Cryptoleaks: «Das schadet der ganzen Industrie»

Die Spionageaffäre schlägt auch in der Schweizer IT-Sicherheitsbranche ein. Der Schaden sei gross, sagen mehrere Exponenten.

Die Enthüllung zur Crypto AG beschäftigt auch die IT-Sicherheitsbranche: Ehemaliges Hauptgebäude der Zuger Firma in Steinhausen. Foto: Keystone

Die Enthüllung zur Crypto AG beschäftigt auch die IT-Sicherheitsbranche: Ehemaliges Hauptgebäude der Zuger Firma in Steinhausen. Foto: Keystone

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Es ist das Stelldichein der Schweizer IT-Sicherheitsexperten: Am Mittwoch und heute Donnerstag finden die Swiss Cyber Security Days (SCSD) im Forum Freiburg statt. Dort treffen sich die wichtigsten Schweizer Hersteller, Verkäufer und Kunden von IT-Sicherheitslösungen. Neben Wissenschaftlern und Hackern sind auch hochrangige Vertreter des Bundes wie Armeechef Thomas Süssli oder Florian Schütz, zuständig für die Cybersicherheit, anwesend.

Zwei Tage lang tauschen sie sich darüber aus, wie sie die Firmen möglichst sicher aufstellen, welche Tricks sich die Angreifer als Nächstes einfallen lassen und wie sich die Schweiz dagegen wehren kann.

Klar sind da auch die Cryptoleaks ein Gesprächsthema. Die Enthüllungen hätten nicht besser getimt sein können, so eine Teilnehmerin. Die Sache beschäftige in der Branche jeden.

Schaden für die Industrie

Ein IT-Verantwortlicher eines Schweizer Grosskonzerns sagt dazu: Die ganze Geschichte um die Crypto AG sei ein unvorstellbarer Vorgang. Dass die Schweiz Hand geboten habe dafür und ausländische Geheimdienste habe gewähren lassen, sei unentschuldbar. «Das untergräbt unser Vertrauen und schadet der ganzen Industrie», so der Mann.

Ivan Bütler, Gründer der Compass Security AG, ist über die Enthüllung erstaunt. «Ich bin überrascht, dass man das so lange verheimlichen konnte – und sagt, es sei nichts. Und das über Jahrzehnte.» Er habe gedacht, die DNA der Neutralität sei «tief verwurzelt in den Köpfen und Werten unserer Gesellschaft».

Bütler spricht von einem «herben Schlag» für die Schweiz als Wirtschaftsstandort. «Die Schweiz hat das Potenzial, im Rahmen der Digitalisierung als ‹sicheren Hafen› auf der Welt wahrgenommen zu werden. Die Daten in der Schweiz sind auf neutralem Boden. Und auch sonst geniesst die Schweiz eine hohe Glaubwürdigkeit in Bezug auf Neutralität», so Bütler.

Schlecht gehütetes Geheimnis

Ein IT-Unternehmer sieht die Sache gelassener. Dass die Crypto AG der verlängerte Arm der Geheimdienste sei, sei das schlechtestgehütete Geheimnis der Szene gewesen. Die Auftrennung der Crypto AG in verschiedene Unternehmen und die Gründe dafür seien jedem bekannt gewesen. «Die Aufarbeitung der ganzen Geschichte hat nur noch eine historische Bedeutung», sagt der Unternehmer. Viel wichtiger sei es jetzt, zu überprüfen, welche IT-Komponenten und Software heute beschafft würden und ob über diese nicht geheime Datenabflüsse stattfänden. «Dort liegt das Schadenspotenzial der Zukunft», so der Unternehmer. «Wissen wir wirklich, wo unsere Daten landen?»

Das zu wissen, ist offenbar alles andere als einfach. «Da müssen wir einfach vertrauen und hoffen», sagt ein anderer IT-Experte eines bedeutenden Finanzkonzerns. In einer grossen Firma lässt sich schlicht nicht jeder Drucker und jedes Netzwerkteil überprüfen, ob über das Gerät verdeckt Daten gestohlen werden. «Gegen solche Bedrohungen sind wir als einzelne Firma chancenlos», so sein Fazit. Für diese Sicherheit müssten andere Stellen sorgen. «Wir haben schon genug damit zu tun, die alltäglichen Attacken abzuwehren.»

Erstellt: 13.02.2020, 18:59 Uhr

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