umständen entsprechend gut, sagte ein Sprecher der betroffenen Reederei Massoel Shipping in Genf zum «SonntagsBlick». Die Regierungen der entführten Seeleute seien involviert. Da keine Schweizer Bürger betroffen sind, leistet das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) keinen konsularischen Schutz. Gemäss «SonntagsBlick» unterstützt das EDA auch die betroffene Reederei finanziell nicht.

Mit Getreide an Bord

Die «Glarus» war am 22. September 45 Seemeilen südwestlich von Bonny Island entführt worden. Das Schiff war nach Angaben der Reederei mit Getreide an Bord auf dem Weg zwischen Lagos und Port Harcourt unterwegs. Die Piraten seien über lange Leitern an Bord gekommen, hätten den Stacheldraht, der die Brücke schützte, durchtrennt, die Kommunikationsanlagen am Schiff zerstört und zwölf der 19 Besatzungsmitglieder entführt.

Laut «SonntagsBlick» handelt es sich um Piraten der Rebellenbewegung für die Befreiung des Nigerdeltas (Mend). Diese Rebellengruppe kämpft für eine höhere Beteiligung der Bevölkerung des Deltas an den Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung in der rohstoffreichen Region. Gemäss Bericht haben die Rebellen anfangs Jahr auch ein niederländisches Frachtschiff entführt. Damals dauerte es 30 Tage, bis die Mannschaft des Frachters «Forest Wave» freikam. (amu/sda)

Erstellt: 21.10.2018, 11:09 Uhr

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