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Bundesamt für Strassen schon wieder unter Beschuss

Die Finanzkontrolle hat erneut ein Informatik-Projekt des Bundesamtes für Strassen (Astra) kritisiert. Es geht um Aufträge in Millionenhöhe.

Das Bundesamt für Strassen hat nicht nur Baustellen wie diese auf der A1. Immer wieder sorgt das Amt wegen interner Baustellen für Schlagzeilen.
Das Bundesamt für Strassen hat nicht nur Baustellen wie diese auf der A1. Immer wieder sorgt das Amt wegen interner Baustellen für Schlagzeilen.
Susanne Keller
Unter Druck: Rudolf Dieterle, Chef des Bundesamts für Strassen.
Unter Druck: Rudolf Dieterle, Chef des Bundesamts für Strassen.
Keystone
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Beim Buchhaltungs- und Controllingsystem für Autobahnprojekte – genannt TDCost – rügt die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) verschiedene Risiken und Mängel. Die «Berner Zeitung» veröffentlichte heute Auszüge aus einem Bericht der EFK. Brisant ist laut dem Zeitungsbericht, dass die Anwendung von der Berner Firma Techdata geliefert wurde, in der Astra-Direktor Rudolf Dieterle früher als Geschäftsführer amtete. In den letzten Jahren wurden laut der «Berner Zeitung» mehrere Aufträge in Millionenhöhe vergeben.

Das Astra hat bereits auf die Hauptempfehlung der Finanzkontrolleure reagiert. Es hat Anfang November angekündigt, mittelfristig einen Ersatz für das System zu suchen und ein Evaluationsverfahren zu starten. Bis ein Nachfolgesystem betriebsbereit sei, werde es aber mehrere Jahre dauern. TDCost werde unterdessen sicherheitsmässig so verbessert, dass es während der Übergangszeit weiterhin produktiv genutzt werden könne.

Dieterle «frei von jeglichen Verpflichtungen»

Das Astra hält heute in einer Stellungnahme fest, dass Dieterle ab 1982 Geschäftsleiter und ab 1987 Delegierter des Verwaltungsrats der Techdata war. 1997 habe er die Firma verlassen, frei von jeglichen Verpflichtungen und persönlichem Interesse der Firma gegenüber.

Die erste Auftragsvergabe an Techdata durch das Astra sei im Jahr 2000 erfolgt, als Dieterle noch nicht dort tätig gewesen sei. Das Astra schliesst auch aus, dass die Firma Techdata sich als Auftragnehmerin des Astra Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Mitbewerbern im Projektgeschäft habe erwerben könne.

Von einer Firma abhängig

In dem EFK-Bericht wird neben den Risiken und Mängeln, die bei der Prüfung entdeckt wurden, auch die Abhängigkeit von der Firma kritisiert. Sie sei kostenintensiv und schränke das Astra bei allfälligen Preisverhandlungen stark ein, da es für Weiterentwicklungen momentan gar keine Alternativen gebe. Das Wissen über TDCost sei sowohl bei Techdata als auch bei der Subunternehmung TRIVADIS auf wenige Personen verteilt. Ein Ausfall des Architekten von TDCost könnte das Ende für die Weiterentwicklung von TDCost bedeuten. Daher sollten auch Alternativen betrachtet werden.

Die Firma Techdata sei zudem nicht nur Lieferant und Supporter von TDCost, sondern erbringe auch umfangreiche bautechnische Leistungen an das Astra. Da Techdata in der Lage sei, die aktuellen Produktivdaten in TDCost zu lesen, könnte sie sich gegebenenfalls einen Wissensvorsprung gegenüber den übrigen Anbietern verschaffen. Diese Situation darf aus Sicht der EFK nicht bestehen bleiben.

Die EFK gelangte schliesslich zur Überzeugung, dass die Anwendung TDCost den Anforderungen an ein finanzrelevantes Vorsystem nicht genüge. Sie dient heute auch als Vorsystem der Finanzbuchhaltung des Bundes. Dabei werden jährlich über 22'000 Rechnungen in der Höhe von mehr als 1,5 Milliarden Franken abgewickelt. Aufgrund der bestehenden Systemberechtigungen erscheine es durchaus als möglich, dass fiktive Rechnungen verbucht werden könnten und dass diese auch bezahlt würden, hält die EFK fest.

Mehrmals Budget massiv überschritten

Die Finanzkontrolle hatte im vergangenen November das Astra bereits wegen des IT-Projektes zur zentralen Verwaltung aller Strassendaten (Mistra) gerügt, das doppelt so teuer zu stehen kommt als geplant. Es wird mit Kosten von über 100 Millionen Franken gerechnet, budgetiert waren 43 Millionen Franken. Kritisiert wurden damals auch die ungenügende Transparenz bei der Beschaffung und eine Verletzung des Finanzhaushaltsgesetzes.

MISTRA war nicht das erste Projekt im Astra, das teurer wurde als geplant. Ende 2012 gab es bekannt, dass das neue Informationssystem Verkehrszulassung (IVZ) viermal teurer werde als geplant, nämlich 32,6 Millionen Franken statt acht Millionen Franken.

(SDA)

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