Die Lehrer pokern hoch

Der Lehrerverband jammert mit seinen Lohnforderungen auf Vorrat.

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Der Kampf um faire Löhne ist eine der Kernaufgaben von Gewerkschaften. So tut der Verband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer eigentlich seine Pflicht, wenn er höhere Löhne fordert. Die Löhne würden sich «dürftig» entwickeln, schreibt der Verband. Den Missmut untermauert er mit einer Studie, in der Lehrerlöhne mit Löhnen in den Banken verglichen werden. Und siehe da, man liegt 20 Prozent unter diesem «Referenzmarkt». Auch den Grund dafür kennt der Verband: Diskriminierung eines Frauenberufs.

Doch da macht es sich die Gewerkschaft zu einfach. Von einer generellen Diskriminierung kann keine Rede sein. Eben hat das Bundesgericht entsprechende Klagen aus Schaffhausen und Zürich abgewiesen. Dazu scheint der Vergleich mit der Finanzbranche willkürlich. Weshalb vergleichen sich die Lehrer nicht mit Dolmetschern, die ebenfalls einen Abschluss einer Fachhochschule brauchen? Weshalb vergleichen sie Franken und Rappen, aber nicht Gestaltungsfreiheit, Sinnhaftigkeit oder Jobsicherheit?

Der Fall ist klar, der Lehrerberuf ist viel attraktiver, als ihn der Verband darstellt. Das zeigt sich an der steigenden Zahl von Studierenden. Insbesondere beliebt ist die Lehrerausbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich bei den Quereinsteigern, die aus angeblich viel attraktiveren Berufen in den Lehrer­beruf wechseln wollen.

50 Prozent über dem Medianlohn

Bleibt die Frage nach der finanziellen Attraktivität. Im Kanton Zürich verdient eine 24-jährige Junglehrerin brutto 92'000 Franken, einen Lohn, der rund 50 Prozent über dem Medianlohn von durchschnittlichen Lohnempfängern liegt. Natürlich sind die Lehrerlöhne in Bern oder Graubünden tiefer als in Zürich. Doch am Ende richten sie sich auch dort nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. In Zürich wurden die Einstiegslöhne vor einigen Jahren wegen des Lehrermangels stark angehoben, was die Lage deutlich entschärfte.

Der Lehrerverband pokert hoch mit seinen Lohnforderungen. Wer auf Vorrat jammert, wird Mühe haben, berechtigte Forderungen durchzubringen wie die Senkung der Lektionenzahl.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2018, 21:43 Uhr

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