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Der SRG-Entscheid widerspricht der schweizerischen Idee

Weshalb der Umzug des Berner Radiostudios nach Zürich politisch falsch ist.

Gilles Marchand, Generaldirektor der SRG, äussert sich zum umstrittenen Umzug. Video: SDA

Der Verwaltungsrat der SRG ist hart geblieben. Trotz massivem Widerstand gegen den Umzug von 170 Radiomitarbeitern nach Zürich hat er sich am Mittwoch entschieden, das Projekt zu realisieren. Einige Verwaltungsräte taten sich schwer mit dem Entscheid. Doch am Ende siegte wohl ein gewisser Opportunismus. Nach dem Abstimmungssieg vom März ist die SRG so stark wie schon lange nicht mehr. Es ist nicht die Zeit, in der sie auf Politiker hören muss.

Doch politisch ist dieser Entscheid falsch. Die SRG, so wurde im Abstimmungskampf stets betont, wiederspiegle die Schweiz im Kleinen. In ihrer sprachlichen, kulturellen und politischen Vielfalt und Kleinteiligkeit. Bei keinem Medium werde diese schweizerische Eigenheit publizistisch so abgebildet wie bei der SRG SSR Idée suisse. Das ist richtig. Mit gesicherten Gebühreneinnahmen von künftig 1,2 Milliarden ist sie das Medienunternehmen, das sich diese Kleinteiligkeit, man könnte auch sagen Ineffizienz, noch leisten kann. Selbst, wenn sie sparen muss.

Die Umzugspläne wurden ursprünglich auch finanziell begründet. Doch es zeigte sich bald, dass der Spareffekt ungewiss ist. Im besten Fall spart die SRG nach eigener Rechnung 4,4 Millionen Franken pro Jahr. Vielleicht sind es aber auch nur ein paar hunderttausend, wenn die SRG für den teuren Sitz der Generaldirektion an der Giacomettistrasse in Bern keinen Nachmieter findet. Sie ist bis 2032 an das Hochhaus gekettet, das sie jährlich fünf Millionen Franken Miete kostet.

Als dies klar wurde, änderten die Projektverantwortlichen die Kommunikation und begründeten die Umzugspläne nun technisch: Radio werde zunehmend digital konsumiert, die engere Anbindung an die digitale Entwicklungsarbeit in Zürich mache Sinn. Das mag sein. Aber die staatspolitische Bedeutung des Berner Standorts wiegt schwerer als die räumliche Nähe zum digitalen Kompetenzzentrum.

Viele Unterstützer der SRG sind nun enttäuscht. Und darin liegt eine weitere Problematik dieses Entscheids. Einmal mehr hat die SRG einen heiklen Abstimmungstermin passieren lassen, um dann mit brisanten Neuigkeiten aufzuwarten. Kurz nach der Abstimmung zum neuen Gebührensystem im Juni 2015 informierte die SRG über ihre Pläne für die umstrittene Werbeallianz Admeira.

Diesmal vergingen nach der No-Billag-Abstimmung gerade einmal vier Wochen, als der Umzug des Radiostudios bekannt wurden. Hätten die Stimmberechtigten vorher davon gewusst, hätte die SRG an der Urne nicht 72 Prozent von ihnen hinter sich gebracht.

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