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Das Gegenteil der Griechen

Die Schweizer Aussenpolitik ist leise, technokratisch und diskret.

Wenn die Schweiz einen besonderen aussenpolitischen Trumpf besitzt, dann ist es das Ungleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Potenz und politischer Bedeutung. Auf der politischen Landkarte Europas blieb die Schweiz lange Jahre nahezu unsichtbar. Sie kultivierte das Bild eines Landes gepflegter ­politischer Langeweile: ohne Streiks, ohne Regierungswechsel, ohne international verwertbare politische Figuren. Und vor allem: ohne internationale ­Ambitionen.

Dafür schiebt die kleine Schweiz in wirtschaftlicher Hinsicht lange schon die Bugwelle einer Mittelmacht vor sich her. Nicht die Logik der Politik, sondern die Logik des Wirtschaftens hat jahrzehntelang den internationalen Umgang mit der Schweiz geprägt. Sie kam unbeschadet durch den Zweiten Weltkrieg, weil sie als neutrale Finanzdrehscheibe mehr hergab denn als Kriegstrophäe. Im Kalten Krieg wurde sie dank ihrer Zurückhaltung und trotz Westeinbindung auch im Osten als Treuhänderin akzeptiert. Seither baute sie sehr erfolgreich bilaterale europäische Beziehungen im Geist des wirtschaftlichen Pragmatismus. Sie war erfolgreich, weil es ihr gelang, die Scheinwerfer schriller Symbolpolitik zu meiden.

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