Sogar Tierquäler erhalten Subventionen

Auch notorische Problembauern erhalten weiter Bundesgelder – manchmal Zehntausende Franken. Kantonstierärzte fordern härtere Strafen.

Der Tierquäler von Hefenhofen erhielt trotz Verurteilungen weiter Subventionen: Ein abgemagertes Pferd auf dem Hof von Ulrich K. Foto: zvg

Der Tierquäler von Hefenhofen erhielt trotz Verurteilungen weiter Subventionen: Ein abgemagertes Pferd auf dem Hof von Ulrich K. Foto: zvg

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Fünfmal kontrollieren die Solothurner Behörden den Hof. Fünfmal finden sie leidende Tiere. Einmal steht den Kälbern kein Raufutter zur Verfügung. Dann sind 55 Kühe in einen Stall mit 41 Plätzen gepfercht. Ein andermal ist fast jede vierte Kuh unterernährt, einige «hochgradig abgemagert und apathisch», wie im Strafbefehl steht. Die Tiere leiden an Durst, «eine trank den Urin ihres Kalbes».

Der Landwirt ist ein Wiederholungstäter, wie so mancher Berufskollege. Zwar belegen die Daten des Bundes, dass die meisten Bauern sauber arbeiten: Zwischen 2014 und 2017 erhielten insgesamt 62 003 Betriebe Gelder vom Bund. 18 313 von ihnen wurden Direktzahlungen wegen Verstössen gegen das Tierschutzgesetz gekürzt.

56 Prozent aller Abzüge lagen unter 500 Franken. Problematisch sind jedoch die Wiederholungstäter. 3550 Betriebe wurden in zwei unterschiedlichen Jahren abgestraft, bei 869 gab es dreimal Abzüge. Und 195 bekamen in jedem einzelnen Jahr weniger Geld.

«Wir haben Dauerkunden, die haben sich schon daran gewöhnt, dass es Kürzungen gibt, weil wir ­Mängel finden», sagt die Aargauer Kantonstierärztin Barbara Thür. Und ihr Berner Kollege Reto Wyss: «Es gibt zum Teil Tierhalter, die offenbar damit leben, dass ­ihnen wegen Verstössen jedes Jahr Direktzahlungen gekürzt werden.»

Selbst der Quälbauer von Hefenhofen erhielt noch Direktzahlungen

Ein bekannter Fall verdeutlicht das Problem. Über Jahre hatte ein Bauer in Hefenhofen TG seine Pferde gequält. Der Kanton liess den Betrieb 2017 zwangsräumen und strich die Direktzahlungen um 109 498 Franken. Das war 2017 die höchste Kürzung. Dennoch erhielt der Mann am Ende des Jahres noch Subventionen: Es standen ihm 23 245 Franken zu, wie die Daten des Bundes belegen. Genauso war es bei der zweithöchsten Kürzung 2017. Ein Solothurner Landwirt hatte den Tierschutz bei Rindern, Pferden, Schafen und Hühnern missachtet. Ihm wurden zwar 105 232 Franken gestrichen. Trotzdem blieb ein Überschuss an Direktzahlungen von 49 514 Franken.

Praktisch nie werden einem Landwirt alle Leistungen gestrichen. Es stellt sich die Frage, ob die Sanktionen zu wenig schmerzhaft ausfallen. Im Jahr 2017 betrug eine durchschnittliche Kürzung 1097 Franken. Gleichzeitig wurden pro Betrieb über 53 000 Franken Direktzahlungen ausgeschüttet. Wer wiederum gar keine Bundesgelder bezieht, wie dies zum Teil bei Schweinezüchtern der Fall ist, der kann nur über Bussen und Geldstrafen sanktioniert werden.

Doch auch die fallen eher tief aus, wie die Strafbefehle aus den Kantonen zeigen. Laut Paul Witzig, Thurgauer Kantonstierarzt, sind die «Wiederholungstäter» häufig Bauern, die zu viele Schweine in einer Bucht halten. Diese würden zwar bestraft. «Aber die Busse ist weniger hoch als der finanzielle Vorteil, den die Landwirte haben, wenn sie mehr Tiere aufziehen.» Hier brauche es Verschärfungen. «Mangelhafte Tierhaltung darf sich nicht mehr lohnen.»

Hinweise an: recherchedesk@tamedia.ch

Erstellt: 30.06.2019, 10:12 Uhr

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Hier lesen Sie alle Artikel zur Serie:

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Verantwortlich Umsetzung Online: Hannes von Wyl

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