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Cryptoleaks: Jetzt kommt Kritik aus dem Ausland

Die Spionageaffäre ist international Thema. Mehrere Länder haben bei der Schweiz interveniert. China geisselt die USA.

Öffentlich hat sich bislang China am dezidiertesten zu Wort gemeldet. Foto: Keystone
Öffentlich hat sich bislang China am dezidiertesten zu Wort gemeldet. Foto: Keystone

Seit zehn Tagen weiss die Welt genau, wie die USA und Deutschland mit manipulierten Chiffriergeräten der Zuger Crypto AG andere Staaten ausspioniert haben. Über hundert Länder sind von der Geheimdienst-Operation betroffen. Es ist eine der grössten, die je bekannt wurde. Inzwischen haben sich immer mehr Regierungsvertreter und Diplomaten zur Affäre geäussert - auch direkt gegenüber der Schweiz.

Vor einer Woche sagte Bundesratssprecher André Simonazzi noch, dass man keine Reaktionen auf die Enthüllungen erhalten habe. Das hat sich inzwischen geändert. Es habe «wenige Reaktionen von Drittstaaten gegenüber der Schweiz» gegeben, erklärt Renato Kalbermatten, Sprecher im Verteidigungsdepartement, auf Anfrage. Von welchen Ländern die Interventionen kamen und wie sie konkret ausfielen, hält er unter Verschluss.

«Stoppt den Dieb»

Öffentlich hat sich bislang China am dezidiertesten zu Wort gemeldet. Ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums sagte, die Cryptoleaks-Enthüllungen hätten einmal mehr gezeigt, dass die USA der grösste staatliche Akteur beim Spionieren im Cyberspace seien. Weiter forderte er die Amerikaner auf, sich der internationalen Staatengemeinschaft zu erklären. Zudem warf er den USA Scheinheiligkeit vor. Sie agierten «wie Diebe, die «Stoppt den Dieb» schreien».

Diese Äusserungen stehen wohl im Zusammenhang mit den laufenden Bemühungen der USA, andere Länder davon abzubringen, für den Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes die Technik des chinesischen Konzerns Huawei einzusetzen. Die Trump-Regierung warnt davor, dass das chinesische Regime Daten aus solchen Netzen absaugen könnte – ganz ähnlich wie das die Amerikaner jahrzehntelang dank den Crypto-Geräten selber gemacht haben. In diese Richtung zielen auch Aussagen des chinesischen Top-Diplomaten in Brüssel. Die Crypto-Enthüllungen machten klar, weshalb die USA so vehement gegen Huawei agierten, sagte Botschafter Zhang Ming am Dienstag vor Journalisten.

Ein asiatischer Abnehmer von Geräten der Crypto AG war Malaysia. Innenminister Muhyiddin Yassin versuchte den Schaden zu begrenzen. Malaysia habe die Crypto-Maschinen nicht genutzt, um «wichtige Geheimnisse» zu übermitteln, sagte er vor Medienvertretern. Malaysia verfüge über eigene kryptologische Verfahren, ergänzte ein Polizei-General.

Iran hält sich bislang zurück

In Belgien untersucht der Miltärnachrichtendienst SGRS den potenziellen Umfang der Abhöraktion. Das Land ist als Sitz der Nato und der EU besonders interessant für Spione. Laut Verteidigungsminister Philippe Goffin hat die belgische Armee bis Mitte 70er-Jahre Crypto-Maschinen gekauft.

In Norwegen zeigte sich der stellvertretende Direktor der Nationalen Sicherheitsbehörde, Hans Robert Bjørnaas, von den Enthüllungen nicht überrascht. Das Nato-Land selber vermied gemäss der Osloer Zeitung DN wegen Spionageverdachts den Einsatz von Crypto-Geräten. Doch die norwegische Kongsberg Gruppe, lange Zeit in Staatsbesitz, hat Rüstungstechnik mit Komponenten aus dem Kanton Zug in den Nahen Osten und nach Osteuropa verkauft.

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In Österreich schliesslich gab Verteidigungsministerin Klaudia Tanner bekannt, dass die Generalsekretäre des Innen-, des Verteidigungs- und des Aussenministeriums mit einer hohen Vertreterin der USA getroffen hätten, um Aufklärung in dieser Sache zu betreiben.

Zurückhaltend geblieben ist der Iran, obschon das Ayatollah-Regime bis in die 90er-Jahre ein Crypto-Grosskunde gewesen war und es kaum eine Gelegenheit auslässt, die USA zu geisseln. Ein Vertreter der iranischen Botschaft in Bern richtete aus, man habe im Moment nichts zur Crypto-Angelegenheit zu sagen. Eine Erklärung für die Passivität lieferte der iranische Aussenminister an der Münchner Sicherheitskonferenz. Zu ZDF und "Washington Post" sagte Mohammad Jawad Zarif mit ironischem Unterton: «Dank der US-Sanktionen hat uns die Crypto in den letzten 25 bis 30 Jahren nichts mehr verkauft. Sanktionen haben auch ihre guten Seiten, das ist eine davon.»

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