Zum Hauptinhalt springen

Die irritierenden Seiten im Rupperswil-Prozess

Der Auftritt der Verteidigerin und des Beschuldigten am Prozess um den Vierfachmord von Rupperswil war verstörend.

Die Anwälte der Opfer sowie die Anwältin des Täters nehmen zum Rupperswil-Prozess Stellung. (Video: Tamedia/SDA)

Während zweier Tage hat das Bezirksgericht Lenzburg AG über den Vierfachmord von Rupperswil verhandelt. Heute fällt es sein Urteil. Es war eine Gerichtsverhandlung, die aus zwei Gründen irritierte.

Die Verteidigerin:

Renate Senn, die Pflichtverteidigerin von Thomas N., schrieb bei der Annahme des Mandates im Mai 2016, dass die Tat auch sie zutiefst betroffen gemacht habe. Ihr Mandant habe das Anrecht auf einen korrekt durchgeführten Strafprozess. Sie werde ihre Arbeit mit allem Respekt und mit Würde gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenen wahrnehmen, aber ihre Aufgabe als Pflichtverteidigerin gewissenhaft machen.

Beim dreistündigen Plädoyer vom Mittwochnachmittag war von Respekt und Würde gegenüber den Opfern nicht mehr viel zu spüren. So sagte die Anwältin sinngemäss, dass die Opfer ihrem Mandanten in die Hand gespielt hätten. Namentlich nannte sie die Mutter, welche Thomas N. einfach so in die Wohnung gelassen und nicht gemerkt habe, dass er sich als falscher Schulpsychologe ausgegeben habe. Auch als eine Nachbarin geläutet habe und kurz darauf im Haus gestanden sei, um den Hund abzuholen, habe sich die Mutter nichts anmerken lassen. «Sie hätte bloss etwas sagen oder eine Handbewegung machen müssen, hat sich N. gedacht», so Senn. Er habe nicht damit rechnen können, dass das spätere Opfer so kooperativ sei. Auch beim Geldabholen in der Bank habe sich die Frau vom Überfall nichts anmerken lassen.

Bezüglich der Bluttat sagte die Anwältin, Thomas N. habe den Opfern nicht mehr Schmerzen bereitet, als es für eine Tötung nötig sei. Er habe nicht aus Lust getötet.

Irritierend auch das geforderte Strafmass von 18 Jahren – dies für einen Vierfachmord. Dazu kommen weitere gravierende Delikte wie räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, Geiselnahme, sexuelle Handlungen mit Kindern, Pornografie und Brandstiftung. Den milden Strafantrag begründete Senn unter anderem damit, dass ihr Mandant von den Medien vorverurteilt und von den Behörden schikaniert worden sei.

Der Beschuldigte:

Die Erscheinung und das Auftreten von Thomas N. am Prozess steht im totalen Kontrast zu den ihm in der Anklageschrift vorgeworfenen Taten. Dass dieser junge, gut aussehende, höfliche und intelligente Mann eines der schlimmsten Verbrechen in der Schweizer Kriminalgeschichte verübt hat, ist kaum zu glauben und irritiert.

Aber gerade seine glatte Oberfläche, seine Manipulations- und Lügenkünste waren Teil seiner verbrecherischen Taten. Thomas N. hat immer wieder gesagt, dass ihm die Taten leidtäten, echte Reue war aber am Prozess nicht spürbar. Auch als Thomas N. über den Tatablauf befragt wurde, sprach er immer von einem Konstrukt. Ein technischer Begriff, welcher die brutale und unbeschreibliche Bluttat neutralisiert.

Eine öffentliche Entschuldigung gegenüber den Angehörigen machte er erst am Ende der Gerichtsverhandlung.

Aus Rücksichtnahme auf die Opfer und ihre Angehörigen in diesem Fall hat sich die Redaktion dazu entschlossen, unter diesem Artikel keine Kommentare zuzulassen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch